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Kultur

Zur Wiedereröffnung erklang eine Rarität

1000 Gläubige feierten die erste Messe in der Dreieinigkeitskirche nach der Restaurierung. Die Chöre sangen die Motette von der Einweihung 1631.
Von Marion Koller, MZ

Mehr als 1000 Gottesdienstbesucher erlebten die Wiedereröffnung der Dreieinigkeitskirche am Sonntagvormittag mit. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Fünf Jahre lang haben Lydia Lehner und ihr Architekturbüro A2 die evangelische Dreieinigkeitskirche saniert. Ihre Arbeit hat die Stärken des frühbarocken Gotteshauses betont, die über die Jahrhunderte entstandenen Schwächen ausgeräumt. Lindan und PCB im Gestühl wurden entfernt, Stuckdecke, Engelsköpfe und Boden behutsam saniert.

Knapp 3,5 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Jetzt fehlt nur noch die bereits in Auftrag gegebene Bach-Orgel. Gäste der Welterbestadt werden sich freuen, das Kleinod mit seinem Turm wieder besichtigen zu können.

Die Einweihungsfeier am Sonntag mit 1000 Gästen, rund 200 Sängern und dem Posaunenchor der Kirche machte deutlich, dass sich die evangelische Gemeinde der Stadt Regensburg, den hiesigen Katholiken und letztlich den Gläubigen in aller Welt verbunden fühlt. Im Kirchenschiff verteilt, sangen Regensburger Kantorei, Raseliuschor und Universitätschor unter anderem das Stück „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Paul Homberger (1560 bis 1634), das schon bei der Eröffnung mitten im Dreißigjährigen Krieg erklungen war.

Nach dem Einzug der Chöre mit einem altitalienischen Hymnus zur Dreifaltigkeit lobte Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss in seiner Begrüßung, das in Europa einzigartige Gotteshaus sei mit äußerster Sorgfalt und Akkuratesse saniert worden.

Lydia Lehner von A2-Architekten stellte fest, die Dreieinigkeitskirche sei auf den Tag genau vor 382 Jahren eingeweiht worden. Sie sprach von einem Meisterwerk frühbarocker Baukunst. Die Saalkirche kommt ohne störende Säulen aus und besitzt eine schöne Decke mit einem zarten Stucknetz. Die Planerin überreichte den Kirchenschlüssel an die beiden Geistlichen Ulrich Burkhardt und Martin Schulte.

Nach dem Stück „Tut mir auf die schöne Pforte“ mahnte Pfarrer Burkhardt, statt anderen Menschen offen zu begegnen, muteten wir ihnen oft abgeschlossene Türen zu. Er erinnerte, dass die Bauherren die Dreieinigkeitskirche in den harten Zeiten des Dreißigjährigen Krieges errichtet haben. Dieses tiefe Gottvertrauen setze sich immer wieder als Grundmelodie des Lebens durch. Sein Kollege Pfarrer Martin Schulte sprach von dem kalten, sonnigen Morgen 1631, als das Gotteshaus eingeweiht worden war. Schon damals seien die Menschen zum Kneitinger und auf die Winzerer Höhen gegangen. Die Stadt habe wie heute Flüchtlinge aus dem Osten beherbergt.

Schulte betonte, christliche Kirche sei nur in der Gemeinschaft denkbar und begrüßte es, dass Domprobst Dr. Wilhelm Gegenfurtner und der tansanische Bischof Dr. Israel Peter Mwakyolili ebenfalls gekommen waren. Der Tansanier las später in weichem Kisuaheli aus dem Lukas-Evangelium vor. Gegenfurtner trug eine Grußbotschaft Bischof Rudolfs vor. Schließlich fühle sich die Dreieinigkeitskirche als Teil der großen Ökumene, betonte Schulte. In Anspielung auf die Motette „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ meinte der Geistliche, bei dem Gotteshaus handle es sich um eine Wohnung des Herrn, die eng verbunden sei mit unserem Alltag.

OB Hans Schaidinger sagte, die Dreieinigkeitskirche sei unverzichtbarer Bestandteil der konfessionellen Parität in der Stadt. Sie habe den Immerwährenden Reichstag mit Gesandten verschiedener Konfessionen erst ermöglicht.

Die Gemeinde hat ihre Aufgeschlossenheit nicht nur gezeigt, indem sie einen befreundeten tansanischen Bischof und Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner zum Mitfeiern einlud, die Bauweise und der Name der Dreieinigkeitskirche deuten ebenfalls auf große Offenheit hin.

Das Gotteshaus hat der Nürnberger Architekt Johann Carl entworfen. Weil der Hallenbau säulenlos ist, können Messbesucher von jedem Platz aus den Altar und die Predigerkanzel sehen. Bauweise und religiöse Zielsetzung ergänzen sich. Dieses interessante Detail griff Dorothea Deneke-Stoll, die Präsidentin der evangelischen Landessynode in Bayern, bei der Eröffnungsfeier auf. „Der Architekt hatte ein großes Gespür dafür, wie die Kirche gebaut werden sollte, um ein Medium zu sein“, betonte sie. Man könne mit einem modernen Ausdruck geradezu von „Mediensensibilität“ sprechen.

Der Name Dreieinigkeitskirche wiederum symbolisiere die Offenheit für alle christlichen Religionen, sagte Deneke-Stoll. Er deute die Bereitschaft zum Dialog an. Der dreieinige Gott ermutige den Menschen zum Facettenreichtum oder auch dazu, gegen die Zerstörung der Schöpfung vorzugehen. Gewöhnlich würden evangelische Gotteshäuser nach Luther oder der Reformation benannt.

Der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss deutete auf den Schriftzug von der „Heiligen Dreieinigkeit“ an der Stuckdecke. Die Bezeichnung der Kirche weise darauf hin, dass das Leben ein Ziel habe. Der Mensch solle versuchen, Trennendes zu überwinden.

Spannend auch die an mehreren Stellen im Kirchenraum ausgedrückte Verbindung zur Stadt: OB Hans Schaidinger wies in seiner Rede auf Stadtwappen hin, die an den Kirchenwänden zu sehen sind. Früher hätten sie sogar Portal und Altaraufsatz geschmückt. Ohne die Zusage der Stadt hätte das Gotteshaus im 17. Jahrhundert nicht gebaut werden können. Erst der Abriss des städtischen Fecht- und Zeughauses ermöglichte das. Schaidinger erwähnte denn auch die enge Verbindung zwischen dem Rat der Stadt und dem historischen Kirchenrat.

Architektin Lydia Lehner ist die Kirche Am Ölberg besonders ans Herz gewachsen – nicht nur wegen der einzigartigen Bauweise und des Namens. Um dem frühbarocken Juwel gerecht zu werden, hat sie sich die Substanz genau angesehen und auf sich wirken lassen. Für eine Reihe von Sanierungsdetails mussten völlig neue Lösungen gefunden werden, berichtete sie am Rande der Feier. Über das Ergebnis äußerte sich Regionalbischof Weiss erfreut. Jetzt falle kein Engel mehr vom Himmel wie vor zehn Jahren. „Sie sind wieder dort, wo sie hingehören.“

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