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MZ-Kinderwald

Eigener Nussbaum in Regensburg

Zum Tag des Baumes bekamen 26 Kinder am Sallerner Berg eine Kaiserlinde oder einen Ahorn geschenkt. Auch eine kleine Berlinerin hat jetzt hier Wurzeln.
Von Claudia Böken, MZ

Regensburg.“Liebe Lotte im fernen Berlin. Ich freue mich sehr darauf, mit dir die Nüsse unter deinem Baum zu sammeln und einen guten Kuchen daraus zu backen“, schrieb Opa Ulli Lenz an seine kleine Enkeltochter. Ein paar Jahre wird sie noch warten müssen, bis der momentan etwa armstarke Baum erwachsen genug ist, um Früchte zu tragen, aber Lotte ist ja selbst noch ein Baby. Sie bekam die Baumhasel, die bis zu 25 Meter hoch werden kann, zur Geburt geschenkt. Wann immer sie in ihrem späteren Leben nach Regensburg kommen wird, kann sie ihre „Wurzeln“ besuchen: Den Baum im MZ-Kinderwald am Sallerner Berg, der ein Herz mit ihrem Namen trägt.

Im Rahmen eines großen Pflanzfestes für die ganze Familie erhielten am „Tag des Baumes“ 26 Kinder und eine Ehefrau einen eigenen Baum. Zum vierten Mal fand am Samstag ab 11 Uhr am Sallerner Berg unweit der Jugendfarm die Aktion „Kinderwald“ statt, die die Mittelbayerische Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Stadtgartenamt, unterstützt von Bellandris Haubensak, durchführt. 120 Bäume stehen jetzt bereits auf diesem Gelände der Stadt Regensburg und sollen ihre Besitzer ein Leben lang begleiten.

Nikolas Hau (9) bekam seinen Baum von Opa Erich und Oma Traudl zur Erstkommunion geschenkt. Gemeinsam hatten sie sich für eine Kaiserlinde entschieden, obwohl Nikolas eigentlich alle Bäume schön findet. Eine „Superidee“ findet Erich Hau die Kinderwald-Aktion, die übrigens aus einer Schülerinitiative hervorgegangen ist: 2007 rief sie der damals neunjährige Felix Finkbeiner aus Starnberg ins Leben. Er hatte angesichts des drohenden Klimawandels die Idee, dass Kinder in allen Ländern Bäume pflanzen sollten. „Deine Lebenswurzeln sollen so fest verankert sein wie die Wurzeln des von dir gepflanzten Baums“, wünschten Opa und Oma Hau ihrem ältesten Enkel.

„Weil es dich gibt“

Die Schauspielerin Meike Fabian pflanzte einen Spitzahorn für ihren vier Monate alten Sohn Janosch und dessen großen Bruder Lenni. Bernhard Haschke und seine Frau widmeten ihrer Tochter Amelie eine Baumhasel. Der Anlass: „Einfach so, weil sie da ist.“

Oberbürgermeister Hans Schaidinger, der die Schirmherrschaft für das Pflanzfest hatte, erinnerte pünktlich um 11 Uhr in seiner Ansprache daran, dass der Tag des Baumes eine mehr als 150-jährige Geschichte habe. Damals habe sich der amerikanische Journalist Julius Sterling Morton in einer baumlosen Gegend in Nebraska niedergelassen und Bäume gepflanzt, um den Boden fruchtbar zu machen. Aufgrund seines Erfolgs habe er bei der Regierung beantragt, jährlich einen Tag des Baumes durchzuführen. Am 10. April 1872 habe erstmals ein Tag des Baumes in Nebraska stattgefunden, innerhalb der nächsten 20 Jahre folgten auch alle anderen Bundesstaaten dem Vorbild. 1951 führten die Vereinten Nationen den Tag des Baumes ein, der in Regensburg bereits am 26. April 1951 im Stadtpark erstmals begangen wurde.

Nur 1964 fiel der Tag in Regensburg aus, erinnerte der OB: Damals sei das Wetter im Frühjahr noch schlechter gewesen als in diesem Jahr, die Frostperiode habe bis Ende April angehalten. In Regensburg gebe es übrigens auf städtischem Grund etwa 200.000 Bäume, die vom Stadtgartenamt gepflegt werden. Jährlich würden mehrere 100 neu gepflanzt, allerdings müssten auch immer wieder Bäume gefällt werden.

Seit 2010 findet jährlich die Aktion der Mittelbayerischen Zeitung „Kinderwald“ statt. Für 200 Euro können Baumpaten bei Bellandris Haubensak einen Baum im Wert von 700 Euro kaufen, der vom Stadtgartenamt auf dem Gelände am Sallerner Berg Nord gepflanzt wird. Die Spender sind meist Eltern, Großeltern oder Paten, die den Baum einem Kind zur Geburt, zur Taufe, zum Geburtstag, zur Erstkommunion oder zum ersten Schultag schenken. Für den Empfänger gibt es einen Lageplan, in dem der genaue Standort des Baumes eingetragen ist, eine Urkunde, dass er der Eigentümer ist, sowie zwei Tonherzen mit dem Namen des Kindes, von denen eines am Baum befestigt wird.

Drei Baumsorten zur Wahl

Damit der Mittelbayerische Kinderwald abwechslungsreich wird, stehen jedes Jahr andere Baumarten zur Auswahl. Diesmal waren es Spitzahorn, Kaiserlinde und Baumhasel – jeweils etwa zehn Jahre alt und fünf Meter hoch. Planungsreferentin Christine Schimpfermann erklärte die verschiedenen Baumarten, die die Kinder ein Leben lang begleiten werden. Allen, die sich über das Wachsen und Gedeihen des Kinderwaldes so freuen, gab sie mit auf den Weg, dass das Stadtgartenamt häufig von Bürgern angerufen werde mit der Bitte, einen Baum zu fällen oder wenigstens zu beschneiden. Vor allem Nachbarn sähen es oft gar nicht gern, wenn im Herbst Laub auf ihr Grundstück falle. Ihre Bitte: „Gehen Sie mit den Bäumen in Ihrer Nachbarschaft nicht so streng ins Gericht.“

Melanie Emmerl und Kerstin Dinauer vom MZ-Lesermarkt hatten das Fest, zu dem etwa 200 Personen kamen, vorbereitet und sorgten dafür, dass die kleinen und großen Gäste mit den traditionellen Kinderwald-Äpfeln, mit Stockbrot und Getränken versorgt wurden. Dass das Wetter nicht ganz so schön wie erhofft war, tat dem Spaß der Kinder keinen Abbruch. Sie konnten auf dem Gelände am Sallerner Berg-Nord nach Herzenslust herumtollen und kamen bei Spielen mit Clown Stephan Zenger und einer Kinderschminkaktion voll auf ihre Kosten.

Für den musikalischen Rahmen der Pflanzaktion sorgten die Hans-Herrmann-Grundschule unter Petra Baumgartner, die Domspatzen-Grundschule unter der Leitung von Thomas Gleißner und die Akustik-Band „Furchtbar Schee“. Die kleinen Domspatzen haben übrigens im MZ-Kinderwald jetzt auch einen Baum. Der wurde gepflanzt anlässlich des Umzugs in die Reichsstraße. Dass man einen Baum im Kinderwald auch einem Erwachsenen schenken kann, bewies Sportmoderator Armin Wolf. Er widmete seiner Frau Alexandra eine Kaiserlinde als Dank für die glückliche Ehe.

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