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Der Dult-Chef hört nach 34 Jahren auf

Als Reformer war er gefürchtet: Der scheidende Rechtsreferent Wolfgang Schörnig blickt auf bewegte Volksfest-Jahre zurück.
von Daniel Steffen

Ritterlich: Beim Dult-Festumzug im Mai 1985 war Dr. Wolfgang Schörnig zu Pferd unterwegs. Foto: Schörnig
Ritterlich: Beim Dult-Festumzug im Mai 1985 war Dr. Wolfgang Schörnig zu Pferd unterwegs. Foto: Schörnig

Regensburg.Vor 34 Jahren war für Rechts- und Umweltreferent Dr. Wolfgang Schörnig das Dultleben noch schwer. „Ich habe ein organisatorisches Chaos vor mir gesehen“, sagt er, sich an seine Anfänge als oberster Dult-Chef erinnernd. „Die Buden waren simpel zusammengezimmert und die Warendult sah aus wie ein Teppichbasar.“ Die befand sich damals etwa dort, wo heute das Hahn-Zelt seinen festen Platz hat. Ein Stück weit abseits des Festgeschehens stand damals eines der Festzelte, wo sich die Leute zum Biertrinken trafen.

„Der Betrieb ging immer erst um 17 Uhr los. Außer an Sonntagen, da machten die Zelte schon um 11 Uhr auf“, erinnert sich Schörnig. Mit den heutigen, fein herausgeputzten Festzelten seien sie kaum zu vergleichen gewesen. Schließlich habe es noch nicht einmal Besteck oder Tischdecken gegeben, wie sie heute in den Festzelten gang und gäbe sind. Als richtig störend empfand Schörnig vor allem eines: „Die Dult hatte noch kein richtiges Konzept. Da befanden sich Unterhosen neben der Spickerbude“, sagt Schörnig.

Gerade solche Missstände wollte er so schnell wie möglich abstellen. „Meine erste Arbeit war also: Ordnung reinbringen. Die Warendult auf das jetzige Gelände bringen, das Festzelt in die Dult integrieren, und die Dult als ein niveauvolles Fest präsentieren.“ Wie Schörnig betont, hatten die Regensburger Dulten damals nicht den besten Ruf – und Schlägereien waren durchaus an der Tagesordnung.

Reifen wurden ihm zerstochen

Ritterlich: Beim Dult-Festumzug im Mai 1985 war Dr. Wolfgang Schörnig zu Pferd unterwegs. Foto: Schörnig
Ritterlich: Beim Dult-Festumzug im Mai 1985 war Dr. Wolfgang Schörnig zu Pferd unterwegs. Foto: Schörnig

Schörnig ging aufs Ganze und setzte neu an: Viele der damaligen Dult-Schausteller ließ er fortan nicht mehr zu. Das kostete ihm viele Anfeindungen. „Gleich achtmal haben sie mir den Reifen zerstochen. Einer der Schausteller hat mir sogar mit dem Messer auf den Tisch gehauen.“ Immer wieder neu zur Dult zugelassen zu werden, sei für die Beschicker damals eine „Selbstverständlichkeit“ gewesen. Schörnig aber schwebte vor, sich mehr an den großen Festen wie der Münchner Wiesn und dem Straubinger Gäubodenfest zu orientieren und auch die großen, dort vertretenden Schaustellerbetriebe nach Regensburg zu locken.

Wie das gelang? „Wir haben im Stadtrat Regeln aufgestellt, nach welchen Qualitätskriterien die Plätze zu vergeben sind.“ Ein paar Jahre habe es schon gedauert, bis sich der Ruf der Dult wieder einpendelte und das Volksfest für viele Schausteller attraktiv wurde. Die Stadtverwaltung ruhte sich nicht darauf aus. „Mitte der 90er Jahre hatten wir ein neues Konzept und wollten die Dult fortan familienfreundlich gestalten“, sagt Schörnig. Viele neue Kinderfahrgeschäfte konnten in dieser Zeit auf die Dult geholt werden. Schließlich wollte man „die Kunden von morgen gewinnen“. Und: „Wo Familien unterwegs sind, da bleibt es weitgehend friedlich“, weiß Schörnig.

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Auch waren die 90er eine Zeit, in der es ein Überanangebot an Fahrgeschäften gab. Dem technischen Fortschritt kam das freilich zugute. Die vielleicht größte Sensation damals war der Looping, der mit neuen Fahrgeschäften erstmals geschafft wurde. Die Achterbahn nahm Fahrtwind auf –und die Fahrgeschäfte wuchsen in die Höhe. „Wer von weitem gesehen wird, der macht das Geschäft“, hieß die Parole.

Zudem schlug die Geburtsstunde von Kult-Karrussell-Betrieben wie dem „Magic“ oder dem „Breakdance“, die auch die heutigen Besucher auf eine rasante Fahrt mitnehmen. „Aber wir setzten nicht allein auf diese Karte, sondern auf eine Mischung von alt und neu“, sagt Schörnig. Pfeilwurf- und Büchsenwurfbuden und nostalgische Kinderfahrgeschäfte prägen nebst moderner Hightech weiterhin das Bild der Dult.

Am Freitag, 24. August, beginnt die Herbstdult. Foto: Steffen
Am Freitag, 24. August, beginnt die Herbstdult. Foto: Steffen

Viele Fahrgeschäfte wurden durch die verbesserten Transportmöglichkeiten überhaupt erst möglich. „Früher wurden die Geschäfte großteils mit der Bahn transportiert und vor Ort auf den Festen zusammengeschraubt. Mit dem Aufbau waren die Leute locker zwei Wochen beschäftigt“, weiß Schörnig. Das änderte sich Ende der 80er-Jahre, als die Geschäfte erstmals im Stecksystem gebaut wurden und viel leichter aufzubauen waren. „Den Schaustellern wurde es möglich, von weit her anzureisen und von der Bahn unabhängig zu sein.“ Das heutige Dult-Wahrzeichen etwa, das Riesenrad, ist auf zwei Lkw-Auflegern unterwegs und lässt sich von dort aus auch aufbauen.

Konkurrenz zu Dult-Zeiten

In heutigen Dult-Zeiten hat die Stadt als Veranstalter mit zahlreichen Konkurrenzveranstaltungen zu kämpfen. Anders als früher, als nur das Jazz-Weekend und das Bürgerfest als große feste in der Altstadt zelebriert wurden, reiht sich heute eine Großveranstaltung an die andere. „Dem kann man nur mit einer hohen Attraktivität gegensteuern“, sagt Schörnig. „Jeder Tag auf der Dult muss ein ganz eigenes Event sein“, argumentiert er. Eine entscheidende Rolle komme dabei den beiden Festzeltbetreibern zu. Etabliert haben sich zum Beispiel die Dult-Familientage am Mittwoch, der „Mädels-abend“ am zweiten Dult-Donnerstag sowie die Seniorennachmittage, die immer montags stattfinden.

„Die Buden waren simpel zusammengezimmert und die Warendult sah aus wie ein Teppichbasar.“

Dr. Wolfgang Schörnig erinnert sich an die Dult-Anfänge

In wenigen Monaten geht Schörnig in den Ruhestand und erlebt zumindest als oberster Dult-Chef seine letzte Regensburger Dult. Viel Positives ist ihm in den 34 Jahren seines Wirkens hängengeblieben. Vor allem für die Dultbeschicker hat er ein Herz. „Die Schausteller sind ein ganz besonderer Menschenschlag. Sie können drei Tage bei Schnee und Regen durcharbeiten, halten in schweren Zeiten zusammen und pflegen unwahrscheinlich gut Freundschaften“, sagt Schörnig. Die Anfeindungen von damals sind längst vergessen. Viel mehr nimmt er die Dultbeschicker in ihrer Gesamtheit „wie eine große Familie“ wahr.

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