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Pläne

Zwei neue Donau-Übergänge am Gries

Der Grieser Steg wird erneuert, dazu eine neue Verbindung zwischen Reinhausen und Stadtamhof geschaffen. Es gibt Widerstand.
Von Norbert Lösch

Der Grieser Steg, eigentlich ein Nachkriegsmodell, hat lange hergehalten. In einigen Jahren soll er neu gebaut und dabei höher und breiter werden. Foto: Lösch
Der Grieser Steg, eigentlich ein Nachkriegsmodell, hat lange hergehalten. In einigen Jahren soll er neu gebaut und dabei höher und breiter werden. Foto: Lösch

Regensburg.Donau-Übergänge sind seit Jahrzehnten ein besonders sensibles Thema in der Domstadt. Jetzt stehen gleich zwei Projekte an, die bessere Verbindungen zwischen dem Stadtnorden und der Altstadt zum Ziel haben – allerdings nur für Fußgänger und Radfahrer. Der Grieser Steg zwischen der Wöhrdinsel und Stadtamhof soll erneuert und damit leistungsfähiger werden, dazu der lange diskutierte Holzgartensteg zwischen dem Grieser Spitz und Reinhausen endlich realisiert werden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat am Dienstag beschlossen, für beide Vorhaben einen öffentlich begleiteten Planungswettbewerb zu starten.

Der Grieser Steg in seiner jetzigen Form ist zwar nicht baufällig, das fast 70 Jahre alte Bauwerk ist aber in seiner Funktion stark eingeschränkt. Bei einer lichten Breite von nur 3,8 Metern wird es auf der stark frequentierten Brücke oft eng für Radfahrer und Fußgänger. Eine Prognose besagt, dass 2025 jeden Tag etwa 1900 Räder über die beiden Stege rollen werden – bei einer angedachten neuen Breite von 6,5 Meter kein Problem. Zwei weitere Unzulänglichkeiten sollen mit dem Neubau des Grieser Stegs aus der Welt geschafft werden: Die Brücke wird deutlich höher, um auch hundertjährlichem Hochwasser gewachsen zu sein, und sie wird von Rettungsdiensten und der Feuerwehr als schnelle Verbindung genutzt werden können. Von Elektrobussen, die den Steg als Ersatz für die Steinerne Brücke befahren könnten, ist in den aktuellen Planungen keine Rede mehr.

Schrägseilbrücke ist vom Tisch

Welche Konstruktion den alten Steg ersetzen wird, soll sich in einem Planungswettbewerb herauskristallisieren. Die Stadt favorisiert eine Deckbrücke mit unten liegendem Tragwerk oder eine sogenannte Trogbrücke mit oben liegendem Tragwerk. Die dritte Variante, eine Schrägseilbrücke mit Pylon auf der Stadtamhofer Seite, hätte zwar den Vorteil, dass es auf der Jahninsel in der Mitte des Bauwerks keine weiteren Stützen bräuchte. Der Pylon mit einer Höhe von etwa 40 Metern wäre aus Sicht der Stadt zwar natur- und landschaftsverträglich, das Welterbe-Steuerungskomitee hat eine solche Lösung aber bereits aus denkmalpflegerischer Sicht abgelehnt. Die Stadt will diese Variante deshalb nicht weiter verfolgen.

Auch für die Trasse gibt es mehrere Varianten: gerade über die beiden Donauarme, mit einem Knick auf der Jahninsel oder geschwungen. Der Planungswettbewerb soll heuer noch starten. Die Öffentlichkeit soll schon beim Erarbeiten der Ausschreibung einbezogen werden.

Nach dem Vergabeverfahren muss das Projekt naturschutz- und wasserrechtlich genehmigt werden. Die Brücke soll dann möglichst zeitgleich mit dem Hochwasserschutz für den Unteren Wöhrd gebaut werden, der in den Jahren 2021 bis 2024 entstehen soll.

Auf Stadtamhofer Seite soll die neue Brücke dann mit einem neuen Fuß- und Radweg an den Holzgartensteg angebunden werden. Das völlig neue Bauwerk soll den Maria-Beer-Platz im Neubaugebiet hinter dem Reinhausener Damm mit dem Grieser Spitz verbinden und so die Nord-Süd-Trasse für Fußgänger und Radfahrer vervollständigen. Der Schifffahrtskanal ist an dieser Stelle über 120 Meter zu überspannen. Weil es sich hier um eine Bundeswasserstraße handelt, muss die Durchfahrtshöhe mindestens 6,4 Meter über dem höchsten Schiffswasserstand liegen. In der Beschlussvorlage für die Stadträte heißt es, der Steg werde „eine mit der Nibelungenbrücke vergleichbare Höhe“ haben müssen.

Dagegen, aber auch gegen das Projekt insgesamt, formiert sich Widerstand des Vereins der Donauanlieger. Der Vorsitzende Walter Cerull hält den Holzgartensteg schlicht für überflüssig, weil es auch für Radler Alternativen auf dem Weg in die Innenstadt gibt: die Nibelungenbrücke oder die neue Frankenbrücke/Protzenweiherbrücke.

Zu hoch und zu massiv?

Während seine Interessengemeinschaft einen neuen Grieser Steg unter der Voraussetzung akzeptiert, dass „so wenig Bauwerk wie möglich“ entsteht, wird der Holzgartensteg rundweg abgelehnt. Weil Schiffe unter ihm durchfahren müssen, werde er zwangsläufig „viel zu hoch und wegen der notwendigen Windsteifigkeit auch sehr massiv“.

„Diese Brücke braucht es nicht“, sagt Cerull, zumal sie von Reinhausener Seite nur auf Umwegen erreichbar sei. Die Rampe am Gries, die aufgrund der Höhe des Bauwerks nach seiner Berechnung 200 bis 300 Meter lang sein müsste, sei inakzeptabel, weil landschaftszerstörend. Ersten Planskizzen der Stadt zufolge soll die Rampe U-förmig auf die Brücke führen. Damit würde der Weg hinauf zwar breit, aber nur halb so lang.

Stimmen zum Holzgartensteg

  • Dr. Klaus Rappert (SPD): „Der Holzgartensteg ist ein Kernstück im Radwegenetz und eröffnet attraktive Strecken abseits der vielbefahrenen Auto-Brücken.“

  • Christian Schlegl (CSU): „Diese Brücke ist eine essenzielle Verbindung vom Stadtnorden in die Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger.“

  • Benedikt Suttner (ÖDP): „Wir sollten schon in der frühen Planungsphase klar sagen, dass die Nutzung durch Autos ausgeschlossen ist.“

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