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Erziehung

Wie viel Eltern braucht mein Kind?

Das Wichtigste für jedes Kind ist die sichere Bindung an eine oder mehrere Personen. Von da aus kann es die Welt erkunden.
Von Angelika Lukesch

Kinder brauchen die Geborgenheit der Eltern, um die Welt erkunden zu können. Foto: Pixabay/Free-Photos
Kinder brauchen die Geborgenheit der Eltern, um die Welt erkunden zu können. Foto: Pixabay/Free-Photos

Regensburg.Jede Mutter, jeder Vater will für sein Kind das Beste erreichen. Doch was ist das Beste? Ulrike Hecht (Regensburger Eltern) moderierte im Thon Dittmer Palais eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, bei der es um die Frage ging „Wie viel Eltern braucht mein Kind auf seinem Weg in die Selbstständigkeit?“

Zur Diskussion stellte sich die renommierte Bindungsforscherin Dr. Karin Grossmann, Dr. Eleonore Hartl-Grötsch, Leiterin des Amtes für Tagesbetreuung von Kindern, sowie Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Das Podium vervollständigten Manuel Wastl, Vater von drei Kindern, der Teilzeit arbeitet und sich die Kindererziehung-und Betreuung mit seiner Frau teilt, sowie Anke Wolfram, die Leiterin des Waldkindergartens. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass die Zuversicht der Eltern in ihre eigenen Fähigkeiten in der Erziehung nachgelassen habe. Oft herrsche Unsicherheit, wie man mit dem Kind am besten umgehen „solle“. Hinzu kämen hohe Anforderungen im Berufsleben und der Wunsch, jedem Familienmitglied gerecht werden zu wollen. In der Praxis ist dies nicht immer leicht, bedeutet es doch meistens, dass das Kind/die Kinder in eine Fremdbetreuung gehen müssen/dürfen.

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Die Bindungsforscherin Dr. Grossmann erklärte, dass ein kleines Kind, wenn es geboren sei, zunächst einmal abhängig von Ernährung, Wärme und Geborgenheit sei. Wenn es sich nicht wohl fühle, schreie es. Wenn es spüre, dass jemand kommt, in der Regel Vater oder Mutter, es könne aber auch eine andere Person sein, der sich um seine Bedürfnisse annehme, dann werde das Baby dieser Person vertrauen, sie werde zur Bezugsperson .

Mehrere Bezugspersonen

Dr. Karin Grossmann Foto: Lukesch
Dr. Karin Grossmann Foto: Lukesch

Dies sei eine Entwicklung, die durch die ständige Interaktion zwischen Kind und der Bezugsperson/en ablaufe. „Das Kind wächst auf und traut seinen Vertrauten. Das ist ein ganz wichtiger Prozess“, sagte Dr. Grossmann.

Wenn ein Kind in eine Fremdbetreuung gehe, sei es enorm wichtig, dass das Kind sehe, dass die Eltern der Erzieherin/dem Erzieher trauten. Da das Kind Vertrauen zu seinen Eltern habe, könne es auch der Erzieherin trauen. Auch machte Dr. Grossmann deutlich, dass nicht die Mutter allein das Kind gut versorgen könne, sondern dass dies genauso gut die Väter oder auch andere Bezugspersonen tun könnten. Tatsächlich gebe es weltweit Familienstrukturen, innerhalb derer die Mütter nicht allein mit ihrem Kind seien. Andere Frauen oder Männer, Tanten, Omas, Freundinnen, Onkel würden ebenso für das Kind zur Bezugsperson. Dr. Grossmann forderte die Frauen auf, dass sie auch Verantwortung an den Mann übertrügen. „Frauen könnten bezüglich der Kinder vieles an den Mann abgeben“, sagte Dr. Grossmann.

Interview

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Dies bestätigte auch Hermann Scheuerer-Englisch, der aus eigenen Erfahrungen berichtete, wie sich Väter auf ihre eigene Weise und genauso erfolgreich in die Kindererziehung einbringen könnten. Dabei, stellte das Podium einhellig fest, sei es durchaus so, dass Frauen anders mit den Kindern umgingen als Männer. Dies sei jedoch keineswegs schlechter, sondern nur eben anders. Gerade diese Unterschiedlichkeit sei eine große Bereicherung für die Kinder.

Dr. Hartl-Grötsch berichtete, dass es in Regensburg vielfältigste Angebote zur Betreuung von Kindern gebe. „Jedes Kind ist individuell und Regensburg bietet für jedes Kind etwas.“ Wichtig dabei sei, dass das Kind auch in seinen Veränderungen immer im Blick gehalten werden müsse. Die Belange des Kindes müssten stets im Vordergrund stehen. Anke Wolfram setzt vor allem auf die Authentizität der Erzieher und Betreuer der Kinder. Es gelte, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen und sich nicht zu verstellen: „Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten Zeit lassen. Man muss den Druck rausnehmen. Die Eingewöhnung sollte schrittweise vonstatten gehen, auch die Erzieher müssen ein Bild vom neu hinzugekommenen Kind bekommen.“

Viel Toleranz nötig

Direkt aus der Familienpraxis sprach Manuel Wastl. Er habe die Eingewöhnung seiner Kinder im Kindergarten gemacht und „ich habe es genossen“. Um in einer Partnerschaft diesen Spagat zwischen Eltern, Kindern und Beruf hinzukriegen und sich die Betreuung und Erziehung der Kinder zu teilen, sei viel Toleranz nötig. Auch er bestätigte, dass Väter und Mütter die Dinge unterschiedlich anpacken würden. Die Kinder würden dies jedoch gut finden.

Am 12. März um 20 Uhr findet die Abschlussveranstaltung in der Buchhandlung Dombrowsky statt: Expertengespräch „Auch Baby ´lesen´ ... in allem, was um sie herum passiert“; mit Dr. Hermann Scheuerer-Englisch und Daniela Dombrowsky.

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