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MZ-Aktion

Hier geht’s zur Fahrradstadt

Regensburg braucht eine Verkehrswende. Der MZ-Themenschwerpunkt „Fahr Rad!“ zeigt, wie das Umsteigen gelingen kann.
Von Claudia Bockholt

Lastenräder wie hier auf dem Haidplatz gehören bereits zum Regensburger Stadtbild. Auf den Radwegen wird es für sie aber häufig sehr eng. Foto: Bockholt
Lastenräder wie hier auf dem Haidplatz gehören bereits zum Regensburger Stadtbild. Auf den Radwegen wird es für sie aber häufig sehr eng. Foto: Bockholt

Regensburg.Fast 75 Millionen Fahrräder stehen in Deutschlands Kellern, Garagen, Hauseingängen. Doch nur etwa jeder zehnte Radbesitzer in Deutschland nutzt sein Rad im Alltag. Der Grund: Angst. Die „Sonntagsradler“ fühlen sich im Straßenverkehr unsicher. Die Unfallstatistik gibt ihnen auf den ersten Blick Recht, auch in Regensburg: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern stieg 2018 im Stadtgebiet um 21,7 Prozent, die Zahl der Verletzten um 15,7 Prozent auf 368.

Um die Sonntagsradler wird die Stadt werben müssen. Denn Regensburg will den Anteil der Radfahrer am Verkehr bis 2030 auf 25 Prozent steigern. 2018 lag er bei 20 Prozent. So hoch war der Wert, vielleicht begünstigt durch den langen warmen Sommer, zuvor noch nie. Die Stadt ist stolz darauf, zwischen 2014 und 2022 über 17 Millionen Euro in den Radverkehr zu investieren.

Auch die IHK sagt: Mehr Rad!

Viele Reporter der Mittelbayerischen kennen die Herausforderungen sehr gut. Sie sind selbst täglich mit dem Rad in Regensburg unterwegs. Foto: Lex
Viele Reporter der Mittelbayerischen kennen die Herausforderungen sehr gut. Sie sind selbst täglich mit dem Rad in Regensburg unterwegs. Foto: Lex

Kritischen Gegenwind wegen der Versäumnisse der Vergangenheit, aber auch Rückenwind für ein Umsteuern in der Mobilitätsplanung bekommt die Stadt ganz aktuell von der regionalen Wirtschaft. Viele kleine und größere Unternehmen vor Ort blicken mit Sorge auf die Entwicklung des Verkehrs. Die Industrie- und Handelskammer Regensburg legte vergangene Woche die Ergebnisse einer groß angelegten Umfrage unter ihren Mitgliedsbetrieben vor. „Mobilität im Großraum Regensburg“ zeigt deutlich auf, dass die Wirtschaft eher eine Verschlechterung der Situation und steigenden Verkehrsdruck im Ballungsraum erwartet. Bei der Frage „Welche Maßnahmen bezüglich alternativer Mobilitätsformen sind aus ihrer Sicht sinnvoll“ setzt fast jeder zweite Betrieb vor allem anderen auf den Ausbau der Radwege (47 Prozent). Diese Alternative wird in der Umfrage noch vor kostenlosem ÖPNV (42 Prozent) und einer Stadtbahn mit Schienenverbindung in den Landkreis (43 Prozent) genannt.

„Fahr Rad! - Regensburg auf dem Weg zur Fahrradstadt“

  • Unser Schwerpunkt Radfahren:

    Vom 2. bis 16. Oktober beleuchtet die Mittelbayerische intensiv die Situation der Radler in Regensburg. Täglich lautet das Motto: „Fahr Rad! – Regensburg auf dem Weg zur Fahrradstadt“.

  • Mitmachen:

    Unser Leser sind gefragt. Machen Sie mit bei unserer Online-Umfrage unter www.mittelbayerische.de/fahrrad. Oder schreiben Sie uns Ihren Ärger, Ihre Wünsche, Lob und Anregungen: leserbriefe@mittelbayerische.de

  • Unser nächstes Thema:

    War es richtig, die Altstadt für Radler zu öffnen? Am Freitag, 4. Oktober, lesen Sie ein „Pro & Contra“ zu dieser seit Jahren heftig umstrittenen Regelung. Beide Seiten haben gute Argumente.

Die Wirtschaft drückt aufs Gas

Die IHK macht deutlich, dass die Planungsprozesse in Stadt und Landkreis zu langsam laufen, dass jetzt die Weichen für eine Zukunft gestellt werden müssen, in der der Großraum Regensburg nicht im Verkehr erstickt. „Das soll keine Gegenbewegung sein“, macht IHK-Geschäftsführer Dr. Jürgen Helmes deutlich. „Man muss gemeinsam Lösungen finden.“

Die aktuelle Klima- und Schadstoffdebatte bringt weitere Dringlichkeit in das Thema. Ganz aktuell: An der Nibelungenbrücke muss die Stadt wegen zu hoher Schadstoffbelastung auf Tempo 30 drosseln. Wer Emissionen reduzieren, der Gesundheit der Anwohner – und der Verkehrsteilnehmer – etwas Gutes tun will, tut gut daran, den Radverkehr zu fördern.

Fahr Rad!

Regensburg nur „mittelprächtig“

Ganz wichtig dabei sei, sich „ehrgeizige Ziele“ zu setzen, sagt der Verkehrsexperte und deutsche „Fahrradpapst“ Prof. Heiner Monheim. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für lebenswertere Städte, besseren öffentlichen Verkehr und innovative Verkehrspolitik. Monheim hat gemeinsam mit der Redaktion der Mittelbayerischen eine Bestandsaufnahme der Situation in Regensburg gemacht. Sein Urteil lautet: „mittelprächtig“. Das nötige Problembewusstsein sei an einigen Stellen vorhanden, nur hapere es an der Umsetzung. In der Hauptstadt der Oberpfalz liege der Primat der Politik, wie fast überall, noch immer beim Autoverkehr.

Verkehr

Bestandsaufnahme: Radeln in Regensburg

Wo kommen Radfahrer gut voran, wo holpert es noch? So urteilt „Radlpapst“ Heiner Monheim nach einer Tour durch Regensburg.

Mit Klein-Klein wird es nichts

Wer eine Verkehrswende hinbekommen will, sagt Monheim, darf sich nicht im Klein-Klein verlieren. Die kürzlich von der Stadt ausgewiesenen zwei Fahrradstraßen beispielsweise hätten nicht mehr als eine Alibifunktion: „Regensburg braucht 1000 Fahrradstraßen, denn Verkehr funktioniert in Netzen“. Bewachte Radstationen, Spinde und Duschen für Radpendler in den Betrieben, breite Radwege, auf denen genug Platz ist für Lastenräder und unterschiedlich schnelle Radler. Auch „Radschleusen“, die Umwege ersparen und direktes Linksabbiegen an Kreuzungen ermöglicht: Mit solchen und weiteren Maßnahmen sollte es kein Problem sein, den Radverkehrsanteil auf 30 Prozent zu bringen, sagt Monheim. Dafür braucht es klaren politischen Willen – und etwas Mut. „Alles, was wir neu machen, muss mit einem Paukenschlag anfangen.“

In eigener Sache

MZ-Umfrage: Fahrradfahren in Regensburg

Regensburg will fahrradfreundlicher werden. Wir haben mit einer digitalen Umfrage die Bestandsaufnahme gemacht.

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