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Polizei

Herbstdult mit Gewaltproblem

Es gab viermal mehr Prügeleien als 2017. Zwei Stadtamhofer Wirte sperrten lieber früher zu, als Bierzeltgäste zu empfangen.
Von Heike Haala

Die Polizei hatte viel zu tun bei der diesjährigen Herbstdult. Symbolfoto: Micha Matthes
Die Polizei hatte viel zu tun bei der diesjährigen Herbstdult. Symbolfoto: Micha Matthes

Regensburg.Alexander Irmisch-Hergert, Chef im Café Schierstadt und beim Verein Pro Stadtamhof, ist erleichtert: Die Herbstdult ist zu Ende. Irmisch-Hergert und sein Team haben auch angespannte Volksfest-Tage hinter sich, an denen sie nie so genau wussten, was sie am Ende des Abends erwartet, sobald die Zapfhähne in den Bierzelten ein paar Gehminuten vom Café entfernt zugedreht werden. Denn am Ende eines Dulttags wird es in Stadtamhof noch einmal laut. Viele Besucher machen noch einen Abstecher in eine der Stadtamhofer Kneipen – auch die aggressiven und grölenden schwarzen Schafe unter ihnen. Um Letzteren zu entgehen, entschied sich der Schierstadt-Wirt zu einem drastischen Schritt und sperrte das Lokal regelmäßig um 23 Uhr zu.

Damit ist er nicht der Einzige. Auch Michael Riebl, einer der Genossenschafter der „Klappe“, machte zur Dultzeit donnerstags, freitags und samstags um 23 Uhr Schicht, um sein Personal vor gewaltbereiten Dultbesuchern zu schützen. Der Grund dafür ist eine Auseinandersetzung, zu der es laut Riebl am Anfang der Herbstdult kam. Ein betrunkener Dultbesucher habe einen seiner Mitarbeiter krankenhausreif geschlagen. Der Musiker habe immer noch mit einem Hörschaden und Problemen am Handgelenk zu kämpfen, sagt Riebl. Zwar musste der Wirt durch seine Entscheidung, früher zu schließen, auch auf andere Gäste verzichten – der Schutz seines Personals war ihm aber jetzt wichtiger.

Ein Video zum Thema sehen Sie hier:

Dultbesucher nerven Anwohner und Wirte in Regensbu

Angespannte Stimmung

„Die Frage, wer danach noch alles bei uns einfällt, schwebte wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen“, sagt Irmisch-Hergert. Auch in seinem Lokal sei schon einmal ein Dultgast handgreiflich geworden und habe einen seiner Mitarbeiter gewürgt, nachdem der kein Bier mehr ausschenken wollte. „Das haben wir zur Anzeige gebracht“, sagt Irmisch-Hergert. Während der Dultzeit schlägt die Atmosphäre in Stadtamhof seiner Ansicht nach um. „Sonst ist es gemütlich und entspannt, zur Dult angespannt“, sagt der Schierstadt-Wirt. Das habe sich in den vergangenen 18 Jahren verschärft.

Diesen Eindruck bestätigt die Polizei zumindest für die vergangene Herbstdult. Die Bilanz der zuständigen Polizeiinspektion (PI) Regensburg Nord fällt negativ aus. „Von einer friedlichen Dult war heuer wenig erkennbar“, sagt Ludwig Stegerer, Leiter der PI. So nahmen die Polizisten der PI Nord 48 Straftaten im Zusammenhang mit der Dult auf. Das entspricht einer Steigerung von über 40 Prozent im Vergleich zur Herbstdult 2017. Damals gab es lediglich 25 Anzeigen. Als besonders auffällig bezeichnet die Polizei den Anstieg der Körperverletzungen. Diese Zahl vervierfachte sich im Vergleich zur Herbstdult 2017. Während es damals lediglich fünf Straftaten dieser Art gab, waren es diesmal 21. In fünf Fällen davon handelte es sich um eine gefährliche Körperverletzung.

Ein Video zur Dultbilanz sehen Sie hier:

Nach der Herbstdult - Polizei zieht negative Bilan

Oftmals waren auch die Polizeibeamten selbst Ziel dieser Gewalt. Andere mussten sich beleidigen und bespucken lassen. Auf die Frage, ob die Polizisten der PI Nord froh sind, dass die Dult vorbei ist, sagte Thomas Hasler: „Die Dult bedeutet für uns immer wieder einen großen Personaleinsatz. Es ist nicht schön, wenn es viele Straftaten gibt.“ Den Grund für die Entgleisungen sieht er im Alkohol. „Bei Straftaten auf der Dult sind die Täter selten nüchtern“, sagt Hasler und appelliert an die Festwirte, Betrunkenen nichts mehr auszuschenken.

Die Delikte im Überblick

  • Angezeigte Gesamtstraftaten:

    Heuer verzeichnete die Polizei 48 Straftaten auf der Dult. Auf der Herbstdult 2017 waren es 25. Laut Polizei werden oft noch im Nachgang der Dult vereinzelt Anzeigen erstattet, oftmals auch bei den jeweiligen Heimatinspektionen der Geschädigten erstattet.

  • Körperverletzungen:

    Insgesamt kam es auf der Herbstdult zu 21 Körperverletzungen, in fünf Fällen handelte es sich dabei sogar um eine gefährliche Körperverletzung. Zum Vergleich: Bei der Herbstdult 2017 waren es insgesamt nur fünf Körperverletzungen.

  • Diebstahlsdelikte:

    Die Zahl der angezeigten Diebstahldelikte blieb mit zwölf Fällen konstant zum Vorjahr. Zumeist ging es um Diebstähle von oder aus Handtaschen, Handys oder Jacken. Zudem wurde ein Fahrrad entwendet.

  • Sexuelle Belästigungen:

    Während die Polizei bei der Herbstdult 2017 zwei Fälle sexueller Belästigung verzeichnete, gab es in diesem Jahr keine Anzeige.

  • Sachbeschädigungen:

    Um drei Sachbeschädigungen (2017: zwei) mussten sich die Beamten bei dieser Herbstdult kümmern. Zweimal wurde ein geparktes Fahrzeug von einem Täter bzw. einer Tätergruppe im Umfeld der Dult mutwillig beschädigt. Zudem beschädigte ein Dultgast im Zuge einer Streitigkeit die Bluse einer Bedienung.

  • Beleidigungen:

    In insgesamt sechs Fällen wurden Polizeibeamte beleidigt (2017: null Fälle). Die Täter konnte jeweils identifiziert werden.

  • Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz:

    Im Umfeld der Dult und auf dem Dultgelände wurden drei Personen kontrolliert, die kleinere Mengen an Betäubungsmittel (Marihuana) mit sich führten. Im Vorjahr waren es genauso viele.

  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte:

    An den ersten beiden Dulttagen kam es zu zwei Widerstandshandlungen gegenüber Polizisten (2017: null). Ein Täter spuckte einer Polizeibeamtin mit Absicht ins Gesicht. Glücklicherweise wurde keiner der Beamten verletzt.

  • Verstoß gegen das Waffengesetz:

    Bei Personendurchsuchungen wurden zwei Einhandmesser aufgefunden, die verbotenerweise mitgeführt wurden. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei einen Verstoß gegen das Waffengesetz.

  • Trunkenheitsfahrten:

    Zwei Betrunkene wurden von der Polizei aus dem Verkehr gezogen (2017: fünf). Ein Radfahrer hatte nach dem Dultbesuch etwas zu viel Alkohol getrunken und war ohne Licht unterwegs. Ein Roller-Fahrer, der von der Dult wegfuhr, hatte über 0,5 Promille. Insgesamt sprach die Polizei 738 Verwarnungen an Verkehrsteilnehmer (2017: 605) aus, 32 Fahrzeuge (2017: 29) wurden abgeschleppt.

Stadt will alle Fälle aufarbeiten

Dr. Patrick Veit, Leiter des Ordnungsamts, sagt angesichts der Polizeibilanz: „Jede Straftat ist eine Straftat zu viel. Und auch die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber der Polizei und dem Kommunalen Ordnungsservice ist – nicht nur während der Dult – erschreckend.“ Auf die Frage, ob es notwendig ist, beim Sicherheitskonzept für das Volksfest nachzubessern, sagt Veit: „Wir werden den Austausch mit der Polizei suchen, um alle Einzelfälle aufzuarbeiten und daraus gegebenenfalls Maßnahmen für das Dultgelände und den umliegenden Bereich abzuleiten.“ Veit betont aber, dass der größte Teil der Besucher der Dult in seinen Augen friedlich und ausgelassen feiert.

Trotzdem krachte es auch am letzten Dulttag noch einmal ordentlich. Und zwar, als ein junger Mann mit einer Holzlatte auf ein Auto eindrosch. Wie die Polizei mitteilt, hatte der Fahrer des Autos den Angreifer zuvor zusammen mit zwei weiteren unbekannten Tätern just in dem Moment fotografiert, als einer von ihnen einem Securitymitarbeiter eine Flasche über den Kopf zog. Das Opfer kam ins Krankenhaus, die Polizei sucht mit den Fotos nach den Tätern.

Tragisch war auch der Todesfall eines 70-Jährigen, der auf der Dult zusammenbrach und dann verstarb, auch wenn dessen Tod nicht ursächlich mit der Dult zusammen hängt.

Impressionen vom Dult-Ausklang sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Das waren die letzten Tage auf der Herbstdult

Alles zur Herbstdult 2018 finden Sie in unserem MZ-Spezial.

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