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Aufnahmestopp: Viele Senioren in Not

Um die Ausbreitung in Pflegeheimen zu unterbinden, reagierte die Regierung. Die Lage in Regensburgs ist weiter angespannt.
Von Dr. Christian Eckl

Das Albertinum ist ohnehin voll belegt, auch vor dem Aufnahmestopp. Maßnahmen werden seit Wochen durchgeführt. Foto: Eckl
Das Albertinum ist ohnehin voll belegt, auch vor dem Aufnahmestopp. Maßnahmen werden seit Wochen durchgeführt. Foto: Eckl

Regensburg.Seit Samstag gilt ein von der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml verfügter Aufnahmestopp in Pflegeheimen. Demnach darf derzeit zum Schutz vor einer Ausbreitung des Coronavirus kein neuer Bewohner in Heimen aufgenommen werden. Zuletzt hatte eine Reihe von Todesfällen in einem Pflegeheim in Würzburg für Entsetzen gesorgt. Kein Wunder also, dass auch in Regensburg die Lage in den Altenheimen angespannt ist. Senioren, die dringend auf einen Heimplatz angewiesen werden, dürfen zudem nur im absoluten Notfall untergebracht werden.

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Björn Heinrich ist Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Regensburg. Das Rote Kreuz betreibt beispielsweise das Altersheim Minoritenhof und das Rotkreuzheim in der Rilkestraße. „Derzeit spüren wir verständlicherweise eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich des Wunschs nach Heimaufnahme. Die Zahl der Anfragen ist zurückgegangen.“ Nichtsdestotrotz gebe es immer wieder Situationen, „in denen ein Pflegebedürftiger nicht mehr in seinem bisherigen Umfeld verbleiben kann“.

Gesundheitsamt muss zustimmen

Laut Heinrich gibt es trotz des Aufnahmestopps in bestimmten Notfällen noch die Möglichkeit, Senioren doch noch in einem Altersheim unterzubringen. „Eine Notfallaufnahme ist in Heimen möglich, wenn der neu aufzunehmende Bewohner für einen Zeitraum von 14 Tagen separiert von den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern in Quarantäne untergebracht werden kann.“ Voraussetzung sei aber die Zustimmung des Gesundheitsamtes. „Dies können wir in Einzelfällen auch in unseren Häusern umsetzen.“ Darüber hinaus verfüge aber das BRK in Stadt und Landkreis Regensburg über keine Ausweichmöglichkeit.

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Auch Harry Landauer, Sprecher der Caritas, bestätigt, dass eine Neuaufnahme in einem Pflegeheim auch nach den neuen Regelungen nicht völlig ausgeschlossen ist. Doch allein schon die baulichen Voraussetzungen seien in vielen Heimen nicht erfüllt, um eine dann notwendige, 14-tägige Quarantäne isoliert durchzuführen. „Das größere Problem ist das Fehlen der für solche Maßnahmen notwendigen Schutzausrüstung. Die ist in den allermeisten Fällen nicht in ausreichendem Umfang vorhanden“, sagt Landauer. Bei Demenz-Patienten käme hinzu, dass man hier nicht einfach sagen könne: „Bleiben Sie auf Ihrem Zimmer“, berichtet der Caritas-Sprecher. Dabei wäre der Bedarf an Heimplätzen nach wie vor da: „Nachfrage gibt es auch jetzt, auch wenn Menschen, die von Zuhause ins Heim wechseln wollen, jetzt vielleicht eher noch abwarten.“ Nachfrage komme aber auch aus den Krankenhäusern. „Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt einen Platz suchen, sollen jetzt in eine Reha-Einrichtung.“

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Laut Stefan Englsperger vom Deutschordenshaus Albertinum, das am Ägidienplatz und in der Clermont-Ferrand-Allee Altenheime betreibt, sagt, dass seine Einrichtungen auch ohne Aufnahmestopp ohnehin bis auf den letzten Platz belegt sind. „Mit Hygiene- und Desinfektionsmitteln sind wir noch gut versorgt, jedoch geht der Mundschutz zur Neige“, schildert auch Englsperger Versorgungsengpässe. „Hier haben wir jedoch mehrere, teilweise private, Nähaktionen organisiert.“ Bereits in den letzten Wochen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in den Deutschordenshäusern verschärft. „Es gilt, Kontakt nach außen so weit wie nur möglich zu verhindern um eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vorzubeugen“, sagt Englsperger. „Wir unterstützen die Angehörigen dahingehend, dass von unseren Bewohnern benötigte Artikel nach Absprache vor der Eingangstüre abgelegt werden können.“

14 Tage Quarantäne bei Neuaufnahmen

Das städtische Bürgerheim Kumpfmühl, im Volksmund Saurer Gockel genannt, hat ohnehin eine Warteliste für Neuaufnahmen. Diese werde laut einer Stadtsprecherin auch unter den aktuellen Bedingungen weitergeführt. „Den Fall, dass eine bereits geplante Aufnahme wegen des Aufnahmestopps jetzt kurzfristig abgesagt werden musste, gab es im Bürgerheim Kumpfmühl nicht.“ Man werde während des Aufnahmestopps versuchen, „solche Fälle mit Quarantäne zu lösen“. Würde ein Platz frei werden, dann müsse im Moment das Gesundheitsamt zustimmen, dass diese Aufnahme erfolgen dürfe.

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Das gehe laut Sprecherin nur, wenn der neue Heimbewohner 14 Tage unter Quarantäne gestellt wird. Die Heimmitarbeiter betreten den Sauren Gockel derzeit ohnehin nur über eine Schleuse mit entsprechender Desinfektion und die Pflegekräfte tragen bei der Versorgung der Heimbewohner immer einen Mund-Nasenschutz. „Für den Fall, dass es einen covid-19-Verdachtsfall unter den Heimbewohnern geben sollte, steht entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung“, sagt die Sprecherin. Bisher habe es aber keinen Verdachtsfall im Bürgerheim gegeben.

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