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Porträt

Mit Bildung die Verhältnisse ändern

Dr. Reinhard Erös setzt auf die Kraft der Argumente. Der ÖDP-Kandidat für den Landtag war schon als Schüler politisch aktiv – und ist es geblieben.
Von michael Jaumann, MZ

Als gefragter Interviewpartner in Sachen Afghanistan ist der Mintrachinger Reinhard Erös auch außerhalb der Region vielen Menschen bekannt. Foto Erös

Mintraching.Auf die verändernde Kraft des Wortes baut Dr. Reinhard Erös, studierter Mediziner und Politologe, ehemaliger Fallschirmjäger-Offizier, Entwicklungshelfer und jetzt Landtagskandidat der ÖDP. Dass er mit seinen Argumenten die Verhältnisse ändern und vielleicht die Welt ein wenig verbessern kann, hat Erös bereits als Student erfahren und erlebt es in seinem Einsatz für die Kinderhilfe Afghanistan stets aufs Neue.

Reinhard Erös ist ein begnadeter Erzähler. Einige Tausend Vorträge binnen mehr als zehn Jahren halten ihn rhetorisch bestens in Übung. Er kennt sich aus mit den Medien. Und er ist bestens vorbereitet, als wir ihn in seinem Holzhaus am Rand von Mintraching zum Gespräch treffen. So sind wir rasch tief in der Vergangenheit, Ende der 60er-Jahre, als der junge Reinhard in Regensburg begann, sich zum politischen Menschen zu entwickeln. Konservativ sei er damals als 17-Jähriger gewesen, kein 68er. Zusammen mit dem späteren CSU-Abgeordneten Peter Welnhofer hat er im Politischen Arbeitskreis Oberstufe schon am Gymnasium Bildungsarbeit betrieben.

Als Student im Getümmel

Die Politik ließ ihn nicht los, als er sich nach fünf Jahren als Zeitsoldat 1972 entschloss, in Freiburg und Tübingen Medizin und Politologie zu studieren. Als christdemokratischer Studentenaktivist warf er sich mit Wort und Tat ins Getümmel gegen die Linke, wurde 1975 gar im Kampf ums Podium durch einen Handkantenschlag an den Nieren verletzt. Die Theologie sei damals in Freiburg die einzige Fachschaft gewesen, die nicht in der Hand der „Kommunisten“ gewesen, erzählt er.

Sein Ieidenschaftlicher Einsatz für den RCDS sei belohnt worden. Binnen drei Jahren seien die Machtverhältnisse an den Fakultäten umgedreht worden. Daraus habe er gelernt, „wenn du dich einsetzt, dann kriegst du Mehrheiten“. Eine Politikerkarriere schien sich für Erös anzubahnen. Als Assistent eines Bundestagsabgeordneten, für den er kurz sein Studium unterbrach, habe er indes erkannt, dass die „politische Klüngelwelt“ nicht die seine sei.

Während Kampfgefährten und Gegenspieler politische Karriere machten, ging Erös nach dem Studium wieder lieber zur Bundeswehr. Was er fortsetzen wollte, war indes die politische Bildungsarbeit, die er unter anderem bei unionsnahen Bildungsorganisationen und auch innerhalb der Bundeswehr betreiben konnte. Er wolle noch heute in seinen vielen Vorträgen an Schulen zeigen, wie wichtig es ist, sich gesellschaftspolitisch oder auch politisch zu interessieren und zu engagieren, sagt er.

Im Urlaub in Krisengebiete

Dass man damit etwas bewirkt, kann Erös an seinem eigenen Beispiel zeigen. Teils ohne Bezahlung war Erös während seiner Bundeswehrzeit jahrelang im Kriegsgebiet in Afghanistan als Arzt im Einsatz. Er arbeitete im Urlaub für Hilfsorganisationen in Krisengebieten, erlebte unter anderem den Völkermord in Ruanda. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr widmet er sich mit seiner Frau Annette und den Kindern mit Nachdruck seiner Kinderhilfe Afghanistan. 2002 haben sie begonnen, im Osten des Landes, dort, wo die Taliban zu Hause sind, Schulen zu bauen. An die 30 Schulen sind es bisher geworden, dazu Kindergärten, Waisenhäuser, Berufsschulen…

„Auch die Afghanistan-Arbeit ist Bildungsarbeit“, sagt Erös. Sie sorgt im Wortsinn für Bildung tausender Schüler in Afghanistan. Sie vermittelt zudem den Stellenwert von Bildung in der Bevölkerung – für Jungen und für Mädchen. Es gebe klare Zahlen der UNO, dass die Probleme in einem Land umso geringer seien, je gebildeter die Mädchen dort sind. Gleiche Bildung sorge also für wirtschaftliche Entwicklung. Dazu bedürfe es aber eines langen Atems. „Vor 60 Jahren gingen die Frauen hier auch nicht aufs Gymnasium“, vergleicht Erös.

Die Afghanistan-Arbeit der Vorträge von Familie Erös wirkt aber auch hierzulande – als Keim für politisches Engagement. Er sei mit vielen Schülern in Kontakt, erzählt Erös. Und so mancher berichte ihm später, „du hast mich zur Politik gebracht“, sagt er zufrieden.

Erös ist konservativ, aber nicht bei der CSU. Er sitzt für die ÖDP im Kreistag, ist dort aber nicht Mitglied. Wäre er Mitglied, so fühle er sich verpflichtet, sich voll zu engagieren. „Diese Zeit hätte ich gar nicht“. Mit den Ansichten der ÖDP geht der parteilose Kandidat aber konform. Es gebe im Programm der ÖDP „keinen Punkt, den ich nicht unterschreiben könnte.“ Und „bei der ÖDP ist auch kein Pfeifenkopf dabei“, betont der Mintrachinger. Seine Kandidatur verhelfe der ÖDP zu mehr Aufmerksamkeit, denn er zähle zu jenen Kandidaten, die nicht nur überregional, sondern auch außerhalb Bayerns bekannt sind.

Im Landtag wird man ihn wohl nicht als Parlamentarier sehen. Dass Erös am 15. September gewählt wird, ist seinen Worten nach „so wahrscheinlich, wie dass der Steinbrück Kanzler wird. Und trotzdem kandidiert er…“ Seine Kandidatur versteht der 65-Jährige als Ansporn für andere, sich zu engagieren. Natürlich hätte er aber nichts dagegen, wenn die ÖDP zehn Prozent holen würde, stellt Erös klar. Und wenn er ein Mandat im Landtag bekäme, dann würde der stete Wanderer zwischen Afghanistan, Pakistan und Deutschland dieses auch wahrnehmen. Dann müsse er sich halt umorganisieren, sagt er achselzuckend. So was lernt man bei der Bundeswehr. Die Arbeit der Kinderhilfe Afghanistan würde nicht leiden. Zum einen sei schon immer klar gewesen, dass die ganze Familie bei diesem Projekt mitmache. Zum anderen soll der älteste Sohn Veit bald die Arbeit der Kinderhilfe hauptamtlich leiten.

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