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Verkehr

Zugausfälle empören Pendler

Agilis streicht aus Personalmangel wichtige Verbindungen im Berufsverkehr nach Regensburg. Kunden reißt der Geduldsfaden.
Von Julia Ried

„Zug fällt heute aus“ – diese Nachricht übermittelt Agilis seinen Kunden in dieser Woche mehrmals täglich. Foto: Julia Ried
„Zug fällt heute aus“ – diese Nachricht übermittelt Agilis seinen Kunden in dieser Woche mehrmals täglich. Foto: Julia Ried

Regensburg.Maximilian Wilke (26) ist ein Pendler, wie die Kommunalpolitik ihn sich wünscht. Er ist den Appellen, statt der überlasteten Straßen rund um Regensburg für den Weg zur Arbeit lieber den Zug zu nutzen, gefolgt – auch wegen des A-3-Ausbaus, wie er sagt. Er pendelt seit Juni mit Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Hemauer Ortsteil Hohenschambach zu seinem Arbeitsplatz im Regensburger Kasernenviertel. In dieser Woche allerdings wurde er ausgebremst. „Ich hab Frau und Kind zu Hause, ich würd schon gern heim“, sagt er am Montag kurz vor 16.18 Uhr mit Blick auf die Anzeigetafel an Gleis 8. „Zug fällt aus“, heißt es dort. Bis 16.56 Uhr muss er aufs Einsteigen warten.

Der Zugausfall ist keine Ausnahme. Zwischen Regensburg und Neumarkt sowie Plattling streicht das Bahnunternehmen Agilis seit Freitag und bis mindestens 10. September 19 Verbindungen, darunter einige von Pendlern stark genutzte Züge, aus dem Fahrplan – „aufgrund krankheitsbedingter personeller Ausfälle“, wie es auf seiner Internetseite erklärt.

Fahrplan ausgedünnt

Wilke, der bisher „sehr zufrieden“ war mit dem Agilis-Angebot, kann diese Begründung „überhaupt nicht“ nachvollziehen. Schließlich sei keine Grippezeit. Das Unternehmen müsse seine Personalprobleme in den Griff bekommen, sagt eine Pendlerin (51) aus Laaber. „Ich finde, das kann nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden.“ Schließlich zahle sie circa 900 Euro pro Jahr für das Jobticket des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV). Schon seit Wochen sei es immer wieder zu Ausfällen von Agilis-Zügen gekommen.

Agilis-Züge werden von Pendlern rege genutzt. Foto: Tino Lex
Agilis-Züge werden von Pendlern rege genutzt. Foto: Tino Lex

Agilis räumt ein, mit Personalknappheit zu kämpfen. „Das Problem der vor allem krankheitsbedingten Personalausfälle betrifft derzeit nicht nur Agilis, sondern die gesamte Bahnbranche, denn auch hier ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar“, teilt das Unternehmen mit.

Christian Gierstner, Ortsgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Lokführer, bestätigt das. „Da ist ein richtiger Kampf ums Personal entstanden“, erzählt er. Die Gründe seien vielfältig – Agilis zum Teil aber selbst schuld an seinem Personalproblem. In der Branche sei leider eine sechs- bis neunmonatige Ausbildung zum Lokführer für Quereinsteiger üblich. „Die Inhalte sind einfach zu komplex für die Zeit.“ Viele fielen durch Prüfungen. Eine dreijährige Ausbildung biete seines Wissens nur die Deutsche Bahn (DB) an, um deren Absolventen auch die anderen Unternehmen buhlten. Die DB biete auch nach wie vor die besten Arbeitsbedingungen und die beste Bezahlung, weshalb sich die Mitarbeiterknappheit bei den anderen Unternehmen deutlicher zeige. Speziell für Agilis gelte: „Es fehlt die soziale Komponente außenrum.“

Das Schienennetz rund um Regensburg sehen Sie hier.

Agilis-Sprecherin Katharina Ziegler kontert, die Durchfallquote in der neunmonatigen Ausbildung bei Agilis sei „in einem sehr niedrigen Bereich“ – eine Zahl nennt sie nicht – und die soziale Komponente im Unternehmen „stark“. Es zeichne sich durch familiäre Strukturen und kurze Wege aus; die Mitarbeiter würden wohnortnah eingesetzt. Agilis übernehme die Kosten für die Lokführer-Ausbildung und zahle den Azubis ein Gehalt von circa 2200 Euro brutto. „Trotz dieser Anreize wird es immer schwieriger, geeignetes Fahrpersonal zu finden, wodurch unsere personellen Kapazitäten unter Berücksichtigung der Arbeitszeitgesetze, der bahnbetrieblichen Regelungen und der tarifvertraglichen Bestimmungen zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen ausgeschöpft sind.“

Politikerinnen mahnen

Das Verständnis von Bürgermeisterin und Landrätin für dieses Problem hält sich in Grenzen, wie die beiden Politikerinnen anklingen lassen. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagt: „Der Ausfall der Agilis-Verbindungen ist aus Sicht der Stadt Regensburg äußerst bedauerlich, weil viele Pendler auf diese Züge angewiesen sind und umgekehrt die Stadt ebenfalls darauf angewiesen ist, dass der öffentliche Personennahverkehr beziehungsweise das Einpendeln per ÖPNV aus dem Umland reibungslos funktioniert.“ Landrätin Tanja Schweiger erklärt: „Falls sich fehlendes Fachpersonal limitierend auf das Angebot auswirken sollte, müssen frühzeitig durch die verantwortlichen Unternehmen Maßnahmen zur Behebung dieses Engpasses initiiert werden.“ RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein bittet betroffene Kunden, die für ihre Fahrt zur Arbeit keine Lösung finden, sich an das RVV-Kundenzentrum zu wenden. „Wir hoffen, dass zum Schuljahresbeginn wieder alle Fahrten durchgeführt werden und unsere Kunden auf das gewohnte Angebot zurückgreifen können.“

Dies allerdings gelingt Agilis vermutlich nicht. „Nach aktueller Bewertung des Personalbestandes müssen wir leider auch ab dem 11. September Züge ausfallen lassen“, sagt Ziegler.

Das Unternehmen Agilis

  • Größe:

    Das Unternehmen Agilis mit Hauptsitz in Regensburg beschäftigt nach Angaben des Unternehmens 395 Mitarbeiter und bedient Strecken in ganz Bayern. In der Region Mitte, zu der Regensburg gehört, arbeiten 195 Personen. Dazu kommen „Leih-Lokführer“ von Zeitarbeitsfirmen.

  • Geschichte:

    Im Auftrag des Freistaats sind seit 2010 Agilis-Züge auf den Schienen des Personennahverkehrsnetzes unterwegs. Nach eigenen Angaben bestreitet die Firma zehn Prozent des Marktes. Für Dezember hat sie eine Angebotsverbesserung um Regensburg angekündigt.

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