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Regensburg

Ist unsere Gesellschaft noch zu retten?

Die Schonungslosigkeit, mit der Dr. Wolfgang Baum (Universität Regensburg) die Gesprächsreihe „Am Puls der Zeit“ am Donnerstagabend in der Neupfarrkirche eröffnete, mag überraschend gewesen sein.
Von elisabeth Angenvoort

Dr. Wolfgang Baum Foto: E. Angenvoort
Dr. Wolfgang Baum Foto: E. Angenvoort

Regensburg.Zugleich hätte man sich deutlich mehr Interessenten gewünscht, da das Thema alle betrifft: der Verlust fundamentaler Werte in einer zunehmend entmenschlichten Gesellschaft.

Anhand seiner Analyse der kirchengeschichtlichen Fortentwicklung in Westeuropa auf der einen und der vordergründig liberalen Adaption wesentlicher Werte durch die Aufklärung auf der anderen Seite spürte Baum den Ursachen dafür nach, warum unser Leben im westlichen Europa derzeit von Veränderungen bestimmt ist und in welchen sich eine tiefgreifende Angst manifestiert: Angst vor dem Versagen angesichts einer gnadenlos auf Wettbewerb ausgerichteten Konkurrenzgesellschaft. Er habe die späten 80er noch in lebhafter Erinnerung, sagte Baum; als eine Zeit, in der man voller Hoffnung und Neugier war auf die Möglichkeiten, die sich durch die friedliche Revolution zu ergeben schienen.

Längst hat sich die soziale Marktwirtschaft gewandelt zur „neoliberalen Kapitalwirtschaft“. Die Tatsache, dass der „Tipping Point“ längst überschritten ist, also die Folgen des Raubbaus an unserem Planeten nicht mehr absehbar sind und vielmehr eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickelt haben, ist nicht mehr mit „grünen Lügen“ schönzureden. Unser Leben ist geprägt von Aggressivität und Verunsicherung, Dauerstress und Hektik. Letztlich gehe es um die entscheidende Zukunftsfrage, „wie wir es jemals schaffen sollen, aus dieser Falle wieder herauszukommen“, sagte Baum. Die einzige Möglichkeit sei ein „komplettes Umdenken“, ganz im Sinne des „Wander-Charismatikers aus Nazareth“: An diesem Punkt kehrte Baum zurück zu seinen theologischen Wurzeln. Anhand der Parabel von den Arbeitern im Weinberg skizzierte er die Vision einer Gesellschaft, die den Rahmen jeglicher ökonomischer Logik hinter sich lässt und die Werthaftigkeit menschlicher Existenz neu definiert. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Andreas Dombert (Gitarre) und Franziska Kiesl (Violine).

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