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Kunst

Der Dom in Plastik ziert sich noch

Die Installation von Ottmar Hörl wird erst im September aufgebaut, der Grund: Die Kathedrale macht es der Manufaktur schwer.
Von Marianne Sperb

Der Dom in Plastik, blaue Version: Ottmar Hörl bereitet eine Installation auf dem Regensburger Neupfarrplatz vor. Der Termin musste jetzt verschoben werden. Foto: Ottmar Hörl/ Galerie Andrea Madesta
Der Dom in Plastik, blaue Version: Ottmar Hörl bereitet eine Installation auf dem Regensburger Neupfarrplatz vor. Der Termin musste jetzt verschoben werden. Foto: Ottmar Hörl/ Galerie Andrea Madesta

Regensburg.Der Künstler Ottmar Hörl schrumpft den Regensburger Dom, lässt ihn in Plastik gießen und stellt ihn 600 mal als Klein-Version auf dem Neupfarrplatz in ein Hochregal. Die spektakuläre Installation verzögert sich. „Aus technischen Gründen“, so Galeristin Andrea Madesta am Donnerstag. Die Kathedrale macht es der Manufaktur schwer, der Aufwand ist weit größer als gedacht. Das war so nicht abzuschätzen: Ottmar Hörl, der schon 10 000 Eulen nach Athen gebracht hat, 7000 Dürer-Hasen nach Nürnberg und 100 Märchenkönige ins Nymphenburger Schloss, realisiert für Regensburg das erste Mal ein Architekturmodell, noch dazu ein hochfiligranes Gebäude.

Kultur

500 Mal der Regensburger Dom in Plastik

Nach Hasen in Nürnberg und Eulen in Athen: Ottmar Hörl kommt nach Regensburg. St. Peter bekommt lauter kleine Brüder.

Die Installation, die im August stehen sollte, wird erst zum 15. September fertig und dann bis 29. September das vermutlich meistfotografierte Regensburger Motiv sein. Die Arbeit mit dem Titel „Souvenir, Souvenir?!“ entsteht zum Jubiläum 150 Jahre Domtürme. Die Auflage – ursprünglich waren 500 Mini-Modelle geplant – wurde dem Motto angepasst. Pro Farbe – in pupurrot, nachtblau, opalgrün und gold wird St. Peter produziert – werden 150 Exemplare gefertigt, gezeigt – und auch verkauft.

„Das Original zu machen ist leicht. Aber eine Stadt zu erobern, das ist schwierig.“

Ottmar Hörl

Inzwischen ist klar, wie viel die Klein-Kathedralen mit den Maßen 43 mal 22 mal 49 Zentimeter kosten: signiert 600 Euro, unsigniert 300 Euro. Zum Subskriptionspreis ist das Kunst-Souvenir für 550 Euro oder für, unsigniert, 250 Euro zu haben, Kontakt: bei Andrea Madesta, am@galerie-madesta.de

Auch die Vernissage zur Einzelausstellung von Ottmar Hörl in der Galerie Madesta in der Wahlenstraße verschiebt sich; die Eröffnung der Schau ist am 15. September.

Wie groß wird das Hochregal? Wo steht es am besten? Andrea Madesta und Ottmar Hörl diskutieren ijm April auf dem Regensburger Neupfarrplatz. Die Installation der Mini-Dome verzögert sich. Foto: Moosburger/altrofoto.de Foto: altrofoto.de
Wie groß wird das Hochregal? Wo steht es am besten? Andrea Madesta und Ottmar Hörl diskutieren ijm April auf dem Regensburger Neupfarrplatz. Die Installation der Mini-Dome verzögert sich. Foto: Moosburger/altrofoto.de Foto: altrofoto.de

„Das Original zu machen ist leicht“, sagt Ottmar Hörl über seine Installationen im öffentlichen Raum. „Aber eine Stadt zu erobern, das ist schwierig.“ Bilder schaffen, die bleiben, Fragen aufwerfen, die rumoren, Gemeinschaft und Identität stiften, darum geht’s ihm. „Die Menschen auf der Straße sind ja nicht kunstfeindlich. Aber viele gehen ungern in eine Galerie, als würden sie erwarten, dass jemand kommt und sie streng fragt: Was machen Sie hier? Haben Sie überhaupt Ahnung von Kunst? – Dabei muss man gerade bei Kunst nichts wissen. Man muss sich ihr nur aussetzen.“

„Wie bei Christo“

  • Ottmar Hörl:

    Bildhauer, Konzept-, Installations- und Fotokünstler: Der 68-Jährige drückt sich in vielerlei Formen aus. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Bis 2017 war er Präsident der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

  • Installation:

    „Souvenir, Souvenir“ zeigt Dom-Modelle im Hochregal auf dem Neupfarrplatz. Die Installation nimmt dem Dom sein Pathos; jeder kann die Kathedrale in Besitz nehmen. Die Objekte werden verkauft, Preis: voraussichtlich an die 300 Euro. Info: www.galerie-madesta.de

  • Ansage:

    „Ich mach’ es wie eine Operninszenierung, nicht wie eine Verkaufsausstellung“, sagt Ottmar Hörl. Wer ein Stück mitnimmt, nimmt die ganze Inszenierung im Kopf mit. Wie bei Christo.“

  • Ort:

    Die via principalis der Römer, das jüdische Ghetto mit der Synagoge, der reichsstädtische Brunnen, der unterirdische Ringbunker aus der NS-Zeit, das Dani-Karavan-Relief als Ort der Begegnung: Auf dem Neupfarrplatz verkanten sich die Stränge von 2000 Jahren Regensburger Geschichte.

  • Multiples:

    Eine weiße Seife mit dem Relief „Unschuld“, verpackt in eine schwarze Plastikschale, auf der das Wort ebenfalls steht: Das Objekt von Ottmar Hörl, 1997 entworfen, wurde bis heute 57 000 Mal verkauft. Es treibt die Idee, Kunst zu demokratisieren, auf die Spitze. Konzeptionell limitiert ist die Seife auf 82 Millionen Stück, Hörl: „Jeder Einwohner Deutschlands soll schließlich die Möglichkeit haben, seine Hände in Unschuld zu waschen.“

  • Humor:

    Hörls Installationen und Multiples haben Humor. Humor ist die Kunst des Perspektivwechsels. „Das hat auch was Verzeihendes“, sagt der Künstler.

  • Erfolg:

    „Meine Arbeiten im öffentlichen Raum sind alle extrem erfolgreich“, sagt Hörl. Ein Netz von 250 Galerien, von Seoul bis Toronto, verkauft seine Werke. Viele Käufer bestellen die Figuren sogar signiert, „obwohl die doppelt so teuer sind“.

Zuletzt, Anfang Juli 2019, knöpfte sich Ottmar Hörl Bert Brecht vor. In Augsburg, der Geburtsstadt des Dramatikers, stellte er im Park des Kurhaustheaters 100 mal BB in Plastik auf, 90 Zentimeter hoch. Auch hier erzielte Hörl maximale Aufmerksamkeit.

Bert Brecht, der große Dramatiker, in Plastik und 90 Zentimeter groß: Ottmar Hörl schuf die Installation für Augsburg, die Geburtsstadt von BB. Foto: Stefan Puchner/dpa
Bert Brecht, der große Dramatiker, in Plastik und 90 Zentimeter groß: Ottmar Hörl schuf die Installation für Augsburg, die Geburtsstadt von BB. Foto: Stefan Puchner/dpa

St. Peter in Polyvinylchlorid auf dem Regensburger Neupfarrplatz dürfte „eine gute Gemengelage für Gespräche“ geben, sagt Hörl. „Der eine wird sagen: Ich find’ das super, aber ich will nicht in den Dom, weil ich von Kirche nichts halte. Der andere denkt vielleicht darüber nach, wie es sein kann, dass Menschen damals über sich hinaus gewachsen sind und gewaltige Kirchen gebaut haben, während heute schon eine Kita in irgendeinem Stadtteil ein Riesenakt ist. Und der Dritte fragt dann: Könnten wir nicht Ähnliches schaffen und Wohnen für alle erschwinglich machen? Das fände ich gut.“

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