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Fahrgeschäfte

Die rotierende Disco auf der Herbstdult

Der Musikexpress wurde 1969 gebaut und begeistert auch in Regensburg. Auf der Fahrt stehen 10 000 Musiktitel zur Auswahl.
Von Daniel Steffen, MZ

„Super. Die Fahrt macht Lust auf mehr“, beurteilten Annika Fuchs und Judith Kramer (vordere Reihe, v.l.) sowie Caroline Fuchs und Max Fröhlich (hintere Reihe) ihre Tour auf dem Musikexpress.
„Super. Die Fahrt macht Lust auf mehr“, beurteilten Annika Fuchs und Judith Kramer (vordere Reihe, v.l.) sowie Caroline Fuchs und Max Fröhlich (hintere Reihe) ihre Tour auf dem Musikexpress. Foto: Steffen

REGENSBURG. Gerade einmal 14 Pferdestärken haben die vier Starkstrommotoren zusammengerechnet. Und doch saust einem der Wind auf dem „Musikexpress“ kräftig um die Ohren. In Zeiten der Superlative, in der das Motto „Höher, schneller, weiter“ gilt, hält das Fahrgeschäft gegen alle Stürme stand. „Wir sind mit dem Musikexpress überall gern gesehen“, sagt Betreiber Michael Baier.

Michael Baier hat im Kassenhäuschen das Kommando. Foto: Steffen
Michael Baier hat im Kassenhäuschen das Kommando. Foto: Steffen

„Die Jugendlichen fahren hier genau so wie gern mit wie ältere Leute. Vor allem vom Familienpublikum werden wir gut angenommen“, sagt der gebürtige Bremer. 1979 hat sein Großvater das Themen-Fahrgeschäft gekauft, für damals 175 000 D-Mark. „Würde ich den Musikexpress heute verkaufen, dann würde ich gut eine halbe Million Euro dafür bekommen“, schätzt Baier. Aber das habe er beileibe nicht vor.

Techno – oder doch lieber AC/DC?

In seinen 20 Gondeln bietet der Musikexpress bis zu 60 Fahrgästen Platz. Für drei Euro ist der Fahrschein gelöst, rund dreieinhalb Minuten dauert eine Fahrt. Ab acht Jahren dürfen Kinder auch ohne Begleitung fahren. Durch einen Bügel sind sie geschützt.

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Der Name Musikexpress ist Programm. „Ich habe hier über 10 000 Titel zur Auswahl, die während der Fahrt spielen“, sagt Baier. So nimmt der Express die Passagiere mal bei Hardrock mit auf die Reise, mal wummert Techno-Musik aus den Boxen – und mal spielt Michael Baier die Charts rauf und runter. „Das hängt ganz vom Publikum ab.“

Stolz ist der Betreiber auf die etlichen Lichteffekte, die in den Musikexpress eingebaut sind. Viele der Lichter sind in der Mitte des Fahrgeschäfts positioniert und drehen sich auf der flotten Fahrt mit. Auf diese Weise werden alle Ecken ausgeleuchtet. Auch hat Baier sieben Beamer installiert, die sich schwungvoll bewegen. Zusätzlich flackert das grelle Licht der Stroboskope auf – ein echtes Disco-Feeling eben.

Das erste Herbstdult-Wochenende

„Ich bezweifle, ob es einen Club gibt, der auf so kleinem Raum so viele Lichter hat“, sagt Baier. Rechnet man zur Fahrbahn das „Drumherum“ samt der Gehfläche und dem Kassenhäuschen mit ein, dann misst das Fahrgeschäft 18 mal 18 Meter.

Aber was wäre eine Fahrt ohne Moderation? „Frei nach Schnauze“, wie Michael Baier sagt, heizt er den Fahrgästen durch das Mikrofon ein. „Einer geht noch, jetzt oder nieee“, hallt es durch den Raum. Ein Übriges tut die Sprachbox. Ein Knopfdruck genügt – und die Passagiere bekommen den Spruch „Voll goile Schüssel, Oider“ zu hören. Ein weiterer Knopfdruck erfolgt – und der Musikexpress gibt ein Flintstone-typisches „Jabadabadooo“ von sich. Michael Baier freut sich immer, wenn die Fahrgäste darauf anspringen. „Mir ist ein lebendiges Publikum, das richtig mitgeht, viel lieber“, sagt er.

Sehen Sie hier ein 360-Grad-Video von den Fahrgeschäften auf der Maidult 2016:

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Knallige Motive aus der Pop-Welt

Als echter Hingucker erweist sich die Fassade. Sie schmückt ein buntes Sammelsurium von fiktiven Motiven aus der Welt des Pop. „Die Airbrush-Arbeiten hat für uns Arthur Roth, ein sehr guter Künstler aus Erkelenz, gemacht“, erklärt Michel Baier. Weniger fiktiv ist ein Motiv von seiner Tochter Justine, die mit cooler Sonnenbrille den Fahrgästen entgegen lächelt.

Für die Sicherheit des Fahrgeschäfts verbürgt er sich. „Ich bin seit meiner Jugend mit dem Fahrgeschäft vertraut und nicht einmal hat es hier einen Unfall gegeben“, sagt Michael Baier. „Wir in Deutschland haben ohnehin den höchsten Standard an Sicherheit: durch den TÜV, das örtliche Bauamt, die Feuerwehr, die Polizei und so weiter.“ Allerdings ärgert er sich über den fehlenden Bestandschutz für ältere Fahrgeschäfte. „Den gibt‘s überall, nur hierzulande nicht“, sagt Baier. Der Bestandschutz garantiere, dass ein Karussell in seiner ursprünglichen Bauweise fort bestehen darf.

Aktuell wird sein Karussell vom TÜV neu berechnet, statt bisher 75 auf 100 Kilogramm pro Person. „Das kann für uns sehr teuer werden“, befürchtet Baier. „Bis das Ergebnis kommt, sind wir in der Schwebe. Vielleicht müssen wir den Betrieb sogar einstellen.“ Und das, obwohl der Musikexpress „immer schadensfrei gelaufen“ sei.

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