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Karriere

Schlechte Laune hat Hausverbot

Der 31-Jährige ist Moderator und kennt das Regensburger Nachtleben wie seine Westentasche. Die MZ wagte einen Blick hinter sein Musikpult.
Von Christoph Hollender, MZ

Regensburg.Einmal gute Stimmung bitte – zum Mitnehmen! Die Rede ist aber keinesfalls vom Zirkusclown mit der roten Nase, sondern von einem Experten, der abends in den Clubs der Stadt, auf Open-Air-Festen und manchmal auch in Bierzelten zu finden ist. Seine Markenzeichen: auffällige Kleidung, eine große Sonnenbrille und ein Kopfhörer.

Eine genaue Bezeichnung gibt es für solche „Experten“ eigentlich nicht. Was diese dubiosen Stimmungsmacher so machen? Gute Laune verbreiten. Vorsicht Ansteckungsgefahr!, heißt es da. „Ich sehe mich als jemand, der Party verkauft, egal ob es einem schlecht oder gut geht“, sagt einer von ihnen. Sein Name ist Pierre van Hooven. Er zählt mit zur Regensburger Spitze, was Nachtleben, Musik und Stimmungsmache betrifft.

Entertainer und Moderator

Er ist DJ, Entertainer und Moderator bei Gong FM. Ein Job, der für viele ein Traumjob sein mag, aber oftmals nicht immer einfach ist. Vor allem nicht immer rentabel, anfangs zumindest. „Ich jedenfalls habe nichts in die Wiege gelegt bekommen, wie mir immer vorgehalten wird“, sagt van Hooven.

Wenn der 31-Jährige, der optisch der Cousin von Xavier Naidoo sein könnte, durch die Regensburger Innenstadt flaniert, fällt er auf. Er trägt ein rot-schwarzes Chicago-Bulls-Cap, eine große Brille mit schwarzem Gestell, die immer leicht zur Nasenspitze rutscht. Knallige Farben zählen zu seinem Markenzeichen.

In seiner linken Hand hält er sein Smartphone. Er umklammert es. Ohne das, gehe gar nichts, meint er. „Suchtmittel Nummer eins.“ Bei 5000 Facebook- Freunden und einer eigenen Fanseite eine Menge Arbeit. Und schließlich gehöre das auch zu seinem Job, immer und überall über das Neueste informiert zu sein, sozusagen Sondierungspflichten.

Pierre van Hooven ist ein „Allrounder“: DJ, Partyorganisator und Moderator. „Meine große Liebe gilt der Musik“, sagt er. Er schlendert durch die Maxstraße. Dann: „Entschuldigung, du bist doch der Pierre, oder?“ Zwei junge Mädchen stehen leicht verlegen vor dem Regensburger. „Dürfen wir ein Foto mit dir machen?“, fragen sie. Das passiere mittlerweile häufiger, wird er nach dem „Shooting“ mitten in der Fußgängerzone sagen. „Alltag“.

Künstlername „van Hooven“

Als „Stadtpromi“ sehe er sich aber nicht. Er bleibe auf dem Boden der Tatsachen. „Ein regionaler DJ, nicht mehr und nicht weniger.“ Dennoch ist mittlerweile Name als auch Person Pierre van Hooven eine bekannte Größe, besonders beim jüngeren Publikum der Stadt. „Ich bin eben der DJ Pierre“, meint er lässig. „So kennen mich die Leute und das ist in Ordnung.“ Und bekannt ist er auch, da er hin und wieder mit dem ein oder anderen richtigen Promi zu tun hat.

„Pierre“ heißt Pierre übrigens tatsächlich, nur mit dem „van Hooven“ schwindelt er. Künstlername eben. „Als ich bei Radio Galaxy angefangen habe, sollte ich mir einen Künstlernamen zulegen. Ich hatte davor ein Vorstellungsgespräch bei einem anderen Medienunternehmen, bei dem es einen van Hooven gab, der mir damals, ich war 17, das Gefühl gab, dass ich in der Medienbranche nichts verloren habe. Ich hab mir dann gedacht, ich klau seinen Namen und zeig ihm, wie weit ich es schaffe.“

Den öffentlichen Pierre und den privaten Pierre zu trennen, sei ihm „sehr wichtig“. Er zwinkert mit seinen Augen. Denn wie in jeder Branche, gibt es viele, die ihm den Erfolg missgönnen. Ganz unschöne Sachen müsse man sich da anhören. Sachen, die weit über eine legitime berufliche Kritik hinausstoßen, voll mit vulgären Kraftausdrücken – aber auch das sei Alltag für ihn. Er spricht offen über das Thema. Für die Medienbranche entschied er sich sehr früh. Radio machen, das war es, was den Jungen Pierre schon zu Kindertagen reizte.

Hospitanz bei einem Radiosender

Geboren und aufgewachsen ist er in München. „Mit 14 habe ich einmal in der Woche ein Kinderradio moderiert“, erzählt er. Selbstvertrauen Pflicht. Denn: „Ich bin damals zu den ganzen Prominenten bei Veranstaltungen einfach hingegangen und habe mit Ihnen gesprochen, ohne groß nachzudenken.“ Das begeisterte auch seine damaligen Chefs, die ihm nach der Mittleren Reife, eine Hospitanz bei einem Münchner Radiosender anboten und ihn im Anschluss an das Funkhaus nach Regensburg vermittelten. „Das war 2001“, sagt van Hooven.

Er begann ein Volontariat in der Domstadt. Die Liebe zur Musik ließ den damals 18-Jährigen nicht los. „Ich begann als kleiner unbekannter DJ in der Galerie“, einem Cafe in der Innenstadt. Wie ist das, wenn man im Nachtleben bekannt wird, das Publikum mit seiner Musikauswahl zu begeistern? „Natürlich ein schönes Gefühl“, meint Pierre van Hooven.

Aber: Der Schein des alltäglichen coolen DJ’s trügt, denn der Verdienst sei zu Beginn sehr gering, die Arbeitszeiten gewöhnungsbedürftig und Freundschaften oft oberflächlich. DJ zu sein, sei nach außen hin anders, aber kein Luxus. „Bei mir hat es gerade so gereicht. Nur zehn Euro in der Woche für Essen zu haben, kam vor.“ Nach dem Volontariat im Funkhaus zog es van Hooven wieder nach München. Casting-Redakteur und Reporter bei München TV stehen in der Vita.

Doch bald stand fest: „München hat keine Zukunft.“ Zu viel Stress, zu groß, zu schnelllebig. Großstadt eben. Er suchte Entschleunigung. Zurück nach Regensburg. Das Café Galerie und der damalige Schwesterclub Suzie Wong zählten jahrelang zu seinen Stammetablissements. „DJ zu sein heißt, dass du Gespür haben musst, was die Gäste wollen.“ Die richtige Musiknummer zur richtigen Zeit. Lernen könne man das nicht. Und lernen könne man vor allem nicht, mit dem Leben und der Arbeit nachts umzugehen.

Disziplin, ein Stichwort, das van Hooven stets hoch schätzte. „Ich verkaufe nicht nur Party, ich bin ein Teil der Party.“ Persönliche Probleme, Ärger oder schlechte Laune haben hier nichts verloren. Da könne das „Business-Nachtleben schon einiges kaputt machen – Alkohol und Drogen sind verlockende Begleiter. „Für mich tabu“, sagt van Hooven. „Andere bleiben da hängen“ und gehen daran kaputt.

„Sonntags-WG“ ein tolles Format

Heute hat sich Pierre van Hooven von seinen regelmäßigen Auftritten in den Bars und Clubs der Stadt ein wenig distanziert – hin und wieder, bei besonderen Veranstaltungsreihen legt er noch auf. Heute ist er Moderator bei Gong FM. 2009 fand er den Weg zurück zu seinem Traumjob. Neben der Sendung „Sonntags-WG“ mit Christian Lang ist Pierre van Hooven mittlerweile an vielen Wochentagen am Mikrofon des Radiosenders zu hören. Mit Erfolg.

Vor allem die Sonntags-WG sei ein „erfolgreiches Konzept“, so die Worte des Programmchefs von Gong FM. „Fans hören uns in ganz Deutschland“, meint Pierre van Hooven. Und sogar in Afrika. Markenzeichen der Sendung ist das Bizarre, das Überraschende und ein wenig Verrückte. Natürlich zur Freude der Zuhörer. Und an Prominenz, die dabei mitwirkt, mangelt es keinesfalls.

Viele Promis kennengelernt

Zu den Größen, die Pierre van Hooven, gemeinsam mit Mitbewohner Christian Lang schon auf den Zahn fühlten, zählen DJ Antoine, Kay One, Kool Savas, Silbermond, die Geißens „und, und, und“. Mutig sei es allemal, so van Hooven, ein solches Format zu tragen. Er schlendert weiter durch die Regensburger Innenstadt. Sein Smartphone blinkt und vibriert. Fast im Sekundentakt erhält er neue Nachrichten.

Freizeit hat er wenig, alles würde so miteinander verschmelzen. Und sollte er tatsächlich einmal nicht im Nachtleben Spaß finden, bleibe immer eine letzte Option: seine Heimat München. Drei oder vier Tage Auszeit. Am Ende bleibt noch die Sache mit den Freundschaften. Schwierige Sache. „Viele wollen mich eben nur kennen, damit sie sagen können, sie kennen DJ Pierre.“

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