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Regensburg ist jetzt fahrradfreundlich

Nach acht Jahren Anlauf hat es die Stadt geschafft: Die Bewertungskommission empfiehlt die Kommune für die Auszeichnung.
Von Julia Ried

Die drei Prüfer (links) auf ihrer Bewertungsfahrt durch die Stadt Foto: Julia Ried
Die drei Prüfer (links) auf ihrer Bewertungsfahrt durch die Stadt Foto: Julia Ried

Regensburg.Das Sackgassen-Schild in der Hemauer Straße passte dem Herrn vom Verkehrsministerium nicht. Das Verkehrszeichen, das auch signalisiert, dass Radler hier trotzdem durchkommen, ist veraltet und damit falsch. Das monierte Martin Singer als einer der drei Prüfer, die Regensburg am Dienstag bei einer zweieinhalbstündigen Tour auf seine Fahrradfreundlichkeit testeten. Auch bemängelten er und seine Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), dass die Stadt Fahrradverbindungen schlecht ausschildere. Doch insgesamt hatten die Prüfer mehr Lob für die Stadt als Kritik. Am Ende lautete ihr Urteil: Regensburg hat bestanden.

Sarah Guttenberger von der AGFK sagte nach der Jury-Sitzung im Marina-Forum: „Insgesamt sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass das Engagement bemerkbar ist, und wir möchten dem Verkehrsminister empfehlen, Sie als fahrradfreundlich auszuzeichnen.“ SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer entgegnete erfreut: „Einen Paradigmenwechsel einzuleiten war uns ein Anliegen.“ Die Stadt bekommt das Zertifikat nach acht Jahren Anlauf: Sie war 2011 Gründungsmitglied der AGFK Bayern. 2013 hatte eine Kommission die Stadt erstmals begutachtet und ihr Hausaufgaben auf den Weg gegeben. Planungsreferentin Christine Schimpfermann erklärte: „Seit 2015, 2016 haben wir signalisiert: Wir sind soweit.“ Dann habe es gedauert, bis der Termin mit den Prüfern zustande kam.

Weitere Bilder von der Bewertungstour sehen Sie hier.

Fahrradfreundliche Stadt: Die Bewertungstour

25 Prozent Radverkehr

In der Zeit allerdings konnte die Stadt Pluspunkte sammeln in Sachen Fahrradfreundlichkeit. „Es wurden einige wichtige Beschlüsse gefasst“, hob AGFK-Geschäftsführerin Guttenberger hervor. So wolle die Stadt den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2030 von 19 auf 25 Prozent steigern. „Seit der Vorbereisung hat sich auch in Sachen Personal einiges getan.“ Mit Thomas Großmüller hat die Stadt inzwischen einen „Nahmobilitätskoordinator“. „Sehr positiv“ sei den Prüfern aufgefallen, wie groß Großmüllers Budget für Öffentlichkeitsarbeit ist – allein 23 000 Euro waren es 2019. Beeindruckt war die Bewertungskommission vom Ergebnis der Lastenrad-Förderung. „Wir waren noch in keiner Kommune, wo wir so viele Lastenräder gesehen haben“, sagte Guttenberger. „Auch die Freigabe der Altstadt für den Radverkehr hat uns gut gefallen.“ Das geplante Fahrradverleihsystem und die Öffnung der Einbahnstraßen für Radler begrüße die Jury ebenfalls. Guttenberger lobte auch, dass sich die Stadt mit der Frage auseinandersetze, wie sie die Zahl der Abbiegeunfälle reduzieren könne.

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Prüfer: „Einige Schwachstellen“

„Nichtsdestotrotz haben wir auch einige Schwachstellen identifiziert“, sagte Guttenberger. „Ein sehr großes Anliegen“ sei den Prüfern, dass die Stadt 2020 etwas für die „wegweisende Beschilderung“ tue, das gelte sowohl für Alltagsrouten als auch für touristische Wege. „Dann sollte das Radverkehrskonzept fortgeschrieben werden“, fuhr Guttenberger fort. Es stammt aus dem Jahr 2012. Darüber hinaus solle sich die Stadt um mehrere Kleinigkeiten kümmern, etwa vereinzelt die Verkehrszeichen überprüfen und Furten für Fahrradfahrer und Überleitungen von Radwegen auf die Fahrbahn mit Piktogrammen besser kennzeichnen. Während der Tour hatte Klaus Helgert vom ADFC auch die Verkehrsführung an der Baustelle in der Kirchmeierstraße bemängelt, wo die Radler auf den Radweg auf der eigentlich falschen Straßenseite geschickt werden.

Großmüller hatte den Prüfern Vorzeigeprojekte präsentiert, etwa das verkehrsberuhigte Areal rund um das Kolpinghaus samt Umweltspur für Busse und Radler. Den neuen Regentalradweg, der unter der Frankenbrücke hindurchführt und den das Wasserwirtschaftsamt bis Ende 2019 ganz fertigstellt, befuhr die Bewertungsgruppe ebenfalls. Aber auch Problemstellen wie den verkehrsreichen Platz der Einheit oder den Hochweg im Westen, wo die Stadt die Benutzungspflicht für den Radweg aufgehoben hat, präsentierte Großmüller. Verkehrsexperten der Verwaltung, Stadträtinnen von SPD, Grünen, Freien Wählern und ÖDP, Hermann Hirsch von der Polizei und die Radaktivisten Dr. Klaus Wörle und Wolfgang Bogie begleiteten die Tour.

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Fahrradfreundliche Kommunen

  • Ziel:

    Die „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“ (AGFK) will den Radverkehr fördern, insbesondere in der Nahmobilität, und damit die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden erhöhen. In den Aufnahmekriterien heißt es: „Das Nahmobilitäts-Verhalten wird zum einen über Infrastrukturmaßnahmen, zum anderen aber auch durch engagierte Kommunikation und gemeinsame Werbekampagnen beeinflusst.“ Die AGFK unterstützt die Kommunen dabei.

  • Kriterien:

    Fahrradfreundliche Kommunen müssen zwingend vorweisen: eine politische Grundsatzentscheidung, organisatorische Vorkehrungen, ein Radverkehrskonzept samt Netzplan, eine politische Zielvorgabe zur Anhebung des Radverkehrsanteils, Kooperation mit den Nachbar-Gebieten, die Bereitschaft zur Mitarbeit in der AGFK, einen Winterdienstplan und die Berücksichtigung des Radverkehrs beim Baustellenmanagement sowie Internet-Informationen zum Radverkehr.

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