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Schlemmen

Dultschmankerl spannen das Hosenknöpferl

„Ein bisserl was geht immer“, sagt man, wenn man auf die Dult geht. Bei der MZ-Probier-Tour wurde es dann ein bisserl mehr.
Von Heinz Klein

  • MZ-Tester Heinz Klein gab sein Bestes. Foto: Froschhammer
  • Im Salami-Land bei Marius Zeitlhöfler Foto: Klein

Regensburg.Hendl, Schweinshaxn, Bratwürstl und danach das Gesicht voll papperter Zuckerwatte – das ist aber noch nicht alles. Über dieses Basic-Programm hinaus hat sich die Regensburger Dult kulinarisch weiterentwickelt. In zwei großen und mehreren kleineren Festzelten, drei Fischbratereien, diversen Schmankerlhütt’n, einem Bierdorf und einer Reihe Wurstbratereien und anderer Futterstände ist jede Menge Schlemmerei geboten. Genug jedenfalls, um den Hosenbund der Hirschledernen einem echten Stresstest zu unterziehen und das Dirndlschürzerl ein bisserl weiter zu binden.

Wir steigen beim Hahnzelt ein, das eine riesige Speisekarte bietet. Unser Augenmerk gilt dem g’rupftn Schweinernen, außerhalb Bayerns auch als pulled pork bezeichnet, das beinahe die Bratwurst aus der Semmel verdrängt hätte. Aber das herg’fieselte Fleisch will in eine speziell gelaugte und geröstete Burgersemmel und so darf die Normalsemmel der Bratwurst treu bleiben.

Der Pulled-Schäufele-Burger mit astronomisch guten Pommes. Foto: Klein
Der Pulled-Schäufele-Burger mit astronomisch guten Pommes. Foto: Klein

Zwölf Stunden muss das marinierte Fleisch bei 90 Grad garen, erzählt uns Philipp Keller. Weil der Küchenchef im Hahn-Zelt ein Franke ist, hat er auch einen Pulled Schäufele Burger entworfen. Alles noch mit einer Spezialsoße überzogen schmeckt es uns gut. Und astronomisch gut die selbst gemachten Pommes, auf Kartoffeläckern in Bach gewachsen und genau so gelagert, dass dabei fürs Pommesmachen in der Kartoffel nicht zuviel Stärke in Zucker umgewandelt wurde. Auch den Lachs gibt’s übrigens gepullt. Der muss aber nur eineinhalb Stunden bei 70 Grad schwitzen. Und ganz vegan preist sich ein Kartoffelstampf an, der durch eine Spaghettieis-Presse gedrückt mit Olivenöl und Röstzwiebel ganz „fluffig“ daherkommt.

Was wäre die Dult ohne Gräten?

Vegan und fein: Kartoffelstampf, durch die Spaghettieis-Maschine gedrückt. Foto: Klein
Vegan und fein: Kartoffelstampf, durch die Spaghettieis-Maschine gedrückt. Foto: Klein

Doch was wäre die Dult ohne Gräten. Also gibt’s einen Steckerlfisch. Die Forelle für gut 20 Euro ist aber für Zwei. Sie hat ein bisserl viel Salz gesehen, ist aber nach einer halben Stunde über Buchenholzhitze perfekt gegrillt: außen krachert und innen zart und saftig. Einzige Kritik: Für so viel Geld hätte man bei der Zitrone nicht so sparen brauchen und ein Zitronenviertel statt einem Zitronenachtel hinlegen können. Vielleicht war’s sogar nur ein Zitronensechszehntel. Die Forelle mag nämlich Zitrone. Und ich auch.

Was wäre die Dult ohne Gräten - und Steckerlfisch? Foto: Klein
Was wäre die Dult ohne Gräten - und Steckerlfisch? Foto: Klein

Wer übrigens ein bereits traumatisierter Grätenabstinenzler ist und Fisch in völliger Sicherheit vor Pieksereien essen will: in einer der drei Fischbratereien gibt’s auch Calamari. Und die Fischpflanzlsemmel bietet ja auch weitgehende Sicherheit.

Ein Video von dem kulinarischen Rundgang sehen Sie hier:

Ein kulinarischer Rundgang auf der Herstdult

Ein Blick ins Glöckl Zelt zeigt: Auch hier wird gepullt. Der Dry aged Beefburger und der Pulled Pork Burger werden ebenfalls flankiert von Pommes. Und am Grill drehen sich reihum die Dulthendl, die immer noch die unangefochtenen Renner in jedem Bierzelt. sind. Daneben lockt natürlich noch ein sattes Klassikerangebot.

Poffertjes: klein, süß, fein

Zwischendurch ganz was Nettes: ein Schälchen Poffertjes. Das Wort ist holländisch und das Poffertje ist ein Minipfannkuchen. Weil er so mini ist, gibt’s gleich zehn Stück im Schälchen aus Maisstärke und obendrauf verschiedene süße Sachen. Wir wählen Nutella und Raffaelo. Vanessa Kinzler gießt geschmolzene Schokolade drüber: göttlich! „Kinderschokolade schmeckt Erwachsenen ja vielleicht nicht mehr so gut, aber geschmolzen ist sie der Hammer“, sagt uns ein Poffertje-Experte. Das begeistere auch noch 90-Jährige.

Poffertjes - mit Schokolade übergossen: himmlisch Foto. Klein
Poffertjes - mit Schokolade übergossen: himmlisch Foto. Klein

Was seh’ ich da am nächsten Dultstand? Dreadlocks – drei Farben, drei Perlen, fünf Euro. Nein, Dreadlocks kann man nicht essen. Aber es gibt andre Locken, die man essen kann, fällt mir ein: Schillerlocken. Es sind Streifen vom Bauchlappen des Dornhais, die sich beim Räuchern einrollen. Schmeckt auch gut, ist aber aus der Mode gekommen. Und hätte auch keine Gräten.

Natürlich bleiben wir wie so viele Dultbesucher am Stand mit den glacierten Früchten hängen. Trauben, Erdbeere, Bananen, Ananas – überzogen mit Zartbitterschokolade oder beispielsweise belgischer Pralinenschokolade. Die Früchte sind ganz frisch und erst vor zwei Stunden mit Schokolade veredelt worden, versichert man uns. Wir essen die Leckerei nur noch mit den Augen. Mehr geht nicht.

Der Emmentaler vom Riesenlaib schmeckt gigantisch

Früchte in Schokolade: Glasierte Vitamine Foto: Klein
Früchte in Schokolade: Glasierte Vitamine Foto: Klein

Oder doch? Ein Scheiberl Käse vielleicht? An Monika Brechtels Schmankerl Hütt’n erliegen wir dem Käseduft. Der Emmentaler vom Riesenlaib schmeckt halt einfach doch viel besser als der aus dem Supermarkt. Schön gesalzen und gepfeffert gehört er zu den immer wieder aufs Neue bewährten Dultschmankerln. Daneben liegt noch der Bergkäse. Der ist geschmacklich aber nicht daneben. Würziger als der Emmentaler braucht er nicht mal Pfeffer und Salz.

Leserfotos von der Herbstdult 2018 sehen Sie hier:

Leserfotos von der Herbstdult 2018

Die ersten Lebkuchen sind in den Kaufhaus-Regalen schon aufgetaucht, aber das ist unanständig früh. Das Lebkuchenherzerl dagegen hat ganzjährig Saison, weil es nicht nur Geschmacksträger sondern auch ein Nachrichtenüberbringer ist. Das größte Herz trägt eine wichtige Botschaft, die da lautet: „Für meinen allerliebsten Schatz“. Das muss schon 40 Euro wert sein. Preiswerter die Anfrage: „Willst Du meine Frau werden?“ Dieses Herz kostet 20 Euro. Wenn die Angebetete ja sagt, kann man ja sofort das 40-Euro-Herz nachschieben und kriegt am Stand wahrscheinlich sogar Mengenrabatt.

„Geschüttelt, nicht gerührt“

„Wegen Überfüllung geschlossen“, sagt mein Magen. Also geht es ohne Kostprobe am Salamistand auf der Warendult vorbei. Ist aber schon ein Augenschmaus, was da von der Zeltdecke hängt: Wildschwein, Hirsch, Lamm, Rind mit Nüssen, Knoblauch, Rosmarin, Ingwer, Fenchel und mehr, zählt Marius Zeitlhöfler die Varianten auf. Er persönlich bevorzugt die Chilisalami mit einer süßen Paprika. Auch nicht schlecht.

Im Herzerl: Botschaften aller Art Foto: Klein
Im Herzerl: Botschaften aller Art Foto: Klein

Abschließend wird mir klar: Das magenfüllende Angebot ist auf dieser Dult bei weitem größer als das magenleerende. Als einzige wirklich teuflische Höllenmaschine, die in der Lage ist, den Benutzer so brutalen Zentrifugalkräften oder gar dem freien Fall auszusetzen, dass er freiwillig alles wieder hergibt, entdecke ich das Devil Rock. Mit all den feinen Sachen im Magen dort eingespannt und dann durch die Luft gewirbelt zu werden, wäre die Hölle.

„Geschüttelt, nicht gerührt“ würde James Bond da wieder eiskalt sagen. Mich aber schüttelt die Vorstellung und gerührt von den Schreckensschreien aus der Höllenmaschine gehe ich satt und zufrieden in die Redaktion.

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