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Kraftakt

Das große Aufräumen begann nachts

Für den Abbau des Katholikentags in Regensburg wurden Tonnen an Material bewegt. Unermüdliche Helfer packten mit an, viele davon ehrenamtlich.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • In der Leopold-Kaserne ist das Lager des Katholikentags: Viele fleißige Hände packen in der Nacht beim Aufräumen an. Fotos: Schaeffer
  • Die Musiker packen zusammen.
  • Der Protest wird eingepackt.
  • Christian Kopp, der „Wasser-Mann“
  • Unermüdlich waren die Helfer im Einsatz.

Regensburg.Eine laue, blaue Nacht senkt sich still über Regensburg. Auf Haidplatz, Neupfarrplatz oder im Dom St. Peter genießen die Besucher des Katholikentags noch die letzten Klänge eines Konzerts, lauschen draußen den Glocken, die sich von den Kirchtürmen aus laut hörbar vereinen oder genehmigen sich noch schnell eine letzte Bratwurst am Stand. Währenddessen läuft eine Riesen-Logistik an. Der Abbau beginnt. Das große Aufräumen nach dem großen Treffen der Gläubigen aller Herren Länder. Und das wird eine lange Nacht für die Helfer.

Bischof Rudolf Voderholzer eilt von Stadtamhof aus über den Eisernen Steg zu einer Sitzung des Leitungskreises, bleibt stehen und hält noch kurz einen Plausch. Währenddessen rollen nur wenige Meter entfernt, am Schopperplatz, Christian Kopp und sein Mitarbeiter Matthias Jahr schon die Schläuche auf.

Beim Katholikentag habe es „Strom-Menschen“, „Licht-Menschen“ oder „Wasser-Menschen“ gegeben, erzählt Kopp. Er selbst war mit seiner Berliner Firma für Wasser und Abwasser zuständig.

3,2 Kilometer Wasserschläuche

Er hat geschätzte 3,2 Kilometer Schläuche verlegt, 18 Pumpen, 200 Defender, 41 Spülen. „Alles, was ein Katholikentag so braucht.“ Kopp bringt es auf den Punkt: „Wir beherbergen für kurze Zeit eine Mittelstadt, die dafür nicht geschaffen ist.“

Und das muss jetzt, das Treffen ist noch nicht ganz beendet, wieder verschwinden. Noch ein paar Stunden will Kopp mit seinen Mitarbeitern werkeln. Mitternacht ist nicht mehr weit. Und Sonntagfrüh geht’s um sechs Uhr gleich wieder los.

Doch Kopp, der seit 1977 Kirchentage logistisch bestückt und seit 1990 speziell auch Katholikentage, zeigt sich routiniert. „Business as usual“, winkt er angesichts der Mammutaufgabe still ab.

Die allerdings macht er seit Regensburg hobbymäßig. Der Grund: „Regensburg ist eine wunderschöne Stadt, hat lauter nette Menschen.“ Und: Die Zusammenarbeit mit der REWAG sei sensationell gewesen.

Da wurde auch ein spektakuläres Ereignis schnell und gelassen geregelt. Eine Dame hatte beim Rückwärtsparken am Kornmarkt ein Standrohr angefahren. Eine Riesenfontäne ergoss sich über den Platz.

Und eins betont Christian Kopp, ein „Professioneller“: Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre der Abbau nicht zu stemmen.

Denn: Spätestens Montag früh soll in Regensburg vom Katholikentag nichts mehr zu sehen sein. Das ist das Ziel, erklärt Katharina Hummel von der Pressestelle. Und Pressesprecherin Silke Jäger schiebt nach: Die ersten Abbauten vor allem in den Schulen beginnen Samstag um 18 Uhr.

Acht Zentren sind zu räumen. Sobald das Programm vorbei ist, wird die Logistik auch schon abgeholt, „sodass am Montag der volle Betrieb wieder möglich ist“, so Jäger. Dazu kommen die Bühnen, die vielen weißen Pagodenzelte auf der Kirchenmeile. Und als letztes kommt das Stadion an der Uni dran, in dem am Sonntag noch der Abschlussgottesdienst stattfindet.

Etwa 500 Mitarbeiter des Katholikentags seien im Einsatz, mit etwa 200 Fahrzeugen. Die Tonnagen, die hier bewegt werden, sind immens.

„Der Katholikentag rollt und überrollt. Das ist schon der Wahnsinn“, sagt Jäger. Es werde mit einem Dienstleister zusammengearbeitet, der Firma Trialog. Die wiederum habe zig Unterdienstleister, Zeltbauer, Bühnenbauer, Containerfirmen.

Die Logistik regiert

In der Prinz-Leopold-Kaserne in Regensburg hält der logistische Leiter des Katholikentags, Michael Brüsselbach, die Fäden in der Hand. Hier ist der zentrale Knotenpunkt der Logistik. Ein Lkw nach dem anderen kommt Samstagnacht angefahren, wird von fleißigen Helferhänden sofort entladen und braust wieder los.

250 Europaletten voller Material werden hin- und hergeschoben, dazu 100 Gitterboxen, erklärt Brüsselbach. Auch er zeigt sich angesichts der Mammutaufgabe gelassen: „Alle zwei Jahre das Gleiche, wir sind ein eingespieltes Team.“ Er sei guter Hoffnung, dass die anstehende Aufgabe bis drei Uhr in der Früh bewältigt sei. Und Sonntagfrüh um sieben Uhr geht’s dann wieder los.

Zwölf Leute hat er als feste Mannschaft, dazu kommen rund 15 weitere ehrenamtliche Helfer aus dem Katholikentags-Pool. Und neben der vielen Arbeit ist auch ein bisschen Partystimmung dabei. Der Grill wird angeschmissen, es gibt Würstchen und dazu auch was Süßes.

Luca Diem aus Hannover, Mitglied der christlichen Pfadfinderschaft, packt beim Katholikentag gerne mit an, auch wenn er selbst evangelisch ist, wie er mit einem kleinen Schmunzeln gesteht. Er war während der fünf Tage an vielen verschiedenen Ecken im Einsatz, bei einem Gottesdienst, bei einem Konzert und jetzt in der Lagerhalle in der Kaserne. Hier sortiert er das ankommende Material, Geschirrtücher, Decken, Kerzen auf immer höher werdende Stapel.

Ihm macht das Spaß: „Helfen zu können und dabei auch für sich selber etwas mitnehmen zu können.“ Auch Sophie Buscher aus Nürnberg macht der Helfer-Dienst Freude. „Ja, das macht Spaß. Es ist ein gutes Gefühl hier in der Gruppe zusammen zu sein.“ Und so geht das Aufräumen flott. „Hier sind lauter entspannte Leute“, meint Diem.

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