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Verkehr

Für eine Stadtbahn, die sich rechnet

Auch Frank Steinwede, Betriebsleiter RVB, sprach sich für einen schienengebundenen Verkehr aus. Dafür gab es Applaus.
Von Fridolin Dorwarth, MZ

Ideen für einen hochwertigen ÖPNV entwickelten (von links): Bürgermeister Jürgen Huber, Guido Herrmann (Faszination Altstadt), Moderator Dr. Carsten Lenk (EBW), Prof. Walter Weber, Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg und Frank Steinwede, Betriebsleiter RVB.
Ideen für einen hochwertigen ÖPNV entwickelten (von links): Bürgermeister Jürgen Huber, Guido Herrmann (Faszination Altstadt), Moderator Dr. Carsten Lenk (EBW), Prof. Walter Weber, Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg und Frank Steinwede, Betriebsleiter RVB. Foto: Dorwarth

Regensburg.Im Turmtheater haben sich am Mittwochabend Befürworter einer Stadtbahn mit Vertretern der Politik und der Stadtgesellschaft zu einer Podiumsdiskussion getroffen.

Die Diskussion sollte den Schlusspunkt der Veranstaltungsreihe des Evangelischen Erwachsenenbildungswerk (EBW) markieren. Unter dem Titel „Eine Stadtbahn für Regensburg – Ideen für einen hochwertigen ÖPNV in unserer Stadt“ hatten die Veranstalter eingeladen, sich mit den Themen Stadtbahn und hochwertigem ÖPNV auseinanderzusetzen.

Für die Gäste der Podiumsdiskussion im voll besetzten Turmtheater war überwiegend klar, dass Regensburg eine Stadtbahn brauche. Professor Walter Weber, Koordinator des „Bündnisses für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg“, lenkte den Blick zu Beginn der Diskussion auf den derzeitigen Stand der Verkehrspolitik der Domstadt. Vielfach sei von Straßenausbau und neuen Brücken die Rede. „Es wird von einem Verkehrschaos gesprochen“, meinte Weber. In Regensburg würden lediglich 13 Prozent des gesamten Verkehrs durch die Busse bewältigt, andere Städte kämen auf Werte bis zu 30 Prozent, bemerkte der Stadtbahn-Befürworter.

Die Ulmer lieben ihre Straßenbahn

Bürgermeister Jürgen Huber appellierte an die Anwesenden, das Ergebnis der von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie abzuwarten. Unabhängig von den Ergebnissen der Studie sei es ihm ein Anliegen, eine deutliche Verbesserung zu erreichen. Diese forderte auch Guido Herrmann vom Verein „Faszination Altstadt e.V.“: „Manche Verkehrsträger haben ihre Kapazitäten überschritten“, gab er zu bedenken und machte auf die gute Erreichbarkeit der Altstadt aufmerksam, die für die Altstadthändler wichtig sei. Für Herrmann, der Geschäftsführer des Galeria Kaufhof in der Altstadt ist, habe der Austausch mit Kollegen aus Städten wie Ulm gezeigt, dass die Akzeptanz der dortigen Stadtbahn sehr hoch sei. Er hielt ein Plädoyer für eine Stadtbahn, die zusätzliche Aufenthaltsqualität, Urbanität und höhere Beförderungszahlen mit sich bringe.

Frank Steinwede, Betriebsleiter der Regensburger Verkehrsbetriebe, stellte klar, dass ein „Quantensprung“ bereits mit dem derzeitigen Bussystem erreicht werden könne. Die Busse bräuchten dafür zusätzliche Spuren und insgesamt müsse der Autoverkehr reduziert werden, damit die Pünktlichkeit erhöht werden könne, sagte er. Dennoch erhielt Steinwede Applaus, als er sich für eine schienengebundene Lösung aussprach. „Wir wollen eine Stadtbahn, die sich rechnet. Das wäre schön, wenn man das Problem über Parteigrenzen hinweg löst“.

Gegen Gratis-Parkplätze in der City

Ein Zuhörer aus dem Publikum fragte im zweiten Teil der Diskussion, ob es einer Welterbestadt würdig sei, dass es viele kostenlose Parkplätze mitten in der Altstadt gebe. Frank Steinwede schloss sich diesem Punkt an und forderte, dass über eine Parkraumbewirtschaftung nachgedacht werde. Oftmals führe die Parkplatzsuche in der Altstadt zu weiterem Verkehr.

Einig waren sich die Diskutierenden, dass der Aufbau eines Stadtbahnsystems ein komplexes Unterfangen sei. Auch die Kostenfrage müsse geklärt werden. Für Bürgermeister Jürgen Huber war auch klar, dass das Verkehrsproblem nur über mehrere unterschiedliche Verkehrsträger wie ÖPNV, Car-Sharing, Fahrrad oder die Förderung der Fußgänger zu lösen sei. Er rief zu einer differenzierten Debatte auf und stellte klar, dass es eine klassische Straßenbahn ohne Anbindung an das vorhandene Schienennetz nicht geben werde. „Es macht sich keiner eine Vorstellung, was es bedeutet eine Oberleitung zu montieren“, sagte Huber im Hinblick auf den Aufwand beim Bau einer Stadtbahn.

Für Professor Walter Weber sei der Fahrkomfort einer schienengebundenen Lösung nicht mit einem Bussystem zu vergleichen. Wachstumsraten von 85 Prozent in der Fahrgastbeförderung nach der Umstellung auf ein Stadtbahnsystem, seien für ihn ein Grund, das System in Regensburg einzuführen. Für Weber handelten die Stadtratsfraktionen zu indifferent und abwartend. Bürgermeister Jürgen Huber lobte das Engagement der Stadtbahn-Befürworter, machte aber auch deutlich, dass die richtige Entscheidung gemeinsam mit den Bürgern und den Koalitionspartnern getroffen werden müsse.

Gutachten ist ergebnisoffen

  • Zuletzt wurde

    2006 die Wirtschaftlichkeit einer möglichen Stadtbahn in Regensburg untersucht.

  • Das neue

    Gutachten soll ergebnisoffen Möglichkeiten für ein höherwertiges ÖPNV-System untersuchen. Die Ergebnisse werden kommendes Frühjahr erwartet.

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