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Widerstand

Neue Argumente gegen die Flutpolder

Gutachter Professor Andreas Malcharek sieht einen Zusammenhang zwischen Donauwasser und Grundwasser bei Pfatter. Die Bürger misstrauen den Behörden.
Von Christof Seidl, MZ

  • Rund 400 Zuhörer wollten sich über die geplanten Flutpolder informieren. Der Saal im Landgasthof Fischer in Pfatter war übervoll. Selbst vor den Fenstern bildeten sich Menschentrauben. Foto: Seidl
  • Landrätin Tanja Schweiger äußerte sich gegenüber den Planern sehr skeptisch. Sie hatte die Informationsveranstaltung in Pfatter initiiert. Foto: Seidl
  • Professor Andreas Malcherek von der Bundeswehruniversität München erklärte den Zusammenhang zwischen Donauwasser und Grundwasser. Foto: Seidl
  • Erich Eichenseer vom Umweltministerium hält eine Reduzierung des Mindestwasserspiegels in der Donau aus Vertragsgründen mit der RMD AG für nicht realisierbar. Foto: Seidl
  • Günter Schobert, Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft bei der Regierung der Oberpfalz, schlug vor, an einem Runden Tisch alle Fragen der Poldergegner zu besprechen.Foto: Seidl

Pfatter.Mit einem so großen Andrang hatte das Landratsamt nicht gerechnet. Der große Saal des Landgasthofs Fischer im Pfatter war am Dienstagabend viel zu klein, um die rund 400 Bürger aufzunehmen, die sich über den jüngsten Stand des geplanten Baus von zwei großen Flutpoldern bei Eltheim und Wörthhof informieren wollten. Draußen vor den Fenstern des Saals standen Menschentrauben, um die Diskussion verfolgen zu können. Was die Besucher erfuhren, bestätigte ihre Skepsis gegenüber dem Großprojekt.

Der Überbringer der guten Nachrichten war Professor Andreas Malcherek von der Bundeswehruniversität München. Der Landkreis hatte den Wasserbau-Experten beauftragt, Argumente gegen das Polderprojekt des Freistaats zu erstellen. Der Freistaat plant, entlang der Donau eine „Perlenkette“ aus großen Flutpoldern zu schaffen, um Hochwasserkatastrophen wie im Juni 2013 die Spitze zu nehmen. Die gesteuerten Polder sollen zum richtigen Zeitpunkt Wasser aufnehmen und so den Höchststand der Flut senken. Südöstlich von Regensburg waren zunächst vier Polder angedacht. Zwei davon, bei Barbing und Frengkofen, wurden bereits ausgeschlossen, da sie technisch schwer realisierbar wären.

Grundwasser steigt seit 2004

Malcherek hat bisher vor allem die Grundwassersituation im Bereich Geisling/Pfatter (Polder Eltheim) untersucht und – für die Realisierbarkeit des Projekts vielleicht entscheidende – Entdeckungen gemacht. Zum einen steigt der Grundwasserspiegel in diesem Bereich seit zehn Jahren an – trotz Entwässerungskanälen hinter den Deichen. Der Freistaat hatte dies bisher gegenüber Bürgern immer mit hohen Niederschlägen argumentiert.

Malcherek kann dies nicht bestätigen. Wie er anhand von Grafiken darlegte, gibt es über die Jahre hinweg keinen schlüssigen Zusammenhang zwischen Niederschlagsmengen und Grundwasserspiegel. Anschließend verglich der Experte die Grundwasserentwicklung mit dem Wasserstand der Donau – und stellte einen engen Zusammenhang fest, der auch grafisch gut darstellbar war. Malcherek: „Der Grundwasserspiegel verfolgt die Bewegung in der Donau. Das sollte nicht sein.“

Offen blieb, was die Ursache ist. Der Wasserbauexperte meinte, es sei nun zu klären, „was gemacht werden muss und wer es machen muss“. Dass es grundsätzlich technische Möglichkeiten gibt, die Grundwassersituation bei der Einrichtung von Flutpoldern zu beherrschen, bezweifelte Malcherek nicht. Er sprach von einer „Brunnengalerie“ rund um die Polder. Er bezweifelte aber, ob dies wirtschaftlich darstellbar ist.

In der Diskussion ging es vor allem um die Befürchtung, dass das Grundwasser bei einer Flutung der Polder nicht mehr beherrschbar ist, weil dieses Wasser den Spiegel zusätzlich nach oben treibt. Barbings Bürgermeister Hans Thiel verwies darauf, dass bereits 2013 das Grundwasser nur mehr 20 Zentimeter unter den Kellern gewesen sei. Wer garantiere, dass es im Ernstfall nicht einen Meter steige? Wenn die Grundwassersituation beherrschbar sei, frage er sich zudem, was in den vergangenen 50 Jahren geschehen sei, denn der Anstieg sei ja nachweisbar.

Ein weitere Diskussion entstand um eine Absenkung des Mindestwasserstands in der Donau. Manfred Lichtl forderte, ihn von 4,5 auf 2,8 Meter zu senken, denn unterhalb von Straubing sei er in der (nicht regulierten) Donau auch nicht höher. Das Grundwasserproblem wäre dann stark verringert und die Donau hätte bei Hochwasser zusätzlichen Rückstauraum, Polder wären dann überflüssig.

Dies lehnten Behördenvertreter mit Hinweis auf seit 1920 bestehende Verträge mit der jetzigen RMD AG ab. Das Wasser diene auch der Energiegewinnung, mit der die Kredite für den Donauausbau finanziert werden. Bürger forderten daraufhin, die Höhe dieser Kosten zu veröffentlichen. Sie würden mit Sicherheit nur ein Bruchteil der Milliardeninvestitionen für den Polderbau betragen.

Donau-Absenkung als Lösung?

Der Gedanke hinter der Forderung ist, dass die Donau selbst einen enormen Ausbreitungsraum bei Hochwasser biete, wenn sie vor einem Hochwasser durchgängig fast trockengelegt werde. Die staatlichen Fachleute gaben zu bedenken, dass die Berechnung solcher Modelle extrem kompliziert sei, da ja auch die Nebenflüsse eine Rolle spielen. Malcherek hielt dies für machbar und überlegenswert.

Besucher aus dem Raum Wörth argumentierten, dass der geplante Polder bei Wörthhof zudem die Trinkwasserversorgung der Stadt Wörth gefährde. Allein das müsse ein Ausschlusskriterium sein.

Auch Landrätin Tanja Schweiger zeigte sich bei der Versammlung sehr skeptisch. Sie befürchtete, dass „das Grundwasser bis in die Erdgeschosse vordringt, wenn weitere Wassermassen bei uns geparkt werden“. Schweiger hatte die Informationsveranstaltung in Pfatter initiiert und vorbereitet.

Runden Tisch angeboten

Günter Schobert, Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft bei der Regierung der Oberpfalz, schlug vor, an einem Runden Tisch alle Fragen zum Polderbau und damit auch die Argumente der Poldergegner zu besprechen und zu überprüfen. Markus Hörner von der Interessengemeinschaft gegen Flutpolder im östlichen Landkreis Regensburg äußerte sich dazu skeptisch. Wenn ernsthaft und „auf Augenhöhe“ diskutiert werde, sei die IG zu Gesprächen bereit. Er erteilte aber jeder Hinhaltetaktik seitens der Behörden eine Absage.

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