MyMz
Anzeige

Politik

Zum Abschied küsste der OB die Amtskette

Am Schluss der Festsitzung kämpfte Hans Schaidinger mit den Tränen. Zehnminütiger Beifall dankte ihm für seine Verdienste in den 18 Jahren Amtszeit.
Von Claudia Böken, MZ

Regensburg. Mit einer zweieinhalbstündigen Festsitzung im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses endete nach 18 Jahren die Amtszeit des Regensburger Oberbürgermeisters Hans Schaidinger. Führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirchen waren gekommen, um sich von dem scheidenden Politiker zu verabschieden, der so viele Jahre wie vor ihm nur Rudolf Schlichtinger die Geschicke der Stadt wesentlich mitbestimmt hatte. Mit von der Partie waren Ministerpräsident Horst Seehofer, Staatsministerin Emilia Müller, Bischof Rudolf Voder-holzer und der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss – und Schaidingers komplette Familie, inklusive seiner betagten Mutter, die er besonders begrüßte.

Zu Beginn der Festsitzung verabschiedete Schaidinger all die Stadträte, die mit dem Ende der Wahlperiode ausgeschieden sind. Sein besonderer Dank galt seinem Stellvertreter Gerhard Weber, der seit 36 Jahren Stadtrat war, ebenso lange wie der frühere Landtagsabgeordnete Peter Welnhofer. Für sie gab es als Anerkennung je ein Gemälde, das sie sich selbst hatten aussuchen dürfen. Je einen Leuchter mit dem Reichstagsadler gab es für Rudolf Eberwein und Herbert Schlegl, die beide nach 30 Jahren nicht mehr kandidiert hatten. Je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Stadtrat gab es für die anderen Geschenkkörbe, Wein und für die Damen Blumensträuße.

„Der Weg ist das Ziel“

Den Stadträten dankte Schaidinger für ihr Engagement, vor allem, wenn es in „aufwühlenden Sitzungen um eine Satzung zur Änderung einer Satzung“ und andere spannende Dinge gegangen sei. „Der Weg ist das Ziel“ – diesen Satz von Konfuzius gab er all denen mit, die ihre angestrebten Ziele im Stadtrat nicht erreichen konnten.

Bürgermeister Gerhard Weber listete auf, dass die 16 ausscheidenden Stadträte sich insgesamt 257 Jahre für Regensburg engagiert hätten. Ebenso wie Schaidinger vergaß er nicht, sich bei den Mitarbeitern der Verwaltung zu bedanken, die die Stadtratsbeschlüsse gewissenhaft umgesetzt und die Stadträte in vielfältiger Weise unterstützt hätten. Ein Appell Webers galt den Wählerinnen und Wählern: Als bekennenden Demokraten erfülle es ihn mit Sorge, dass bei der vergangenen Kommunalwahl nur knapp die Hälfte der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen seien. Webers Dank galt Oberbürgermeister Hans Schaidinger für sein Engagement, seine guten Wünsche dem neuen Stadtrat unter dem neuen OB Joachim Wolbergs.

Ministerpräsident Horst Seehofer erinnerte an manche Schlacht und manches Scharmützel, die Hans Schaidinger in den 18 Jahren seiner Amtszeit ausgetragen habe. „Du bis kein Romantiker, du bist ein politisches Kraftpaket, ein Macher“, sagte er. Wer nach Regensburg komme, sehe eine blühende Stadt. Regensburg gehe es gut, es sei ein Juwel unter den bayerischen Großstädten. Zu den bleibenden Dingen aus Schaidingers 18-jähriger Amtszeit zählte er die Technische Hochschule, die Arbeitsplätze und die Entwicklungsmaßnahme Burgweinting, „die größte Siedlungsmaßnahme seit der Römerzeit“, den Ritterschlag durch die Unesco zur Welterbestadt und das Museum der bayerischen Geschichte. Regensburg habe eine ungeheure Wirtschaftskraft, „Die Stadt ist fast eine Zone der unbegrenzten Möglichkeiten“, sagte Seehofer.

Als Dank an Schaidinger, auch für sein jahrelanges Engagement als Vorsitzender des bayerischen Städtetags, übereichte der Ministerpräsident den Bayerischen Löwen aus Nymphenburger Porzellan. Schaidingers Nachfolger Joachim Wolbergs sicherte er ebenfalls gute Zusammenarbeit zu, denn dem Freistaat könne es nur gut gehen, wenn es seinen Kommunen gut gehe.

„Die Wohlfühlhauptstadt“

Ein bisschen stolz sagte der scheidende Oberbürgermeister in seinem Rückblick, dass Regensburg heute „wahrscheinlich in der erfolgreichsten Epoche seiner Geschichte“ stehe. Am Ende seiner Amtszeit trage eine Betriebsansiedlung aus dem Jahr 2010 bemerkenswerte Früchte: Eine Lufthansa Boing 747 sei zu ihrem Jungfernflug gestartet, angetrieben von General Electric Triebwerken mit revolutionären Titanaluminid-Triebwerksschaufeln – produziert in Regensburg.

Regensburg gehe es aufgrund des hohen Industrialisierungsgrads von weit über 40 Prozent so gut wie nie, schrieb er denen ins Stammbuch, denen „Sumpfhühner“ wichtiger seien als Beschäftigung. Trotzdem habe er immer Wert darauf gelegt, dass Regensburg keine Boomstadt geworden sei, vielmehr die „Wohlfühlhauptstadt Deutschlands“.

Als Lotse habe er das Schiff Regensburg auf großen und schönen Fahrten gesteuert. „Dieses Schiff war mein Leben. Ihm verdanke ich viele Stunden, aber auch manch einsame Kursentscheidung“, sagte Schaidinger. Zum Schluss seiner Rede nahm der seine Amtskette ab, küsste sie mit Tränen in den Augen und übergab sie einer Ratstochter. Zehnminütige stehende Ovationen dankten Hans Schaidinger für die Rede und die 18 Jahre als Oberbürgermeister.

Hans Schaidingers letzte Stadtratssitzung
Besondere Glückwünsche für Schaidinger

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht