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Kultur

Kunstmesse hat Premiere

53 Künstler bestücken für ein Wochenende den Regensburger Salzstadel. Die Schau ist mit allem Pipapo ausgestattet – samt Preisvergabe und Performance.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Falko Gaulke vor dem Salzstadel: Dort findet von 22. bis 24. November die erste Kunstmesse Regensburg statt. Foto: altrofoto.de
  • „Der Absahner“: Die bemalte Bronze stammt von Richard Gabler vom BBK Oberbayern-Nord; er ist auch Veranstalter der Kunstmesse Ingolstadt. Foto: Kunstmesse Regensburg
  • Ein Objekt von Simona Petrauskaite – geformt aus rund 100 000 teils vergoldeten Tucker-Klammern. Foto: Kunstmesse Regensburg
  • Feinnervig, vibrierend, farbintensiv: eine großformatige Graslandschaft von Heng Li, Titel „Die Trauer“. Der Künstler wird eigentlich von einer Galerie im Münchner Kunstviertel vertreten und macht für die Kunstmesse im Salzstadel einen Abstecher nach Regensburg. Foto: Kunstmesse Regensburg
  • Bottles aus Porzellan, von innen beleuchtet, von Christiane Toewe Foto Kunstmesse Regensburg/Matthias Hoch
  • „Days like this“: Messerschnitt von Hans Lankes Foto: Kunstmesse Regensburg

Regensburg.Regensburg. Der Salzstadel an der Steinernen Brücke ist in zehn Tagen Schauplatz der ersten Regensburger Kunstmesse. Der Name weckt Assoziationen an Art Basel, Art Karlsruhe oder Londoner Freeze. Klar, eine Schau solchen Kalibers ist weit entfernt von dem Anspruch und dem Konzept, das die Regensburger Veranstaltung hat. Andererseits hält die Schau im Salzstadel deutlich Distanz zum gut gemeinten Kunst-Basar mit dem Geruch des Hausgemachten. Die Kuratoren haben umsichtig aus rund 150 Bewerbern gefiltert und sich für 53 Künstler entschieden, die querbeet alle Sparten repräsentieren und durch die Bank Qualität mitbringen. Außerdem sind drei Regensburger Gruppen vertreten: das Atelier „Kunst inklusiv“ von Renate Höning, Schmuckkünstler von Brigitte Berndt und Vertreter aus Ateliers der Oswald-Zitzelsberger-Kunst- und Kulturstiftung im Andreasstadel.

Inspiriert von Ingolstadt

Veranstalter der Messe ist der Berufsverband Bildender Künstler Niederbayern/ Oberpfalz. „Eine der größten ostbayerischen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst“ ist zu sehen, so Vorsitzender Ludwig Bäuml vorab. Anstoß und Ideen kamen von dem Paar Stefan Bircheneder und Falko Gaulke. Gaulke studiert fürs Lehramt, Bircheneder erlebt heute an einem Hauberrisser-Bau in Nordbayern seinen letzten Tag im Beruf des Kirchenmalers und startet ab morgen in ein Leben als freischaffender Künstler.

Die zwei Regensburger holten sich bei der Kunstmesse in Ingolstadt 2012 den Kick. „Wir waren begeistert. Flair und Aufmachung stimmten. Und Umsatz haben wir auch gemacht“, sagt Bircheneder. Ähnliche Erfahrungen in München oder etwa bei den Truderinger Kunsttagen beflügelten.

100 000 Klammern als Kugel

Für Regensburg wurde das Konzept adaptiert: In der Produzenten-Schau zahlen Künstler für ihre fünf bis acht Meter lange Koje, je nach Größe, knapp 200 Euro und bleiben dafür provisionsfrei – ein niedrigschwelliges Angebot, das durchaus das Potenzial hat, zur festen Einnahmequelle fürs chronisch klamme Künstler-Portemonnaie zu werden. Falls Besucherzahlen (die Veranstalter hoffen auf einige tausend Gäste) und Umsatz stimmen, denken Gaulke und Bircheneder jedenfalls schon mal an 2015 und eine Zweitauflage.

Die Messe funktioniert auf verschiedenen Ebenen: als Plattform für den Austausch zwischen Künstler und Käufer, als Talent-Show für Galeristen und Kunst-Scouts und als geballter Treff von Kreativen untereinander. Der Preis-Horizont schwingt sich von um die 100 hinauf bis zu knapp 10 000 Euro. Verschiedenste Künstler-Biografien und Werke aller Sparten sind vertreten – Malerei, Grafik, Plastik, Skulptur, Objekte, Schmuck, Fotografie und Installation. Beispiele sind Simona Petrauskaite, die im Katalog eine Kugel aus 100 000 teils vergoldeten Tucker-Klammern zeigt, Gudrun Reubel, die mit Aquatinta und Braille-Schrift arbeitet, Eveline Kooijman, der meisterliche Fotografien von schlafenden Obdachlosen gelingen, Maxim Fomenko, der Streifen schwarzer Müllsäcke wie Jalousien über Gemälde legt, Richard Gabler mit seiner bemalten Bronze oder Heng Li, der eigentlich in einer Galerie neben der Pinakothek der Moderne seine Heimat hat und beim Abstecher im Salzstadel feinnervige großformatige Graslandschaften zeigt.

Die Premiere im Salzstadel ist ausgestattet mit allem Pipapo: mit Café, Katalog und Messeshop, mit Begleitprogramm auf der Donau, einem ganz ordentlich dotierten Publikumspreis und einer Performance: Die Hamburger Designerin Heike S. Bühler verhandelt an einer mobilen Garküche in DIN-Norm soziokulturelle Unterschiede und schwingt chinesische Ziehnudeln durch die Luft.

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