mz_logo

Regensburg-Stadt
Donnerstag, 16. August 2018 27° 6

Leben

„Danz“-Mieter kämpfen um ihre Kommune

Hier wird das Wohnen noch selbst verwaltet. Nun soll das Haus verkauft werden – nur ein „Syndikat“ könnte helfen.
Von Jürgen Scharf, MZ

Sie wohnen in einer Kommune, aber sie beißen nicht (von links nach rechts): Sarah, Quirin, Secil, Sebastian, Willy, Michael und Anna. Foto: Scharf

Regensburg.In der Konradsiedlung steht die „Danz“. Die erste und wohl auch letzte Kommune Regensburgs ist seit 40 Jahren ein greller Farbtupfer im beschaulichen Leben im Regensburger Norden. Und damit das so bleibt, kämpfen die zehn Mieter um ihr Haus. Das soll verkauft werden. Nun kann nur noch ein „Syndikat“ helfen.

„Danz“, das ist schlichtweg die Abkürzung für Danziger Freiheit – dem Platz, an dem das Haus steht – und bereits seit 1973 der Spitzname für das Wohnprojekt. Damals wurde das ehemalige Arzthaus zur Wohngemeinschaft für die unterschiedlichsten Menschen, meist aus der linken Subkultur. Es folgten wilde Jahre, in denen die „Danz“ unter anderem als Basislager für den Protest gegen die WAA diente oder in den 90er-Jahren in den Verruf einer wilden Partyhölle kam. Auf jeden Fall war es aber die erste Kommune Regensburgs, „in der wohl auch Uschi Obermeier gerne gewohnt hätte“, wie ein Bewohner anmerkt.

Die heutigen Bewohner, zumeist Studenten, sind in Sorge. Dem Idyll des selbst verwalteten Wohnens droht das Aus. Der Eigentümer des Hauses hat bereits die Kündigung geschickt. Er will das Gebäude verkaufen und hat bereits einen Interessenten. Helfen könnte nur ein eigener Kauf des Hauses nach Vorbild des „Mietshäuser Syndikats“. In vielen Städten Deutschlands wurden damit bereits Wohngemeinschaften langfristig gesichert. Einzelpersonen oder Gruppierungen leihen dem Hausprojekt zu bestimmten Konditionen Geld.

„Wir haben bereits einiges beisammen, aber es reicht noch nicht aus“, erzählt der 30-jährige Quirin. Er ist erst am 1. Oktober in die „Danz“ eingezogen – und er will nicht schon wieder ausziehen. 275000 Euro soll das Haus kosten. Die Bewohner wollen weiter Miete zahlen und damit die Kredite abstottern. Deswegen suchen sie Anleger und werben mit einer „sinnvollen und sozialen Geldanlage“. Wer hier investiert, sehe, wohin sein Geld komme, erzählt Quirin. Und er unterstütze mit diesem selbst verwalteten Wohnraum „sozusagen auch ein politisches Projekt“.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.die-danz.org.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht