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Verkehr

Ziel: Regensburger Domplatz ohne Autos

Die Situation rund um Regensburgs Wahrzeichen stand bei einem Symposion im Zentrum. Ein Ergebnis war ein Aktionsbündnis.
Von Claudia Böckel

Der Blick vom neuen Museumsverwaltungsbüro der Bischöflichen Sammlungen zeigt die Verkehrsituation auf dem Domplatz. Foto: Dr. Maria Baumann
Der Blick vom neuen Museumsverwaltungsbüro der Bischöflichen Sammlungen zeigt die Verkehrsituation auf dem Domplatz. Foto: Dr. Maria Baumann

Regensburg.Das Regensburger Herbstsymposion tagte zum Thema „Alte Stadt und moderner Verkehr“ und stellte Mobilitätskonzepte vor. Prof. Dr.-Ing. Stefanie Bremer aus Kassel fällte als Referentin des Symposions ein gemischtes Urteil: „Regensburg ist eine tolle Stadt und diese Stadt hat schon viel im Bereich Verkehr geschafft. Sie haben einen erstaunlich großen Fußgängerbereich. Es erscheint nur für Außenstehende seltsam, warum die tolle Fußgängerzone rund um den Dom endet.“

Das Herbstsymposion widmete sich dieses Jahr dem Thema „Alte Stadt und moderner Verkehr – Konflikte und Konzepte aus drei Jahrhunderten“. Vom Umgang mit Straßen und Verkehrsplanung vor dem Automobil, als es vor allem um die Öffnung der Stadttore, um Brückenplanung und Baulinienveränderungen ging, berichteten Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak und Bernhard Fuchs. Dr. Eugen Trapp, Leiter der Abteilung Denkmalpflege, sprach über Walter Bolls Vision vom autogerechten Mittelalter und dessen Idee, mit Hilfe von Laubengängen die Fußgänger quasi aus dem Verkehr zu ziehen.

Unübersichtliche Regelungen

Die Fußgängerzonen Regensburgs gerieten im Laufe des Symposions immer mehr in den Fokus. Prof. Dr. Peter Morsbach zeigte sie als Reservate für eine gefährdete Spezies und wies auf die Unübersichtlichkeit von Wohnverkehrsstraßen, Spielstraßen und durch viele Ausnahmen aufgeweichte Regelungen hin. Dr. Maria Baumann betrachtete Domplätze verschiedener Städte, um für eine Fußgängerzone rund um den Regensburger Dom zu plädieren, da langsamerer Verkehr automatisch lebendigere Städte bedinge.

Stefanie Bremer brannte mit ihrem Vortrag zur „Gestaltung von Mobilitätsbereichen in der historischen Stadt“ ein Feuerwerk an Ideen ab. Sie wies in ihren Folien auf die Vielfalt in der Siedlungsform hin, die eine Vielfalt der Verkehrsmittelwahl bedinge. Fußgänger könnten in New York beispielsweise eine Plage sein, während es anderswo die Pendlerspitzen oder die Touristenspitzen seien. Auch, wenn der autogerechte Städtebau vorbei sei: „Das Auto verschwindet nicht. Ein Fahrzeug mit Menschen drin wird es weiterhin geben.“

Frühere Initiativen

  • Fußgänger:

    Für einen autofreien Domplatz gab es bereits einige Anläufe. 1978 verbreiterte man den Fußgängerbereich auf der Südseite.

  • Verkehrsberuhigung:

    Ein Bürgerentscheid 2003 wünschte einen verkehrsberuhigten Domplatz. Gegenläufige Vorschläge der Parteien verhinderten immer wieder dieses Vorhaben.

Man müsse auch in Regensburg den Autoverkehr neu organisieren und mit den Autofahrern zusammenarbeiten. Vielleicht gäbe es bessere Lösungen, als auf dem Domplatz in zweiter Reihe auf einen Parkplatz zu warten. Kein Verkehrsteilnehmer dürfe ausgeschlossen werden, aber auch keiner bevorzugt. Fußgängerfreundliche Straßenbeläge seinen genauso wichtig wie Fahrradfreundlichkeit. Der Lieferverkehr erfordere zudem Logistik und Umschlagplätze. Auch die Gestaltung der Außenbezirke dürfe man nicht vergessen. Die große Chance in Europa sei, dass die Städte selbst entscheiden könnten. Sie wünsche sich keinen asiatischen oder amerikanischen Weg zur Stadtentwicklung.

Werner Chrobak wies in der Diskussion auf die neue Perspektive und so noch nie gehörte Ideen hin, gründete noch während des Herbstsymposions das „Aktionsbündnis Autofreier Domplatz Regensburg“ und sammelte bereits viele Seiten Unterschriften.

Neue Mobilitätskonzepte

Michael Köstlinger, Abteilungsleiter der Verkehrsplanung bei der Stadt, legte in seinem Vortrag neue Mobilitätskonzepte für das historische Regensburg vor und stellte den Fokus auch auf den Domplatz. Man habe große Dinge vor und strebe einen Beteiligungsprozess der Bürger an. Man wolle alle Menschen mitnehmen, Anwohner, Einpendler und Auspendler. Regensburg mit seinen knapp 1000 Denkmälern sei die einzige mittelalterliche Großstadt Deutschlands.

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