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Dult
Samstag, 18. August 2018 31° 3

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Die kleine Gasse Namenlos

Der Weg zwischen Bad- und Lieblstraße ist eine beliebte Abkürzung. Einen Namen hat er nicht. Auch das macht ihn zum Unikat.
von Heike Haala

Dieses Gässchen nutzen gerade wieder viele Dultbesucher als Abkürzung. Einen Namen hat es aber nicht – als einziges in der Altstadt. Fotos: Haala
Dieses Gässchen nutzen gerade wieder viele Dultbesucher als Abkürzung. Einen Namen hat es aber nicht – als einziges in der Altstadt. Fotos: Haala

Regensburg.Wer von der Bad- in die Lieblstraße will oder umgekehrt, muss dazu nicht über den Schopperplatz latschen. Für diesen Weg gibt es eine Abkürzung – und dazu noch eine besonders enge. Es ist die kleine Gasse zwischen Lieblstraße 23 a und 25 auf der einen Seite und zwischen Badstraße 38 und 40 auf der Donauseite. Die Häusermauern stehen hier so eng, dass sich die Traufen und Firste nahezu berühren. Entsprechend kuschelig geht es in dem mit Grafitti zugekleisterten kleinen Weg zu.

Hier sehen Sie ein Video über das Gässchen

Die Gasse "Namenlos" führt zur Dult

Fußgänger, die sich hier entgegenkommen, können sich gerade noch so aneinander vorbeidrücken. Sollte aber einer ein Fahrrad dabei haben, wird es schon eng. Dann muss einer warten, bis der andere seinen Weg durch die Gasse gemacht hat. An der engsten Stelle muss man die Arme nicht weit heben, um beide Seiten des Wegs zu berühren. Wer es wagt, mit dem Fahrrad durch die Gasse zu fahren, sollte sein Gefährt gut im Griff haben, sonst wird er sich danach die Wunden an seinen aufgeschürften Fingerknöcheln lecken müssen. Gerade jetzt, zur Dultzeit, ist der Weg aber wieder sehr beliebt. Denn viele Gäste nutzen ihn, um zum Volksfest oder von dort aus wieder in die Stadt zu gelangen.

Hier ist das Gäscchen

Keine Chance auf einen Titel

Obwohl die Gasse viele Fans hat, einen Namen hat sie nicht. Diese Auskunft gibt Dagmar Obermeier, Pressesprecherin der Stadt. Der Grund dafür ist unbekannt. Die Verbindung zwischen Badstraße und Lieblstraße ist laut Obermeier historisch gewachsen. Eine Recherche, warum in früherer Zeit keine Benennung erfolgte, bezeichnet sie als „extrem aufwändig“. Zudem sei es ohnehin unsicher, ob dazu überhaupt Unterlagen vorhanden sind.

Dabei wird es wohl auch bleiben. Die Chancen stehen schlecht, dass das Gässchen in nächster Zeit einen Namen bekommt. Welche Regensburger Straßen einen Namen erhalten, regeln Richtlinien vom 5. Juli 1987. In diesem Papier ist festgehalten, welche Grundsätze gelten und wie die Benennung abzulaufen hat. Hier ist auch von der Möglichkeit die Rede, dass Bürger Vorschläge für Straßennamen bei der Stadtverwaltung einbringen können. Diese Vorschläge werden geprüft, anschließend entscheidet der Stadtrat.

Die Voraussetzungen für so eine Entscheidung aber erfüllt das Gässchen nicht. „Straßennamen dienen laut Satzung der Stadt Regensburg zur Orientierung und Adressbildung“, sagt Obermeier. Das heißt: Sie sollten in der Regel nur dann erfolgen, wenn dies aus Gründen der Sicherheit und Ordnung erforderlich ist, beispielsweise dann, wenn Häuser über diese Wegeverbindung erschlossen werden. In dem Gässchen aber befinden sich keine Häuser mit Hausnummer. Deswegen ist hier aus Sicht der Stadt auch keine Namensgebung notwendig.

Immerhin aber gibt es einen kleinen Trost für alle Fans des Gässchens Namenslos: Dieser Umstand macht es regensburgweit einzigartig. Denn Obermeier ist keine weitere Traverse in der Stadt bekannt, die ebenfalls keinen Namen hat.

Ambivalentes Verhältnis

Ob Name oder nicht – benutzen darf diesen Weg jeder, der will. Insofern ist es für die Stadt auch kein Problem, dass viele Dultbesucher ihn als Abkürzung nutzen. Während der Dultzeit gebe es von den Anwohnern dieser Gasse nicht mehr Beschwerden als beispielsweise von den Anwohnern des Schopperplatzes, gibt Obermeier Auskunft.

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Das Verhältnis der Anwohner zu dem Gässchen in diesen Volksfest-Tagen ist aber ambivalent. 48 Wochen im Jahr schätzt beispielsweise Anwohnerin Daniela Schulz das namenlose Gässchen vorbehaltlos. Als Abkürzung findet sie das kleine Gässchen super. Manche ihrer Bekannten klagen, dass es ihnen ein wenig zu gruselig sei. Sie aber geht gerne durch und auch ihr Hund Schots – in der Regel. Denn jetzt, zur Dultzeit, ist das ganz anders. Vor allem abends sei es hier nun richtig laut. Mit Schots meidet Schulz die Gasse jetzt, weil sie Angst hat, der Hund könnte mit seinen Pfoten in die Scherben treten, die die Dultgäste hinterlassen.

Gerhard Piendl ist ebenfalls ein Anwohner des Gässchens. Auf den schmalen Weg angesprochen, findet er vor allem deutliche Worte zur Dult und den Rücksichtlosen unter ihren Gästen, die ihn vier Wochen im Jahr plagen. Auch Piendl klagt über den „alltäglichen Scherbenhaufen“, den die Dultgäste hinterlassen. „Ab den Nachtmittagsstunden ziehen alkoholisierte Horden durch das Viertel“, sagt er. Außerdem sei ihm während der Dultzeit auch schon einmal der Seitenspiegel seines Autos heruntergetreten worden. Dabei zahlt er der Verwaltung jährlich Geld dafür, sein Auto auf einem der Anwohnerparkplätze abstellen zu dürfen. Die Stadt kümmert sich in den Augen Piendls zu wenig um die Anwohner der Dult. Er selbst geht nicht mehr auf den Rummel. Denn sie Sache entspricht nicht mehr dem Bild, das er von einem Volksfest hat.

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