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Diskussion

Barrierefreiheit als langer Prozess

Kopfsteinpflaster, unerreichbare Touristenziele und Toiletten – Menschen mit Behinderung haben es in Regensburg noch schwer.
Von Daniel Steffen, MZ

Die Altstadt von Regensburg ist für Rollstuhlfahrer – wie hier in der Pustetpassage – ein schwieriges Pflaster. In der Stadtplanung spielen Aspekte der Barrierefreiheit aber eine Rolle.
Die Altstadt von Regensburg ist für Rollstuhlfahrer – wie hier in der Pustetpassage – ein schwieriges Pflaster. In der Stadtplanung spielen Aspekte der Barrierefreiheit aber eine Rolle. Foto: Archiv

Regensburg.Barrierefreiheit ist ein Thema, das städteplanerisch immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das machte Planungsreferentin Christine Schimpfermann in einer Gesprächsrunde im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum deutlich. Eingeladen hatten die Kooperationspartner des Projekts „Regensburg inklusiv“, die nun ein Treffen zum Thema Barrierefreiheit veranstaltet hatten. Wie Schimpfermann vor 50 Teilnehmern ausführte, seien in jüngster Zeit insbesondere bei den Bushaltestellen Fortschritte gemacht worden. Als Beispiele führte sie die Haltepunkte Justizgebäude (vor der MZ), Schwabelweis Aumer und Johann-Hösl-Straße an.

Taktile Streifen zur Orientierung für Sehbehinderte sowie eine ausreichend lange höhenangepasste Bucht für einen barrierefreien Einstieg seien hierbei maßgeblich. Die Kosten für einen Um- oder Neubau der Haltestelle bezifferte sie auf etwa 60 000 bis 150 000 Euro – je nachdem, welche Maßnahmen im Umfeld erforderlich seien. Wie im Falle der Haltestelle Justizgebäude sei es mancherorts notwendig, die Rad- und Fußgängerwege neu zu gestalten.

Bushalte: 10 Prozent barrierefrei

Der Bushalt Justizgebäude ist bereits barrierefrei. Je nach Intensität der Baumaßnahme kostet der Stadt solch ein Umbau bis zu 150 000 Euro.
Der Bushalt Justizgebäude ist bereits barrierefrei. Je nach Intensität der Baumaßnahme kostet der Stadt solch ein Umbau bis zu 150 000 Euro. Foto: Steffen

Schimpfermann kündigte an, dass demnächst auch jene Haltestelle Justizgebäude umgebaut werde, an der stadteinwärts die Linie 2 verkehrt. Insgesamt seien derzeit rund zehn Prozent der 550 Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei.

Ein weiteres Thema stellte die Bepflasterung der historischen Altstadt dar. Noch gebe es vielerorts die traditionellen Kopfsteinpflaster, doch würden diese – wie etwa in der Ludwigstraße – durch gesägtes Pflaster ersetzt. Dieses sei für Rollstuhlfahrer deutlich besser befahrbar – aber auch nicht unumstritten. Mit der Denkmalpflege, so Schimpfermann, hatten diesbezüglich schon viele Gespräche geführt werden müssen.

Dass barrierefreies Bauen im Welterbe weiterhin ein schwieriges Thema ist, zeige sich auch am Alten Rathaus. Ein behindertengerechter Aufzug, so wie sich ihn Schimpfermann schon seit Jahren wünsche, habe nach wie vor nicht realisiert werden können. Immerhin, so freut sie sich, sei für den Historischen Reichssaal ein barrierefreier Zugang geplant.

In der anschließenden Diskussionsrunde äußerten mehrere der Anwesenden ihr Interesse an einer App, die über behindertengerechte Toiletten oder auch barrierefreie Hotels im Stadtgebiet informiert. Im Falle der „Netten Toilette“, die im öffentlichen Raum zur kostenlosen öffentlichen Nutzung bereitgestellt wird, seien bereits die behindertengerechten WCs in der App gekennzeichnet, hieß es. Allerdings sei ein Angebot an äquivalenten Toiletten in der Altstadt kaum vorhanden, lautete die Kritik.

Bezüglich der Hotels merkten Gesprächsteilnehmer an, dass betreffende Unterkünfte zwar als behindertengerecht eingestuft, aber nicht rollstuhlgerecht konzipiert sein worden. Ein oder mehrere rollstuhlgerechte Zimmer zu finden, sei ein höchst schwieriges Unterfangen.

Ein Gemeinschaftsprojekt

  • Organisation:

    Durch die Veranstaltung im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum führte Thomas Kammerl, Projektkoordinator von „Regensburg inklusiv“. Es war das nunmehr achte Treffen des Inklusionszirkels.

  • Projekt:

    Regensburg inklusiv ist ein Projekt der Stadt Regensburg, der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg.

Ein positives Resümee

Über die erzielten Fortschritte und noch notwendigen Schritte zur Inklusion zu sprechen, war für die Betroffenen wichtig. „In meinen Augen war die Veranstaltung sogar ein großer Erfolg“, resümierte Florian Stangl, Sprecher des städtischen Beirats für Menschen mit Behinderung. „Die Stadt zeigte auf, dass man sich bei den Planungen der städtischen Gebäude und Baumaßnahmen durchaus Gedanken bezüglich der Barrierefreiheit macht. Darüber hinaus werden nahezu alle Baumaßnahmen der Stadt im Arbeitsausschuss unseres Beirats vorgestellt und von und als ’Experten in eigener Sache‘ begutachtet“, sagte Stangl.

Auf der anderen Seite habe man aber auch gesehen, dass die „Ansprüche an die Barrierefreiheit sehr unterschiedlich“ seien – je nachdem, wie die Behinderung ausgeprägt ist. So konnten sich einige der Anwesenden mit dem gesägten Pflaster in der Ludwigstraße anfreunden. Andere bemängelten jedoch, dass es dort „keine taktile Streifen“ gebe – und die Straße für Blinde „eben nicht barrierefrei“ sei.

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