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Kirche

Fahnenweihe mit Benedikt

Der emeritierte Papst empfing eine Regensburger Pilgergruppe unter Leitung von Uschi Michalke in Mater Ecclesiae, im Garten des Vatikans.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Zwei Ruperten: Benedikt XVI. und Fahnenträger Martin Roloff. Prälat Wachter sucht den Schatten der Fahne der Hospitalité´. .Foto: Michalke
  • Der Heilige Vater begrüßt Uschi Michalke. Dr. Gänswein freut sich. Der Kurienerzbischof hält das Weihwasser für die Fahnenweihe bereit.Foto: Michalke
  • Werner Wydra (links) trug die Fahne der Hospitalité, die geweiht wurde. Foto: Michalke

regensburg/Rom. Weil sich der Papst im Ruhestand kaum noch der Öffentlichkeit zeigt, war es bemerkenswert, dass er in seinem neuen Wohnsitz Mater Ecclesiae (Mutter der Kirche) Besuch empfing. Aber für Gäste aus seiner bayerischen Heimat machte er am Sonntag eine Ausnahme.

„Schön, dass ihr da seid“, begrüßte ein blendend aussehender und sichtlich erholter Heiliger Vater in weißem Talar und braunglänzenden Schuhen die Pilgergruppe der Marianischen Frauenkongregation Regensburg und der deutschen Hospitalité de Notre Dame de Lourdes. Mit jedem der 25 Gäste sprach der Heilige Vater persönlich. Einer davon, Prälat Heinrich Wachter, hatte sich zuvor enttäuscht über den Schritt des ersten Landsmanns auf dem Stuhle Petri gezeigt. „Da hamma as erste Mal einen Bayern in Rom und dann halt er ned her.“

Benedikt: „Lass ma’s guad sei“

Prälat Heinrich Wachter ist noch nicht drüber weg und hatte diesmal mit sich gekämpft. Er gab dann doch den schönen Termin im Nato-Hauptquartier zugunsten der Pilgerfahrt zum Marianischen Tag in Rom auf. „Ich war schon fünf Mal bei ihm zum Essen bisher“, sagte Wachter zur MZ. Aber für den Prälaten war es das erste Mal nach dem spektakulären Rücktritt am Rosenmontag, dass er dem resignierten Pontifex in Mater Ecclesiae quasi machtfrei begegnete.

Wachter hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. „Sie waar’n uns scho liaba gwesen, Heiliger Vater“, sagte der Stiftsdekan von St. Johann. Der emeritierte Papst lächelte und antwortete auf gut bayerisch: „Lass ma’s guad sei.“ Den Wortlaut bezeugt Uschi Michalke, die unmittelbar daneben stand. Heinrich Wachter hörte etwas anderes, das in seinen Ohren klang wie „Wird scho wieda werd’n.“

Frauenkongregation als Patenverein

Die Pilgergruppe kam nicht „zum Kaffeetrinken“, wie die weltliche Reiseleiterin und Präsidentin der Regensburger Theaterfreunde, Uschi Michalke betont. „Wir kamen als Patenverein zu einer Fahnenweihe.“

Es war die erste Fahnenweihe in Mater Ecclesiae. Das ehemalige Kloster ist jetzt zu einer Art italienischer Landhaus-Villa umgebaut. Es liegt oberhalb des Einkaufszentrums im ehemaligen Bahnhofsgebäude und des Regierungssitzes auf der südwestlichen Hinterseite des Petersdoms, genau im Herzen der im 13. Jahrhundert angelegten Natur-Oase der vatikanischen Gärten. Dort, wo der Verkehrslärm von jenseits der Mauern nur noch bei ungünstigem Wind zu hören ist, bewohnt der 86-jährige emeritierte Pontifex Parterre, erster Stock und Dachgeschoss. Es ist auch Platz, wenn sein Bruder Georg kommt. Der Domkapellmeister hat den August bei ihm verbracht, er wird ihn an Allerseelen wieder besuchen. Die Ratzingerbrüder werden von vier Schwestern versorgt.

Marienrose von Lourdes

Der Heilige Vater hatte sich bereit erklärt, die Standarte der Deutschen Hospitalité de Notre Dame de Lourdes zu weihen. Die Deutsche Hospitalité ist die Koordinationsstelle für die deutschsprachigen freiwilligen Helfer in Lourdes und wird geleitet von Baronin Adelheid Freifrau von Gemmingen-Hornberg. Die beiden Präsidentinnen Michalke und von Gemmingen hatten sich, wie es sich gehört, den schwarzen Schleier umgelegt und kamen nicht ohne Gastgeschenk: Sie überreichten eine gelbe englische Duftrose, die auf den Namen der Jungfrau von Lourdes getauft ist und im Stiftland gezüchtet wird. Sie wird im Garten des Heiligen Vaters Wurzeln schlagen. Per Mail teilte Kurienerzbischof Dr. Georg Gänswein Uschi Michalke bereits mit, dass sie eingepflanzt ist. Der Präfekt des Päpstlichen Hauses ist weiter einer von Benedikts Privatsekretären.

Als Standartenträger hatte sich Uschi Michalke zwei kräftige Männer ausgesucht. Ihr Cousin Werner Wydra, Mitglied der Hospitalité und Schatzmeister der Theaterfreunde Regensburg sowie ihr Patenkind Martin Roloff, Mitglied der Jungen Union, alter Herr der Burschenschaft Rupertia (wie der Heilige Vater) und angehender Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Roloff hatte das Geheimprojekt der Fahnenweihe im Vatikan bekannt gemacht, als er das Foto in Facebook postete. Kommentar eines Users: „Ein Moment fürs Leben.“

An einem Tag zwei Päpste gesehen

Ausgeschrieben war die Reise aber nicht als Promi-Fahnenweihe beim Heiligen Vater, sondern als Pilgerfahrt zum Marianischen Tag in Rom. So saßen nur die Beter im Dechantbus nach Rom. Uschi Michalke hatte in ihrem Handtäschchen die persönliche Einladung des päpstlichen Werkes für Neuevangelisation und durfte beim Gottesdienst in der „prima fila“ vor der Muttergottes von Fatima knien, die extra für den marianischen Tag aus Portugal eingeflogen worden war. 250 000 Gläubige aus der ganzen Welt füllten den Petersplatz. Am Ende des Tages war Uschi Michalke glücklich. „Wann hat man das: An einem Tag zwei Päpste sehen? Und das im Jahr des Glaubens, das noch Benedikt XVI. ausgerufen hatte und am Marianischen Tag!“ Die Freundin des Theaters fühlt sich von der Muttergottes reich beschenkt.

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