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Einsätze

Zwei hochriskante Flucht-Manöver

Eine Bikerin und ein Autofahrer rasten – unabhängig voneinander – durch Regensburg, um Polizeikontrollen zu entgehen.
Von Julia Ried, MZ

Die Polizei stellte das Motorrad sicher und ließ es abschleppen. Foto: Alexander Auer
Die Polizei stellte das Motorrad sicher und ließ es abschleppen. Foto: Alexander Auer

Regensburg.Ein Autofahrer und eine Motorradfahrerin sind am Reformationstag – der Mann in der Nacht, die Frau am Nachmittag – auf der Flucht vor der Polizei durch Regensburg gerast. Beide Fahrten fanden ein abruptes Ende: Die Bikerin, eine 18-jährige Frau aus dem Landkreis Regensburg, fuhr in einen BMW, stürzte und kam verletzt ins Krankenhaus. Der 22 Jahre alte Autofahrer aus dem Kelheimer Raum setzte seinen Seat mehrmals gegen den Bordstein – bis das Auto nicht mehr weiterfuhr. Die Polizei ermittelt gegen beide wegen Gefährdung des Straßenverkehrs.

Die Motorradfahrerin wollte sich der Verkehrskontrolle wohl deshalb entziehen, weil ihr Fahrzeug keine Zulassung hatte. Sie fiel am Dienstag gegen 17 Uhr einer Streife der Polizeiinspektion Regensburg-Nord auf, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz berichtete. Das Polizeiauto stand in der Weißenburgstraße – auf der Fahrspur Richtung Süden vor der Kreuzung mit der Adolf-Schmetzer-Straße – neben ihr und weiteren Motorradfahrern an der roten Ampel.

Fuhr Frau in kostümierter Gruppe?

Die Frage, ob diese sechs- bis achtköpfige Bikergruppe zu der Gruppe von Motorradfahrern gehörte, die Augenzeugen zufolge in Regensburg kostümiert unterwegs war, oder mit ihr identisch war, konnte die Polizei am Mittwochnachmittag nicht beantworten.

Die Streife der Polizeiinspektion Regensburg-Nord wollte die junge Frau kontrollieren, weil an ihrem Motorrad der Marke KTM kein Zulassungsstempel angebracht war. Sie wies die Fahrerin an, nach der Kreuzung rechts anzuhalten. Die allerdings gab nach dem Umschalten der Ampel auf Grün Gas. Dabei fuhr sie mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Weißenburgstraße weiter Richtung Süden und anschließend auf der Landshuter Straße stadtauswärts. Dabei überfuhr sie mehrere rote Ampeln und wechselte einige Male rasant den Fahrstreifen, um andere zu überholen. „Das ist schon ziemlich gefährlich“, sagte am Mittwoch Josef Westermeier von der Verkehrspolizei über diese Fahrweise, mit der die Frau fast das ganze Ostenviertel durchquerte.

Die Motorradfahrerin stürzte an der Kreuzung der Landshuter Straße/Odessa-Ring. Foto: Alexander Auer
Die Motorradfahrerin stürzte an der Kreuzung der Landshuter Straße/Odessa-Ring. Foto: Alexander Auer

Dem Streifenfahrzeug gelang es zunächst nicht, zum flüchtenden Motorrad aufzuschließen, der Polizei zufolge, weil das Auto im Stadtverkehr nicht so flink die Spur wechseln konnte wie das Zweirad. An der Kreuzung der Landshuter Straße mit dem Odessa-Ring beziehungsweise der Bajuwarenstraße fuhr die Motorradfahrerin auf dem linken Fahrstreifen geradeaus in einen 1er-BMW. Die Flüchtende leitete zwar nach Polizeiangaben eine Vollbremsung ein, doch die gelang ihr nicht. Ihr Motorrad rutschte seitlich weg und prallte gegen das Heck des BMW. „Die Fahrerin wurde vom Motorrad geschleudert und prallte auf die Fahrbahn“, heißt es im Polizeibericht. Sie erlitt einen Knöchelbruch. Der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus, das sie stationär aufnahm.

Der 20 Jahre alte BMW-Fahrer wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Er klagte über Schwindel und Kopfschmerzen. Der Sachschaden an den beiden am Unfall beteiligten Fahrzeugen beträgt geschätzte 4000 Euro; beide hatten nach dem Unfall Lackschäden und Dellen in der Karosserie.

Die Verkehrspolizei Regensburg übernahm den Fall. Sie stellte das Motorrad sicher und ließ es abschleppen. „Ersten Ermittlungen nach war dieses mit einem nicht mehr gültigen und nicht für dieses Fahrzeug ausgegebenen Kennzeichen versehen, um eine Zulassung vorzutäuschen“, teilte die Polizei mit. Die Verkehrspolizei ermittelt gegen die Frau wegen Kennzeichenmissbrauchs, aber auch wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, weil sie ihr vorwirft, „grob verkehrswidrig“ unterwegs gewesen zu sein.

Gefährdung des Straßenverkehrs

  • Tatbestand:

    Der Gefährdung des Straßenverkehrs macht sich Paragraf 315 c des Strafgesetzbuchs zufolge schuldig, wer „Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet“. Dies kann der Fall sein, wenn der Fahrer nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, „infolge geistiger oder körperlicher Mängel“, weil er betrunken ist oder unter Drogen steht, beziehungsweise wenn er „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ fährt.

  • Strafe:

    Gefährdung des Straßenverkehrs wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren (bis zu zwei Jahren bei Fahrlässigkeit) oder mit Geldstrafe bestraft. In Fällen, in denen der Fahrer betrunken oder im Drogenrausch unterwegs ist, ist bereits der Versuch strafbar.

Die Verkehrspolizei bittet alle, die Angaben zum Fluchtverlauf machen können oder durch die Fahrt gefährdet wurden, sich unter der Rufnummer (09 41) 5 06 29 21 mit ihr in Verbindung zu setzen.

Mit 180 Sachen durch Regensburg

Zeugen der zweiten riskanten Flucht sucht die Polizeiinspektion Regensburg-Süd. Eine Streife der Inspektion wollte am Dienstag um 0.30 Uhr den Fahrer eines silberfarbenen Seat in der D.-Martin-Luther kontrollieren, nachdem dieser zu schnell an ihr vorbeigefahren war. „Als der 22-jährige Fahrer bemerkte, dass er einer Kontrolle unterzogen werden sollte, beschleunigte er seinen Pkw auf circa 180 Kilometer pro Stunde“, heißt es im Polizeibericht. Die Ampeln an den Kreuzungen Friedens-/Galgenbergstraße und Galgenberg-/Bischof-Konrad-Straße überfuhr er bei Rot. Das Auto kam schließlich nach mehreren Kollisionen mit dem Bordstein auf Höhe der Universität zum Stehen. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer gut ein Promille Alkohol im Blut hatte. Die Polizei stellte seinen Führerschein sicher. Den jungen Mann erwartet eine Anzeige wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, weil er betrunken und viel zu schnell fuhr. Er wurde nicht verletzt. Seine Beifahrerin, eine 17-Jährige, erlitt einen Schock.

Verkehrsteilnehmer, die durch das der Polizei zufolge „rücksichtslose Verhalten“ gefährdet wurden, sollen sich unter der Telefonnummer (09 41) 5 06 21 01 bei der Inspektion Regensburg-Süd melden.

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