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Kunst

Zingerl erhält den Kulturpreis

Regensburg ehrt den 1933 geborenen Maler Guido Zingerl mit dem Regensburger Kulturpreis 2013. Der Illustrator ist für seine polarisierenden Bilder bekannt.
Von Ulrich Kelber, MZ

Guido Zingerl erhält den Kulturpreis der Stadt Regensburg. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Im Januar ist Guido Zingerl 80 Jahre alt geworden. Jetzt erhält er von Regensburg ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: Für sein Lebenswerk bekommt er den mit 10 000 Euro dotierten Kulturpreis 2013. Der Stadtrat stimmte bei einer Sitzung am Donnerstagabend einstimmig einer Empfehlung der Jury zu.

In einer ersten Reaktion sagte Zingerl voller Freude: „Das ist eine schöne Überraschung“. Erst durch den Anruf der MZ erfuhr er von der Auszeichnung, die für ihn eine Ermutigung ist. Denn Zingerl liegt derzeit in München im Krankenhaus. Nach einer Hüftoperation hatte es Komplikationen gegeben, so dass er in dieser Woche erneut operiert werden musste. Auch wenn der Künstler seit vielen Jahren in Fürstenfeldbruck lebt, ist die Bindung an seinen Geburtsort sehr stark: „Meine Heimatstadt ist und bleibt Regensburg. Es ist einfach eine wunderbare Stadt.“

In der Begründung für die Preisvergabe heißt es: „Der Maler, Illustrator und Karikaturist Guido Zingerl zählt zu den bedeutendsten und bemerkenswertesten Künstlern Regensburgs. Schon früh erkannte sein damaliger Lehrer am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium, der bekannte Kunsterzieher und Maler Alfons Maria Bauer, den eigenwilligen Stil und die klare Formgebung der Bilder, mit denen Guido Zingerl Geschichten erzählt. Durch seinen kompromisslosen Stil polarisiert und provoziert er auch.“ Weiter wird hervorgehoben: „Eindrucksvoll weist er in seinen Bildern auf die gesellschaftlichen Missstände unserer Zeit und menschliche Schicksale hin.“ Entscheidende Ereignisse der Regensburger Stadtgeschichte habe er mit den Mitteln der Karikatur und Satire dargestellt.

Schattenseiten der Stadtgeschichte

Gemeint ist damit wohl vor allem der 20 Gemälde umfassende Zyklus „Aufzeichnungen eines Donauschülers“, der 1993 erst nach längeren Querelen von der Stadt angekauft wurde, nachdem Freunde und Mäzene einen erheblichen finanziellen Beitrag geleistet hatten. In diesem Zyklus geht es vor allem um die Schattenseiten der Regensburger Geschichte, etwa um die Lehrerin Elly Maldaque, die zu Beginn der 30er Jahre zum Opfer der Kommunistenverfolgung wurde und schließlich elend im Regensburger Nervenkrankenhaus zu Tode kam.

Ein anderes Bild erinnert an den an einen Rollstuhl gefesselten Nazi-Gegner Josef Haas, der im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Einige Jahre waren die Bilder im Alten Rathaus in den Räumen der Tourist-Information zu sehen, dann verschwanden sie im Depot der Städtischen Galerie. Erst 2008 wurden sie wieder ans Licht geholt, als es dank des damaligen Museumsdirektors Dr. Martin Angerer unter dem Titel „Regensburger Welttheater“ zu einer großen Zingerl-Ausstellung kam.

„Manchmal werd oam schlecht vom Lebn“ heißt ein Gemälde mit dem Selbstporträt des bärtigen Künstlers, der in einer Art Alptraum von fratzenhaften Gestalten bedrängt wird. Guido Zingerl hat sich nie mit den gesellschaftlichen Zuständen abfinden wollen. Er und seine Frau Ingrid sind engagierte Linke, wurden deshalb oft angefeindet und ausgegrenzt. Dass ihr Leben nicht einfach war, klingt in der zum 80. Geburtstag erschienenen Festschrift an: „Der rote Teufel in uns, der uns verbindet. Die Kämpfe für unsere Demokratie… Das ist alles ein erfülltes, glückliches Leben, Liebe und Solidarität, trotz alledem.“

Eigentlich heißt er Heinrich Scholz, seinen Künstlernamen Guido Zingerl nahm er erst an, als er 1960 total mit seinem bisherigen Leben gebrochen hatte. Er hatte an der TU München Maschinenbau studiert, war Diplom-Ingenieur, stand vor einer Beamtenlaufbahn. Dann entschied er sich als Autodidakt für ein Leben als freischaffender Künstler, bald ermutigt von dem Kunsthistoriker Richard Hiepe, der sich als Anwalt für eine politisch engagierte und realistische Malerei verstand. Schon 1965 – ganz zu Beginn der Proteste – organisierte Zingerl eine Ausstellung „Künstler gegen den US-Krieg in Vietnam“.

Viele Missstände angeprangert

Bilder und Karikaturen gegen Krieg, Gewalt und Militarismus spielen in Zingerls Schaffen eine wichtige Rolle. Obrigkeitsstaat, die auf dem rechten Auge blinde Justiz, Missstände in der Kirche, die Auswüchse des Kapitalismus und die Macht der Banken hat er immer wieder angeprangert. Erst jüngst zeigte er in Fürstenfeldbruck eine Ausstellung mit neuen Arbeiten unter dem Titel „Der Tanz ums Goldene Kalb“. Zingerls Karikaturen, meist Tuschezeichnungen, sind geprägt von großen, schwarzen Farbflächen. SeineGemälde sind verschachtelt und figurenreich, es dominiert ein ins Groteske übersteigerter Realismus. An die Tradition von Dix und Grosz scheint er anzuknüpfen, auch Parallelen zu Bernhard Heisig lassen sich erkennen. Neben dem politischen Künstler gibt es auch einen ganz anderen Guido Zingerl, den Naturfreund und Bergsteiger, der zauberhafte Landschaftsbilder gemalt hat.

Als „deftige Volkskunst mit Linksdrall“ hat Wolf Peter Schnetz die Bilder von Guido Zingerl bezeichnet. Als damaliger Kulturdezernent hat Schnetz dafür gesorgt, dass 1969 der Kulturförderpreis an den jungen Künstler ging. 44 Jahre später folgt nun der Kulturpreis, denn sein Werk – so heißt es in der Würdigung – „leistet einen bedeutenden Beitrag zur positiven Außenwirkung der Stadt.“

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