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Projekt

Kelheim schafft es ins Bayern-Museum

Kelheimer Schüler haben sich auf Spurensuche begeben. Das sichert ihnen nun den Einzug ins Museum der bayerischen Geschichte.
Von Emily Buchner

Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Hier wird auch Geschichte aus dem Landkreis Kelheim wieder lebendig. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de
Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Hier wird auch Geschichte aus dem Landkreis Kelheim wieder lebendig. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de

Kelheim. Als sich vor zwei Jahren eine Gruppe Schüler am Donau-Gymnasium auf historische „Spurensuche vor Ort“ begeben hat, hätte niemand erwartet, dass sie dieses Projekt am Ende ins Museum führen wird. Eigentlich sollten die Endprodukte „nur“ Arbeiten über die Auswirkungen historischer Ereignisse auf die Region Kelheim sein – dass einige Seminararbeiten in Auszügen nun in die Mediathek des Museums der Bayerischen Geschichte aufgenommen werden, kam unerwartet als Bonus dazu.

Ein Seminar im Fachbereich Geschichte, geleitet von den Lehrkräften Michaela Mallmann und Christian Pöllath, gab den Rahmen für diese Entdeckungstouren in der Region. Denn der Meinung der beiden Lehrkräfte nach, gerät die Historie des Heimatorts oft in den Hintergrund, obwohl sie teilweise maßgebend für die heutige Identität ist. Ein sogenanntes „W-Seminar“ muss in der gymnasialen Oberstufe verpflichtend besucht werden: Dabei beschäftigen sich die Schüler zwei Jahre lang mit einem Thema, zu dem sie am Ende eine wissenschaftlich fundierte Arbeit anfertigen müssen.

Rückblicke in das echte Leben

Aufgabe in diesem W-Seminar war es, historische Aspekte der Heimat zu beleuchten. Dabei sollte die Region im Vordergrund stehen, um so eine Verbindung zwischen den Geschichtsbüchern und dem echten, alltagsnahen Leben zu knüpfen. Mit welchem Kapitel der Vergangenheit sich die Jugendlichen beschäftigten, blieb dabei ihnen überlassen. 30 Arbeiten sind nach zwei Jahren Recherche entstanden – jede einzelne davon hat einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Identität geleistet. Unterstützt wurden die Projekte von vielen Seiten: Durch die Archive und Museen der Umgebung, dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, der Dolina Gesellschaft für Landeskunde, dem Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte der Universität Regensburg und dem Haus der Bayerischen Geschichte.

Seminarleiterin Michaela Mallmann will die Historie des Heimatorts mehr in den Vordergrund rücken. Foto: Buchner
Seminarleiterin Michaela Mallmann will die Historie des Heimatorts mehr in den Vordergrund rücken. Foto: Buchner

Mallmanns Meinung nach, ist in diesen zwei Jahren ein großer Erfahrungsschatz entstanden: „Die Schülerinnen und Schüler haben viel über ihre Heimat gelernt und gleichzeitig wurde der geschichtliche Kontext greifbarer.“ Sie selbst habe auf einem ähnlichen Weg zur Geschichte gefunden: In ihrer Heimat Riedenburg hat sie früh begonnen, ihre Umgebung zu erkunden und sich zunehmend für den geschichtlichen Kontext interessiert. So hat sie erkannt, dass „Geschichte uns alle betrifft“.

Lesen Sie auch: Einer der Schüler, Julian Todt, erforschte die Berichterstattung zu Zeiten des ersten Weltkriegs. Er deckte viele Manipulationen auf.

Interview

Beschönigte Berichte vom Krieg

Julian Todt wertete die Berichterstattung zum ersten Weltkrieg im Jahr 1918 aus. Es wurde viel mit Sprache manipuliert.

Die Seminarteilnehmer schließen sich dieser Einschätzung an: Häuser, an denen sie täglich vorbeigegangen sind oder Gedenktafeln, die an ihren Wegen liegen, hätten durch ihre Recherchen eine neue Bedeutung in ihrem Alltag bekommen. Sarah Halloul, beispielsweise, hat das in ihrer Heimat Essing erlebt. Dort steht das ehemalige Wohnhaus und eine Statue von Josef Deifl, einem Soldaten der Napoleonskriege. Sein Gedenken wird damit in gewisser Weise gewahrt, trotzdem weiß man beim Vorübergehen nichts über die eigentliche Person. Sarah hat durch ihre Seminararbeit viel über sein Leben und Werk herausgefunden – und wenn sie heute an dem Haus vorbeikommt, ist ihr der historische Wert bewusster.

MZ-Themenreihe: Die Spurensucher

  • Reihe:

    In einer Themenreihe stellen wir in den kommenden Wochen ausgewählte Arbeiten aus dem W-Seminar „Spurensucher vor Ort“ vor. Dabei fokussieren wir uns auf den Regionalbezug historischer Ereignisse.

  • Reise:

    Es geht zurück in die Zeit, in der Bayern von Österreich besetzt wurde, dann zu den Napoleon-Feldzügen, bis hin zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. 200 Jahre regionale Dorfgeschichte wird am Beispiel von Teugn gezeigt.

  • Resultat:

    Einige Arbeiten von DGK-Schülern werden auch in die Mediathek des Museums der Bayerischen Geschichte aufgenommen. Das Museum öffnet am 5. Juli am Donaumarkt in Regensburg. (ebu)

Stumme, vergessene Zeugen

Ähnlich ging es Michael Baumgartner. Er beschäftigte sich mit Matthias Kraus, einem Aufrührer gegen die österreichische Besatzung im 18. Jahrhundert, der an mehreren Stellen in Kelheim verewigt ist – aber auch das sind bisher nur stumme Zeugen der Vergangenheit. Felix Kürzl hat sich mit der Entwicklung seiner Heimat Teugn in den letzten 200 Jahren beschäftigt – und gesehen, wie viel Geschichte auch in einer kleinen Ortschaft verborgen ist.

„Wenn man sich mit der regionalen Vergangenheit beschäftigt, werden die Geschehnisse greifbarer“

Marc Schlachtmeier und Julian Todt, Schüler

Marc Schlachtmeier und Julian Todt beschäftigten sich mit den beiden Weltkriegen und deren Auswirkungen – auch sie sind sich einig: „Wenn man sich mit der regionalen Vergangenheit beschäftigt, werden die Geschehnisse greifbarer“. Alle fünf haben gemerkt, dass auf den zweiten Blick sehr viel Geschichte in der Region steckt.

Diese fünf ausgewählten Themen werden wir in den nächsten Samstagsausgaben vorstellen – weil sie einen besonderen Beitrag zur Identität der Region leisten und Geschichten aus der Vergangenheit erzählen, die für viele Landkreisbewohner interessant sind. Den Anfang macht in der heutigen Ausgabe die Seminararbeit von Julian Todt zur Darstellung des Kriegsendes im Altmühl-Boten – dem Vorgänger der Mittelbayerischen Zeitung.

Mehr aus Kelheim und der Region lesen Sie hier.

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