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Bildung

Zoff an der kirchlichen Vorzeigeschule

An der Bischof-Manfred-Müller-Schule in Regensburg soll ein beliebter Lehrer gehen. Betroffene Eltern haben eine Internet-Petition gestartet.
Von Norbert Lösch, MZ

Für Ärger sorgt eine Personalentscheidung an der Bischof-Manfred-Müller Schule. Foto: Lösch

Regensburg.Rund 470 Menschen unterstützten bis Donnerstagnachmittag eine Bürger-Petition im Internet: Das ist die Zwischenbilanz beim öffentlichen Protest gegen eine Personalentscheidung an der privaten, unter Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Regensburg stehenden Bischof-Manfred-Müller-Schule. Vor allem Eltern wollen nicht hinnehmen, dass Träger und Schulleitung dem beliebten Klassenleiter einer dritten Klasse, Wolfgang R. (Name von der Redaktion geändert), am Ende dieses Schuljahrs den Laufpass geben. Über die Gründe, die zum Zerwürfnis mit dem Lehrer geführt haben, schweigen sich alle Beteiligten aus – und auch der Betroffene selbst will nichts sagen, „was dienstrechtlich gegen mich verwendet werden könnte“.

Hinter den Kulissen und in Internet-Foren ist die Rede davon, dass R. eben jene Personalpolitik kritisierte, deren Opfer er jetzt selbst geworden ist, und dass er wohl ein „unbequemer“ Mitarbeiter ist. Damit in der Öffentlichkeit kein falscher Eindruck entsteht oder Spekulationen die Runde machen, sagt R. im MZ-Gespräch zumindest so viel: „Es gab und gibt keinen dienstlichen Verfehlungen, ich bin weder krank noch habe ich mir in der Qualität meiner pädagogischen Arbeit etwas zuschulden kommen lassen.“ Seine mitunter hartnäckig vertretene Kritik an Schulleitung und Schulstiftung sei auch nicht etwa persönlich motiviert, sondern aus seiner Sicht sachlich begründet gewesen. Er habe lediglich einen „aufrechten und ehrlichen internen Umgang“ mit dem Personal angemahnt.

„Ein unbefriedigendes Ende“

Dass er jetzt „seine“ dritte Klasse nicht bis zum Ende der Grundschulzeit führen darf, ist für ihn „das unbefriedigende Ende einer langen Zusammenarbeit“. R. war immerhin elf Jahre an der Schule, stets und zur vollen Zufriedenheit in der Grundschulstufe eingesetzt. Der Pädagoge weist auch Spekulationen zurück, wonach kirchenkritische Äußerungen der Anlass für die Trennung waren. „Das liegt mir völlig fern, schließlich habe ich katholische Religionslehre als Hauptfach studiert und den pädagogischen Ansatz der Schule immer mitgetragen.“ R. genießt Beamtenstatus; er werde auch im kommenden Schuljahr „nicht auf der Straße stehen“, sondern an einer anderen Schule weiterarbeiten.

Das wollten die Eltern der betroffenen Klasse unbedingt verhindern. „Wir wollen einfach unseren Lehrer noch ein Jahr behalten“, sagt die Elternsprecherin der dritten Klasse, Christiane Hinum. Der Versuch, mit Bischof Rudolf Voderholzer ins Gespräch zu kommen oder zumindest von der Schulstiftung Gründe für die Trennung von R. erläutert zu bekommen, sei gescheitert. „Es gab eigentlich nur den Hinweis, dass man uns aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts sagen kann. Das finden wir sehr schade, weil damit auch ein Kompromiss oder ein Vermittlungsversuch unmöglich gemacht wird“, sagt Hinum. Die Eltern wüssten zwar, dass weder der Träger noch die Schulleitung die Trennung begründen müssen. „Uns stellt sich aber schon die Frage, warum es zu dieser Reaktion kommen musste, wenn nichts Schwerwiegendes vorgefallen ist.“

Eine Reaktion des Bischofs erwarte man dennoch. Christiane Hinum: „Wenn die 500 Einträge bei unserer Petition erreicht sind, werden wir sie beim Bischof einreichen – damit er zumindest sieht, dass unser Anliegen viel Unterstützung findet.“

Eltern argumentieren vergeblich

„Wir haben ein Kind mit Handicap in der Klasse, das nach einem von unserem Lehrer entwickelten Inklusionskonzept betreut wird“, heißt es in der von den Eltern gestarteten Petition. „Nicht nur für ihn wäre der Wegfall der vertrauten Bezugsperson in der schulisch so entscheidenden vierten Klasse sehr problematisch.“ Das ist nicht das einzige Argument, mit dem sich die Eltern an den Schulträger wenden. Sie tun auch kund, dass der geschasste Lehrer „uns allen, ganz besonders aber seinen Schülern buchstäblich ans Herz gewachsen ist und unser vollstes Vertrauen genießt“.

Die bischöfliche Schulstiftung bleibt bei ihrer Entscheidung. Direktor Johannes Neumüller spricht gegenüber der MZ von einem „tiefgreifenden Konflikt“ (siehe Interview).

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