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Verkehr

„Großteil der Radler ist rücksichtsvoll“

Die Verkehrswacht Regensburg begrüßt die Öffnung der Fußgängerzonen. Die Anforderungen an Radler und Fußgänger sind höher.
Von Hans Scherrer, MZ

Der Alleengürtel ist für Radler künftig freigegeben. Das erspart den Fahrradfahrern manchmal riskante Umwege, lobt die Verkehrswacht.
Der Alleengürtel ist für Radler künftig freigegeben. Das erspart den Fahrradfahrern manchmal riskante Umwege, lobt die Verkehrswacht.Foto: Lex

Regensburg.Mit der beabsichtigten Öffnung der Fußgängerzonen, des Alleengürtels und vieler Einbahnstraßen für die Radfahrer geht die Stadt Regensburg einen großen Schritt in Richtung fahrradfreundliche Kommune und Stärkung des Fahrradverkehrs. Zu dieser Einschätzung gelangt die Verkehrswacht Regensburg (VWR). „Den Radfahrern werden dadurch Umwege erspart“, sagte Vorsitzender Thomas Faltermeier am Rande der Jahresversammlung des Vereins. „Allerdings werden an das gemeinsame Miteinander zwischen Radfahrern und Fußgängern erhöhte Anforderungen gestellt“.

So gelte es, Ängste bei Fußgängern und insbesondere bei älteren und behinderten Menschen zu berücksichtigen. Gerade schwächere Verkehrsteilnehmer wie ältere Menschen und Behinderte oder Familien mit Kindern seien in ihrer Bewegungsfreiheit als Fußgänger eingeschränkt.

Von den Radfahrern werde daher ein rücksichtsvolles Verhalten gefordert, die Einhaltung angemessener Abstände zum Fußgänger und die ständige Bremsbereitschaft, um Kollisionen zu vermeiden. Fußgänger hätten nämlich keine „Blinkpflicht“ und keine „doppelte Rückschaupflicht“ bei Änderung ihrer Gehrichtung. Fußgänger und Radfahrer hätten keine „Knautschzone“; beide Verkehrsteilnehmer müssten sich mit ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten auch erst aneinander gewöhnen.

Unfallursache Pkw

Die Verkehrswacht erwartet durch die Neuerung keine signifikante Steigerung der Unfallzahlen zwischen Radfahrern und Fußgängern. „Wir sind überzeugt, dass ein Großteil der Radfahrer sich vernünftig und rücksichtsvoll verhalten wird“, so Faltermeier. Der Radverkehr hingegen könne künftig unfallträchtige Hauptverkehrsachsen meiden und seine Ziele über den Schonraum Fußgängerzone und Alleengürtel erreichen. Hauptunfallursache für Radverkehrsunfälle seien bisher nicht Kollisionen zwischen Radfahrern und Fußgängern, sondern abbiegende Pkws, die Radfahrer übersehen oder das sogenannte „Geisterradeln“.

Ein starkes Augenmerk müsse jedoch auf die „Radlrambos“ gelegt werden, sagt Michael Liegl, stellvertretender VWR-Vorsitzender. Ebenso sei Klarheit darüber zu schaffen, was für die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, Pkw-Fahrer) erlaubt ist. Nur so könne die Einhaltung der Regeln kontrolliert werden. Liegl: „Die Entwicklung sollte intensiv beobachtet und notfalls müssten auch Korrekturen vorgenommen werden.“

Die Verkehrswacht Regensburg habe für die Bekämpfung der Hauptunfallursachen mit den Aktionen „Geisterradler gefährden“ und „Augenblick bitte, beim Abbiegen auf Radfahrer achten“ bereits Vorarbeit geleistet und hofft, dass diese bewährten Aktionen auch in die breit angelegte, intensive Öffentlichkeitsarbeit für gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz mit einfließen, so Faltermeier.

Erfreut zeigte sich der Vorsitzende über die zahlreichen Aktivitäten des Vereins im abgelaufenen Jahr wie zum Beispiel das Ehrenwimpelturnier im Juli. Bei dieser Verkehrserziehungsaktion seien die Kinder vor lauter Begeisterung „kaum zu bändigen“ gewesen. Und ein ebenso großer Erfolg sei die Aktion „Sicher zur Schule – sicher nach Hause“ gewesen.

Beim Fahrsicherheitstraining „Könner durch Er-fahrung“ habe man mit 75 Pkw-Fahrern eine überproportional hohe Teilnehmerzahl verzeichnen können, stellte Projektleiter Thomas Meier fest und dankte zugleich den Moderatoren, „die bei 30 Grad im Schatten sechs Stunden lang im Einsatz gewesen“ seien. Ziel sei hier, das Unfallrisiko junger Fahrer zu mindern. Weniger gefragt sei das Sicherheitstraining bei den Kradfahrern gewesen. „Bei nur einer Veranstaltung kamen lediglich acht Teilnehmer“, bedauerte Markus Meierhofer.

Aufprallsimulator kam gut an

Unter dem Motto „Fahr Rad, aber sicher“ stand eine ganze Aktionsreihe, die wiederum auf lebhaftes Interesse stieß, stellte Polizeihauptkommissar Hermann Hirsch erfreut fest und verwies auf drei Veranstaltungen zum Thema „Pedelec“, auf mehrere Plakataktionen und Infostände sowie auf die Beteiligung beim Kinderbürgerfest. Großen Anklang habe auch eine dreitägige Verkehrserziehung mit rund 2000 Berufsschülern gefunden, so Polizeihauptkommissar Reinhard Roderer. Vor allem ein Aufprallsimulator sei bei den Jugendlichen auf lebhaftes Interesse gestoßen.

„Clever fahren – Energie sparen“ war das Motto zweier Veranstaltungen im Rahmen der Klimaschutzwoche. „Vom Ergebnis waren wir alle selber überrascht, wie sehr man Treibstoff sparen kann“, sagte Polizeihauptkommissar Josef Bachmaier. Finanziell unterstützt wurde die Aktion von Landrätin Tanja Schweiger.

Über das von der VWR veranstaltete Parkhauscoaching im Donau-Einkaufszentrum berichtete Gertraud Maiwald. Besonders gut angekommen seien bei den Menschen ein Aufprallsimulator, bei dem ein Unfall simuliert wird, ebenso ein Rauschbrillensimulator. Hierbei wird das eingeschränkte Sehvermögen unter Alkoholeinfluss dargestellt. „Wir konnten viele interessante Gespräche führen“, fasste Maiwald das große Interesse zusammen. Das habe den hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand gelohnt.

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