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Regensburg fiebert Fußballkrimi entgegen

Erstes Heimspiel in der 2. Liga – und das gegen den Club: 15 000 strömen am Sonntag in die Arena. Und viel Polizei kommt mit.
Von Heinz Klein, MZ

Die Jahn-Fans brennen schon auf das Spiel gegen die „Glubberer“. Archivfoto: Seidl
Die Jahn-Fans brennen schon auf das Spiel gegen die „Glubberer“. Archivfoto: Seidl

Regensburg.Am Sonntag wartet ein echter Prüfstein in der Continental Arena. Gut 15 000 werden ab 13.30 Uhr in der ratzfatz ausverkauften Continental Arena zuschauen, wie der Jahn diese Prüfung besteht. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften liegt mehr als 13 Jahre zurück. Der Jahn gewann damals 2:1. Seitdem gab es ein direktes Konkurrieren zwischen Regensburg und Nürnberg nur mehr auf der Bratwurstebene. Und da verloren die Nürnberger auch, die glaubten, ihre Rostbratwurst wäre älter als die Regensburger Wurstkuchl. Von wegen.

Jahn-Urgestein Hans Meichel tippt auf ein Unentschieden und hofft auf einen Sieg. Foto: MZ-Archiv
Jahn-Urgestein Hans Meichel tippt auf ein Unentschieden und hofft auf einen Sieg. Foto: MZ-Archiv

Jahn-Urgestein Horst Eberl: „Ein Jah-Sieg wäre eine totale Überraschung“. Foto: MZ-Archiv
Jahn-Urgestein Horst Eberl: „Ein Jah-Sieg wäre eine totale Überraschung“. Foto: MZ-Archiv

Wurst ist am Sonntag beim Oberpfalz-Franken-Derby freilich gar nichts. Der Jahn braucht nach einem gut gespielten und dennoch verlorenen ersten Auswärtsspiel in Bielefeld nun zuhause möglichst einen Erfolg. Oder zumindest ein Unentschieden, denn „ein Punkt wäre schon allein für die Moral wichtig“, sagt Jahn-Urgestein Hans Meichel. Der stand als Abwehr-Ass in den 60er und 70er Jahren bei 73 Zweitliga-Spielen für den Jahn am Rasen und kann sich gut an die Begegnungen mit den „Glubberern“ erinnern. „Meistens haben wir ja verloren, aber es ist immer knapp ausgegangen.“ Offiziell tippt er auf ein 1:1. „Aber insgeheim hoff‘ ich schon, dass wir gewinnen“, flüstert Hans Meichel ins Telefon.

„Der Jahn kann schon dagegenhalten, und nach vorne ist er wirklich gut“, sagt Horst Eberl, einst Verteidiger mit der Nummer 2, der die derzeitige Abwehr das SSV Jahn als „doch etwas sehr offen“ bezeichnet. „Aber ein Sieg wäre dennoch eine absolute Überraschung“, meint der langjährige sportlicher Leiter des SSV. Sein Tipp: ein 2:2.

Polizei sichert das Hochrisikospiel

Die Jahn-Fans brennen schon auf das Spiel gegen die „Glubberer“. Archivfoto: Seidl
Die Jahn-Fans brennen schon auf das Spiel gegen die „Glubberer“. Archivfoto: Seidl

Neben mehr als 15 000 Fans wird auch die Polizei gut vertreten sein. Das Oberpfalz-Franken-Derby in der Regensburger Arena ist als Spiel mit hohem Risiko eingestuft. Da spielt die Polizei sicherheitshalber immer mit. In welcher Mannschaftsstärke, das sagt Tanja Nuß, Sprecherin der Polizeiinspektion Regensburg Süd, natürlich nicht. Die Inspektion erhält jedenfalls Unterstützung von Kollegen der Bayerischen Bereitschaftspolizei, der Bundespolizei und von verschiedenen Regensburger Polizeidienststellen.

Ein Teil der erwarteten 3000 Nürnberger Fans wird bereits am Sonntagvormitta1. FC Nürnberg erwartet bei Jahn Regensburg „dickes Brett“g mit dem Zug am Regensburger Bahnhof eintreffen und kann dann einen kostenfreien Shuttleservice zum Stadion in Anspruch nehmen. Die Polizei warnt vorsorglich, dass es am Sonntag in der Zeit von 10 bis 13.30 Uhr und von 15.15 bis 17 Uhr im Bereich des Hauptbahnhofs, entlang der Galgenbergstraße, an der Kreuzung Friedenstraße, an der Autobahnanschlussstelle Universität der Autobahn A3 sowie im Stadionumfeld zu Verkehrsstörungen kommen kann. Wer mit dem Fußball nichts am Hut hat, dem wird angeraten, diese Bereiche großräumig zu umfahren. Heimische Fans werden gebeten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu kommen.

Schwarzmarktpreise bis 90 Euro

Die Karten für das Oberpfalz-Franken-Derby waren im freien Verkauf schnell weg. Fans waren schon Stunden vor dem Verkaufsbeginn angestanden. Dennoch kursieren noch Karten – auf dem Schwarzmarkt. Für bis zu 90 Euro werden die Tickets (Normalpreis 12 Euro Stehplatz, 28 bis 34 Euro Sitzplatz) angeboten. Profivereine beginnen inzwischen verstärkt, gegen Schwarzmarktverkäufer vorzugehen, wenn diese mit Preisaufschlägen von über 15 Prozent arbeiten.

Nicht nur in der unmittelbaren Fußballszene herrscht übrigens Hochspannung.

Peter Nikisch: Extra auf- und abgestiegen Foto: altrofoto.de
Peter Nikisch: Extra auf- und abgestiegen Foto: altrofoto.de

Kabarettist Peter Nikisch (Statttheater) ist überzeugt, dass das Spiel schon seit langem verabredet war. „Wir treffen uns in der 2. Liga“, hätten beide Teams vereinbart. Der Club sei deswegen schon vor Jahren extra abgestiegen und der Jahn nun extra aufgestiegen“, sagt er mit Augenzwinkern und tippt auf ein Unentschieden.

Alles rund um den SSV Jahn Regensburg lesen Sie in unserem Spezial: www.mittelbayerische.de/jahn.

Loew: Tore durch Entspannung

Prof. Dr. Thomas Loew: Mehr Tore durch Entspannung Foto: Archiv/Klein
Prof. Dr. Thomas Loew: Mehr Tore durch Entspannung Foto: Archiv/Klein

„Der Jahn wird ein bisserl mehr rennen müssen als sonst, vor allem in der letzten Viertelstunde“, frotzelt Thomas (nicht Jogi!) Loew mit Blick auf die letzten Minuten beim ersten Auswärtsspiel in Bielefeld. Der Chefarzt der Abteilung für Psychosomatik am Regensburger Uniklinikum – das übrigens FIFA-Zentrum ist – beschäftigt sich auch mit Konzentrations- und Entspannungsübungen für Sportler und lehrte das schon die Nationalmannschaft der kasachischen Skiflieger. Die „Glubberer“ hält der Mediziner und Psychotherapeut für physisch stärker als den Jahn. „Mannschaften, die schon in der ersten Liga spielten, haben einfach eine andere Härte“, sagt Prof. Dr. Loew.

Und wer bei Standardsituationen keine Tore schießt, der sollte an seiner Körperkonzentration arbeiten. Wenige Sekunden vor dem Frei- oder Strafstoß seien Zeit genug, sich mental einzustellen. Loew lehrt diese Techniken der funktionellen Entspannung. Beim Spiel gegen den Club vor 13 Jahren war er dabei. Diesmal klappt es aber leider nicht. Am Sonntag ist der Professor mitten drin in der Schlammschlacht des weltweit größten Heavy-Metal-Open Airs in Wacken.

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Die Continental Arena steht vor dem Zweitliga-Debüt: Was gibt es Neues zum Heimspiel-Auftakt?

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Das Spiel sehen

  • Für das Spiel am Sonntag

    ist das Kartenkontingent ratzekahl ausverkauft. Beim Ansitzen auf Karten im freien Verkauf waren die Fans schon vier Stunden vor Verkaufsbeginn da. Wer leer ausgegangen ist, dem bleibt nur der Blick ins Fernsehen. Im Bezahlsender Sky ist das Spiel live zu sehen. Die Highlights der 2. Liga zeigt das Streamingportal DAZN als Zusammenfassung schon 40 Minuten nach Spielende.

  • Public Viewing

    ist in einigen Gaststätten möglich. In der Innenstadt ist das zum Beispiel das Kneitinger-Mutterhaus am Arnulfsplatz. Im Jekyll&Hyde in der Winklergasse spielt der Jahn auf der Großleinwand und auch im Lok.in am Hauptbahnhof ist das Spiel zu sehen.

  • Wer mit dem Auto kommt:

    Parkplätze gibt es nicht nur an der Continental Arena (kostenpflichtig, vier Euro), sondern auch fußläufig an der Universität und dem Uniklinikum.

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