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Ausstellung

Die Kunstmesse Regensburg punktet

2000 Besucher zogen die Werke im Salzstadel in ihren Bann. An drei Tagen Messe gingen 100 Stücke für insgesamt 60 000 Euro über den Ladentisch.
Von Heike Haala, MZ

  • 2000 Besucher zog die Kunstmesse Regensburg in den Bann der Kunst. Foto: altrofoto.de
  • Die Drittplatzierte Eleonore Fischer mit Bürgermeister Joachim Wolbergs, der Zweitplatzierten Simona Petrauskaite und dem Publikumsliebling Heng Li (v. l.) Foto: altrofoto.de

Regensburg.Punkte sammeln – das war das Credo der 53 Künstler, die ihre Werke von Freitag bis Sonntag auf der ersten Kunstmesse in Regensburg im Salzstadel präsentierten. Die begehrten Punkte bekamen sie von den 2000 Gästen. Die Besucher verteilten sie für den Publikumspreis. Mit der Eintrittskarte bekamen sie auch einen Abstimmzettel überreicht, auf dem sie notieren konnten, welche drei Künstler ihre Favoriten sind. Die drei Künstler mit den meisten Punkten konnten sich am Abend einen Preis abholen.

Wer sich an seinem Lieblingsstück nicht mehr sattsehen konnte, hatte auch noch die Möglichkeit, eine andere Art von Punkten zu verteilen. Die berühmten roten Punkte neben dem Kunstwerk, die den anderen Besuchern signalisieren, dass hier nichts mehr zu holen ist. Denn wer so einen Punkt verteilte, reservierte sich das Kunstwerk. An drei Tagen gingen 100 Stücke für insgesamt 60 000 Euro über den Ladentisch.

Mit viel Liebe zum Detail

Falko Gaulke und Stefan Bircheneder, die Ideengeber und Organisatoren, die der Berufsverband Bildender Künstler mit der Messe beauftragt hatte, verstanden es, ihre Gäste in den Bann der Kunst zu ziehen. Nicht nur, was die Vielfalt der Künstler und ihrer Werke anging, die dem Publikum in ihren Messekojen Rede und Antwort standen. Gegenständliche Holzschnitzerei und Tuschzeichnungen gab es hier ebenso zu sehen wie Scherenschnitte, abstrakte Grasbilder oder comichaft gestaltete Leinwände und futuristisch anmutende, mannshohe Plastikskulpturen.

Auch auf Details hatte das Organisatorenduo Wert gelegt. Etwa gab es die Möglichkeit des Probehängens. Da so ein Kunstwerk eine Anschaffung fürs Leben ist, konnten unschlüssige Kunstsammler das Objekt ihrer möglichen Begierde quasi in natürlicher Umgebung beobachten: Die Organisatoren hatten eine Wandsituation mit einer Kommode und einem Sessel davor geschaffen, an denen die Gäste ihre Favoriten aufhängen und somit antesten konnten.

Ein einfaches Gästebuch hätte auf der Kunstmesse vermutlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. Deswegen entschieden sich Gaulke und Bircheneder für eine alte Schreibmaschine, in der sie ein Band Endlospapier einspannten. Darauf tobten sich die Gäste aus. Viel Lob fand sich am Sonntagnachmittag auf diesem Papier, eine Liebeserklärung und eine mögliche Definition von Kunst: „Art is art. Everything else is everything else“, schrieb ein Gast.

Eine Schlange an der Kasse

Spätestens am Sonntagnachmittag erwiesen sich die Schreibmaschine und ihre klappernden Lettern auch als effektive Beschäftigungsmaßnahme für die Gäste, die am Eingang Schlange stehen mussten. Die Wartezeit scheint sich aber gelohnt zu haben, denn im MZ-Gespräch zogen sie durchwegs positive Bilanz: „So etwas würde ich mir jedes Jahr in Regensburg wünschen. Es gefällt mir gut, dass es hier so viele unterschiedliche Kunstwerke gibt“, sagt Iris Kolbinger aus Ergoldsbach. Eine andere Besucherin begeistert sich etwa für die Scherenschnittkunst von Hans Lankes und die Grasbilder von Heng Li: „Die Veranstaltung hier ist so lebendig, so etwas hat in Regensburg gefehlt“, sagt sie. Besucherin Christine Riedl ist ebenfalls begeistert davon, dass sie an einem Tag so viele unterschiedliche Künstler kennenlernen darf. Sie hat auch schon ein Werk gesehen, das sie sich gerne kaufen würde.

Dass die Kunstmesse die Erstkäufer anzieht, davon sind die Veranstalter Gaulke und Bircheneder begeistert, für sie ist es der Ritterschlag: „Wir haben viele Gäste, die auf der Messe hier zum ersten Mal ein Kunstwerk gekauft haben“. Zudem hätten einige Galeristen die Messe besucht und Künstler für ihre Ausstellungsflächen angeworben, erzählt Gaulke, der sich weitere Auflagen der Veranstaltung auf jeden Fall vorstellen kann.

Austausch unter den Künstlern

Doch nicht nur beim Publikum tat sich am Wochenende einiges, auch unter den Ausstellern kam es zum Austausch. Richtige Netzwerke seien laut Gaulke während der Messe unter den Ausstellern entstanden. Etwa würden einige Künstler inzwischen an gemeinsamen Projektideen schmieden, andere haben ihren Kollegen zu einer Beteiligung an einer Ausstellung verholfen.

Der Austausch unter den Künstlern kam auch im direkten Wortsinn zustande. Denn viele der Aussteller legten für das Werk eines Messekollegen nicht etwa Bares aus den Tisch, sondern einfach ein Opus aus dem eigenen Atelier.

Bei der Kunstmesse Regensburg wurden drei Publikumspreise vergeben. Die drei besten Künstler kommen alle aus dem Münchner Umland. Jeder Besucher hatte drei Stimmen für seine Favoriten zu vergeben.

Den 1. Platz belegte die Koje von Heng Li. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Den 2. Platz belegte die Koje von Simona Petrauskaite. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert. Den 3. Platz belegte die Koje von Eleonore Fischer. Sie bekam einen Gutschein über 300 Euro beim Künstlerbedarf Farben Eckert.

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