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Regensburger geben über 700.000 Euro

Bürger und Firmen helfen den Betroffenen der Flutkatastrophe mit kleinen und großen Summen. Am meisten Geld spenden BMW und Krones.
Von Marion Koller, MZ

  • Das Haus von Fotografin Juliane Zitzlsperger in Gallingkofen beim Hochwasser
  • Fotografin Juliane Zitzlsperger in ihrem vom Hochwasser überschwemmten Haus. Die 51-Jährige hat sich über die Soforthilfe der Stadt sehr gefreut.Fotos: Zitzlsperger

Regensburg. Drei Wochen nach dem verheerenden Hochwasser kann Juliane Zitzlsperger wieder in ihrem Haus arbeiten. Die mehr als 400 Jahre alten Bruchsteinwände zeigen noch Spuren des Regenflusses, der im Erdgeschoss 1,30 Meter hoch stieg. Rund um die Uhr brummen fünf Entfeuchter. Waschmaschine, Gastro-Kaffeeautomat, WC-Hebeanlage und Gasherdelektronik waren zwar kaputt, aber mit der Soforthilfe der Stadt in Höhe von 2000 Euro konnte die Fotografin eine Reihe von Reparaturen bezahlen. „Das war toll“, sagt die 51-Jährige. Denn eine Hausratversicherung hatte sie nicht abgeschlossen. Inzwischen hat ihre Hochwasserversicherung die übrigen Schäden beglichen.

Auf die Hochzeitsreise verzichtet

Bis heute hat die Stadt Regensburg laut Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra Soforthilfe in Höhe von 313.000 Euro an Privatpersonen ausbezahlt (213 Anträge, meist 1500 Euro) und 100.000 Euro an Firmen (35 Anträge, bis zu 5000 Euro). Wie Landrat Herbert Mirbeth sagt, hat der Landkreis bislang 624.891 Euro an Soforthilfe weitergegeben. Das Geld gewährt der Freistaat. Bürger, die noch heftiger vom Hochwasser betroffen sind als Juliane Zitzlsperger, können ab heute weitere Soforthilfe beantragen.

Denn die Unternehmen und Menschen aus Regensburg sowie dem Umland haben großzügig für die Betroffenen vor Ort gespendet: Über 700.000 Euro sind auf den Spendenkonten der Stadt, des Landkreises, der Johanniter und weiterer Hilfsorganisationen zusammengekommen. Die 203.620 Euro, die sich auf dem Stadtkonto „Regensburg hilft“ angesammelt haben, darunter 50.000 Euro von Krones, „kommen voll und ganz den Hochwasseropfern vor Ort zugute“, bestätigt die städtische Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra.

Viele Aktionen und Einzelspenden haben dazu beigetragen: So flossen 2500 Euro vom Lions-Club. Ein Paar verzichtete für die Hochwasser-Geschädigten auf die Hochzeitsreise nach New York und überwies die Summe stattdessen.

Im Landkreis sind es 306.800 Euro. Den Löwenanteil hat mit 280.000 Euro das BMW-Werk beigetragen, einen weiteren hohen Betrag gab die Sparkasse (20.000 Euro). Zahlreiche Privatleute halfen. Pressesprecher Markus Roth vom Landratsamt hat 53 Spender gezählt. Bürger hätten zehn Euro erübrigt oder ein paar hundert.

Beim Johanniter-Regionalverband sind beinahe 147.000 Euro aus Regensburg und dem Umland eingegangen. „Die Resonanz aus der Bevölkerung ist sehr groß“, sagt Kristina Lehner von der Pressestelle. Die höchsten Summen stammen von Krones (50 000 Euro) und der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung (20.000 Euro). Freilich werden diese Beträge nach Aussage von Lehner „dorthin fließen, wo sie am nötigsten gebraucht werden“, also eher nach Niederbayern, weniger nach Regensburg.

„Wir müssen wieder renovieren“

Krones hat insgesamt 275.000 Euro gegeben, 150.000 davon für die Region Regensburg (Caritas, Johanniter, „Regensburg hilft“). Dafür haben die Mitarbeiter auf Betriebsfeste verzichtet.

Vielleicht kann mit den Spenden auch Lucia und Mario Parnitzke aus der Patsche geholfen werden. Den Wirtsleuten der „Silbernen Gans“ in der Werftstraße hat zwar ein städtischer Mitarbeiter vor drei Wochen Soforthilfe in Höhe von 5000 Euro vorbeigebracht, doch der Schaden liegt höher. Das Geld sei „besser als nichts“, aber eigentlich ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Lucia Parnitzke. In der Küche des Gasthauses plätscherte tagelang das Grundwasser aus der Wand. Die Parnitzkes mussten acht Tage schließen. Der Verdienstausfall und die Schäden kosteten mindestens 25.000 Euro überschlägt die 45-Jährige. „Im Januar haben wir renoviert, jetzt müssen wir wieder anfangen.“

Bei den 700.000 Euro, die sich auf den wichtigsten Konten angehäuft haben, handelt es sich nicht um die Gesamtsumme. Denn viele pfiffige Einzelaktionen kommen hinzu. Spendabel waren die Menschen allemal. Zum Vergleich: Das Spendenaufkommen bei der Tsunami-Katastrophe belief sich in Regensburg auf 90.112 Euro.

Information zu den neuen Hilfsprogrammen unter www.stadt-regensburg.de

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