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Politik

OB attackiert möglichen Nachfolger

Hans Schaidinger hat eine neue Angriffswelle im CSU-Streit gestartet: Das Stadtoberhaupt griff den potenziellen OB-Kandidaten Jürgen Linhart an.
Von Dominik Schleidgen und Josef Pöllmann, MZ

  • Oberbürgermeister Hans Schaidinger demontierte am Donnerstag im Presseclub einen möglichen Nachfolger. Foto: Lex
  • Jürgen Linhart war das Ziel von Schaidingers Attacke. Foto: Klein

Regensburg. Ist das der Showdown im Regensburger CSU-Streit? Oberbürgermeister Hans Schaidinger hat am Donnerstag im Presseclub Jürgen Linhart, den Hoffnungsträger des CSU-Kreisvorstands für die OB-Wahl, angegriffen. Ohne konkrete Beweise zu liefern, sprach der Rathaus-Chef dem Juristen die Fähigkeit ab, die Stadt zu regieren. Dafür machte er jede Menge Anspielungen, wie die Chamer CSU – Linharts politische Heimat – dessen Leistung einschätzt.

Seit Anfang Januar brodelt es offenbar in Schaidinger wieder heftiger. Damals hatte der CSU-Kreisvorsitzende Armin Gugau mit seinen Unterstützern zu einem Kandidaten-Casting aufgerufen – und damit die Rotation des Kandidaten-Karussells noch einmal beschleunigt. Elf Vorschläge gingen ein, unter ihnen der Chamer CSU-Kreisrat Jürgen Linhart, der in Regensburg als Anwalt arbeitet. Doch von Beginn an hatte Gugau erklärt, dass Linhart sein Favorit sei.

OB bleibt Antworten schuldig

Zu Schaidingers Andeutungen im Presseclub zu Thema Linhart gehörte auch der Hinweis auf das Radio-Feature „Schlimmes Erwachen – der Regensburger CSU droht die Übernahme durch eine schwarz-braune Clique“ des Bayerischen Rundfunks. In dem Beitrag spürte die Autorin Ruth Stellmann möglichen rechtsradikalen Tendenzen unter CSUlern um den früheren Stadtrat Thomas Fürst nach. Im Beitrag sei „ein Stück Ursprung der jetzigen CSU beschrieben und es ist gut, wenn Sie sich dieses Stück wieder einmal vergegenwärtigen“. Wie er das in Bezug auf Linhart meinte, darüber blieb der OB die Antwort schuldig. Nur: „Recherchieren Sie. Dann werden sie es herausfinden.“

Der CSU-Kreisvorsitzende Armin Gugau verurteilte am Freitag die Äußerungen des OB scharf. Schaidinger konterkariere damit alle Einigungsbemühungen und verunglimpfe die CSU, erklärte Gugau. „Es ist schade, dass sich Schaidinger nicht zur CSU bekennt.“ Die Vorgehensweise des OB sei die „typische Schaidinger-Manier“, alles mit der Brechstange durchdrücken zu wollen. Schaidinger diskreditiere sich mit den Äußerungen selbst. Bei einem scheidenden Oberbürgermeister hinterlasse das einen schalen Beigeschmack. „Verbuchen wir es einfach unter ,Unsinniger Donnerstag’“, sagte Gugau.

„Es war klar, dass Hans Schaidinger so etwas macht“, sagte der Regensburger Landtagsabgeordnete Dr. Franz Rieger. „Schaidinger will Christian Schlegl als Kandidaten. Und er will – wie immer – seine Meinung durchsetzen. Aber jetzt übertreibt er es.“ Rieger hält Jürgen Linhart für einen „völlig unbelasteten“ Politiker. „Ich habe über Linhart noch nie gehört oder erfahren, dass er sich in irgendeiner Weise in der Nähe einer Rechtslastigkeit befindet.“ Rieger räumte aber ein, dass es zu Linharts politischer Arbeit kritische Stimmen aus dem Landkreis Cham gebe.

„Oft unentschuldigt gefehlt“

Im Chamer CSU-Kreisverband sind viele Funktionäre nicht gut auf Jürgen Linhart zu sprechen. „Er ist kein Mensch, der politisch kontinuierlich arbeitet“, sagte ein Vorstandsmitglied der dortigen Christsozialen, das namentlich nicht genannt werden will – aus Angst, dass die Diskussion um Linhart von Regensburg in den Landkreis Cham zurückschwappen könnte. „Unter Linharts Vorsitz wäre der Ortsverband Cham beinahe kaputt gegangen, weil nichts passiert ist.“ Bei der letzten Kreistagswahl im Bayerwald sei er zudem derjenige Kandidat aus der CSU gewesen, der am weitesten nach hinten gewählt wurde. Das Mitglied des Chamer CSU-Kreisvorstands sagte im MZ-Gespräch wörtlich: „Erst seitdem in Regensburg über seine OB-Kandidatur spekuliert wird, ist Jürgen Linhart im Kreistag anwesend.“ Vorher habe er oft unentschuldigt gefehlt.

Linhart meldete sich am frühen Freitagabend bei der MZ. „Ich staune über die Attacken von Hans Schaidinger. Damit hatte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechnet.“ Die Vorwürfe aus Cham kommentierte er knapp: Er habe versucht, in jungen Jahren etwa bei der Jungen Union seine politische Arbeit gut zu machen, sagte Linhart. Wegen des Aufbaus seiner Kanzlei in Regensburg habe er dann politisch kürzertreten müssen. Seine engen Verbindungen zu Thomas Fürst, die Gegner ihm immer wieder anlasten, hatte er bereits in einem MZ-Gespräch am 21. Januar nicht geleugnet. Auch am Freitag sagte er, dass er mit Fürst befreundet und – wie Fürst – Mitglied in der Studentenverbindung Rupertia sei. „Doch auf Exzess-Partys der JU war ich kein Gast”, sagte der 39-Jährige. Und gegen Rechtsradikalismus ziehe er eine „klare Kante”. Linhart sagte, er wolle sich nun bis zum Kandidaten-Casting des CSU-Kreisverbands „Zeit zum Nachdenken nehmen, ob ich es wirklich mache“.

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