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Gesellschaft

Zuwanderung sorgt für Probleme

Die Kommunen im Landkreis Regensburg fordern mehr Unterstützung. Für Rumänen und Bulgaren fallen zum Jahresende die letzten rechtlichen Hürden.
Von Christof Seidl, MZ

Zuwanderer aus osteuropäischen Ländern stellen Kommunen und Behörden vor Probleme. Auch die Beschulung der Zuwanderer-Kinder gehört dazu. Im Landkreis gibt es bereits sechs Übergangsklassen. Foto: dpa

Herrsching.Es waren deutliche Worte, die bei der Bürgermeisterkonferenz des Landkreises in Herrsching am Ammersee fielen. Der Landkreis und seine Gemeinden befürchten, dass die Zuwanderung aus armen EU-Staaten, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien, Ausmaße annimmt, die die Kommunen überfordern.

Die Zahl der Zuwanderer aus diesen beiden Ländern hat in den vergangenen drei Jahren sprunghaft zugenommen: bei den Bulgaren von 144 auf 600, bei den Rumänen von 483 auf 1204 (Stand: Juli 2013). Dabei handelt es sich hier um die offiziell gemeldeten Zuwanderer, die Dunkelziffer ist nach Angaben des Deutschen Städtetags vermutlich sehr hoch. Landrat Herbert Mirbeth befürchtet, dass dieser Trend anhalten oder sich sogar verstärken wird, wenn zum Jahresende die Arbeitserlaubnispflicht als letzte Hürde für Zuwanderer aus diesen Ländern fällt.

Für die Kommunen bedeutet der Umgang mit diesen Zuwanderern schon jetzt einen hohen Verwaltungsaufwand, vor allem die Sprachbarriere verhindert oft die Klärung der vielfältigen Fragen ihres Aufenthalts.

Übersetzerin angestellt

Der Landkreis versucht deshalb, den Gemeinden praxisnahe Hilfestellungen anzubieten. Vorschläge dazu erarbeitet ein Runder Tisch, der bereits zweimal getagt hat. Zu den ersten Lösungsansätzen zählt der Plan, zusammen mit der Stadt Regensburg, ob einen Sprachmittlerpool zu schaffen. Darauf könnten die Gemeinden zugreifen und sich damit für eine konkrete Beratungssituation einen Dolmetscher ins Rathaus holen.

Als unterstützende Maßnahme hat der Landkreis nach Mirbeths Angaben inzwischen eine Übersetzerin für Bulgarisch in Teilzeit angestellt. Sie soll als Dolmetscherin helfen, zunächst aber vor allem eine Reihe von Flugblättern mit Informationen für bulgarische Zuwanderer übersetzen. Enorme Probleme bereitet die schulische Betreuung junger Zuwanderer. Gemeldet sind derzeit 104 bulgarische Zuwanderer unter 16 Jahren, beziehungsweise 95 aus Rumänien. Dazu kommen Kinder aus Asylbewerberfamilien, vor allem aus Tschetschenien, Georgien und Aserbaidschan. Wie Schulamtsleiter Heribert Stautner bei der Bürgermeisterkonferenz erklärte, gebe es in Wörth, Neutraubling und Hemau in diesem Schuljahr insgesamt sechs Übergangsklassen für solche Kinder. Eines der größten Probleme ist dabei der Transport zur Schule über weite Strecken.

In der Diskussion kamen noch andere Aspekte zum Tragen. Der Pettendorfer Bürgermeisters Eduard Obermeier sagte, es gebe offenbar Arbeitgeber, die systematisch Arbeitskräfte für den Niedriglohnsektor holen und in sehr beengten Billigunterkünften unterbringen. So seien in seiner Gemeinde 19 Personen in einer Vier-Zimmer-Wohnung gemeldet. Möglicherweise würden dort noch mehr Menschen wohnen. Für sie alle gebe es beispielsweise eine einzige Toilette. Dass solche Verhältnisse zu sozialen Spannungen mit der Nachbarschaft führen, sei kein Wunder.

Der Beratzhausener Bürgermeister Konrad Meier schilderte ein anderes Problem. Er habe wiederholt beobachtet, dass solche Familien sich vom Landratsamt zum Beispiel Kindergeld holen. „Zwei Tage später sind die dann weg. Und das bekommen die Menschen am Land mit.“

Akzeptanz nicht gefährden

Dies gelte sicherlich nicht für alle Zuwanderer, aber es komme immer wieder vor. Das Problem sei, dass sich dadurch in der einheimischen Bevölkerung eine ablehnende Haltung aufbaue. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Akzeptanz nicht verloren geht, sonst spielen wir Kräften in der Gesellschaft in die Hände, die nur auf so etwas warten“, erklärte Meier.

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