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„Klassenausflug“ ins Musik-Business

Die Schulfreunde Müller landen einen Erfolg nach dem anderen. Die jüngste Generation ist wild entschlossen, das fortzusetzen.
Von Norbert Lösch, MZ

Sogar das „Posen“ haben sie schon drauf: die jüngste Generation der Schulfreunde Müller
Sogar das „Posen“ haben sie schon drauf: die jüngste Generation der Schulfreunde Müller Foto: Bischof-Manfred-Müller-Schule/Detterbeck

Regensburg.Mit dem Musikunterricht von gestern hat das, was die Schulfreunde Müller derzeit erleben, nur noch wenig zu tun. Die Band der Bischof-Manfred-Müller-Schule präsentiert ihren neuesten Hit „Kinder dieser Welt“ nicht nur äußerst erfolgreich als Youtube-Video, sondern konnte ihn auch noch in einer Musik-Zeitschrift für die Grundschulstufe platzieren.

„Pamina“ heißt die im gesamten deutschsprachigen Raum vertriebene Zeitschrift. Deren Redaktion fand „Kinder dieser Welt“ so gut, dass sie das Lied allen Musikpädagogen wärmstens ans Herz legt. Die können in der neuesten Ausgabe nachlesen, dass sich hinter den Schulfreunden Müller ein seit Jahren erfolgreiches Musikprojekt verbirgt. Aber nicht nur das: Mitgeliefert wird neben dem kompletten Text und dem Hinweis auf das Video auch eine Tanzanleitung. Somit kann es durchaus sein, dass „Kinder dieser Welt“ in diversen Klassenzimmern zwischen Nordsee und Alpen nicht nur fleißig nachgesungen wird, sondern dass dazu auch die Hüften geschwungen werden.

Einen Profi ins Boot geholt

Der jüngste Erfolg kommt nicht von ungefähr. Denn vermutlich ist noch in keiner anderen deutschen Schule ein Lied derart professionell als Video umgesetzt worden wie „Kinder dieser Welt“. Da hat sich nicht einfach ein Kollege mit der Handkamera hingestellt und gesagt: „Jetzt macht mal!“. Nein, die Schulfreunde Müller haben sich einen Mann ins Boot geholt, der weiß, wie man Musikvideos produziert: Andreas Simon heißt der Regisseur. Der hat schon mit Profis wie Peter Maffay, Sarah Connor oder David Garrett gedreht und gestaltet die Show „Mein Song“ des TV-Kanals Kika.

Simon war mit komplettem Team extra für die Produktion mit den Schulfreunden Müller nach Regensburg angereist. Drehort war der Musiksaal, in dem die jungen Musiker üblicherweise auch proben. Was an dem ungewöhnlichen Schultag passierte, lässt sich in einem „Making of“-Video nachvollziehen, das neben „Kinder dieser Welt“ ebenfalls auf Youtube läuft. Zusammen haben es die zwei Beiträge aus Regensburg schon auf fast 10000 Klicks gebracht.

Darauf ist mit der Band und ihrem Mastermind, Konrektor Andreas Detterbeck, die ganze Schule stolz. Detterbeck hatte das Band-Projekt 2007 ins Leben gerufen und betreut mittlerweile schon die fünfte Staffel. Denn die jungen Musiker werden spätestens nach der 10. Klasse altersbedingt zu Ex-Mitgliedern. Im September sind die Schulfreunde wieder in neuer Besetzung durchgestartet – wild entschlossen, an den Erfolg ihrer Vorgänger anzuknüpfen. Drei aus der „alten“ Band sind noch dabei, der Rest der 14-köpfigen Truppe ist deutlich verjüngt worden.

Detterbeck, der auch alle Songs selbst schreibt und komponiert, will mit den Schülern nicht nur Musik machen, sondern ihnen auch Einblicke in Produktionsweisen und das gesamte Musik-Business geben. Da wird mal eine CD eingespielt und in Eigenregie vermarktet, oder eben mit Profis ein Video produziert. Die eigene Homepage und eine entsprechende Facebook-Seite wollen betreut werden, und nicht zuletzt müssen öffentliche Auftritte vorbereitet werden, die schulintern oder im größeren Rahmen wie beim Bürgerfest stets auf positive Resonanz stoßen.

„Gut für das Selbstwertgefühl“

Der Bandleader freut sich natürlich über die Erfolge, sagt aber auch: „Erfolg ist nicht alles, was dieses Projekt auszeichnet, es hat auch einen hohen pädagogischen Wert.“ Denn die jungen Musiker profitierten persönlich von ihrem Engagement. „Die Kinder fügen sich freiwillig und freudig in das Bandgefüge ein und lernen Teamarbeit und Konzentration. Verschiedene Charaktere können durch den Zusammenhalt in der Band aufgefangen werden. Gerade unsere Mittelschüler wachsen durch die Arbeit in der Band massiv in ihrem Selbstwertgefühl.“

„Der Beitrag im Magazin ,Pamina’ hat dem Projekt noch einmal einen Schub gegeben“, berichtet der Konrektor, der auch privat musikalisch aktiv ist und sich als Singer-Songwriter längst einen Namen in der Regensburger Szene gemacht hat. Was gerade in letzter Zeit mit den Schulfreunden Müller passiere, gehe weit über die „normalen“ Aktivitäten einer Schulband hinaus. „Das erweitert den Horizont der Schüler und zeigt ihnen, was im Musikgeschäft möglich ist.“

Dass die Schüler einen derartigen Zugewinn an Erfahrung machen können, liegt auch am Umfeld. Denn an der Bischof-Manfred-Müller-Schule wird die musische Bildung grundsätzlich großgeschrieben. Neben der Schulband gibt es noch diverse Chöre und Instrumentalgruppen; insgesamt ist laut Detterbeck „die Hälfte unserer Schüler musikalisch aktiv“. Da braucht es dem „Erfinder“ der Schulfreunde Müller ja nicht bange werden in Sachen Nachwuchs.

Warum eine Schulband Spaß macht

Florian Barthel
Florian Barthel

Florian Barthel ist mit seinen 15 Jahren sozusagen der „alte Hase“ in der aktuellen Besetzung der Schulband. Als Schlagzeuger gibt er nämlich schon seit einigen Jahren den Takt vor. „Sehr interessant“ sei zuletzt der Videodreh mit einem Profi gewesen. „Das Ergebnis war für mich überraschend. Ich habe nicht gedacht, dass das Video so gut wird. Ich sehe mich darin selber in einer ungewohnten Rolle.“

Laura Riederer
Laura Riederer

Laura Riederer dagegen ist erst seit diesem Schuljahr festes Mitglied. Ihre ersten Erfahrungen als Sängerin: „Es ist schön, in einer Band zu sein. Das macht großen Spaß und ich verstehe mich auch mit allen.“ Spannend findet Laura vor allem die öffentlichen Auftritte. Lampenfieber? „Das erste Mal ist man schon ein bisschen aufgeregt“, verrät die Zwölfjährige. Die Gemeinschaft stärke einem aber den Rücken.

Niklas Holzapfel
Niklas Holzapfel

Niklas Holzapfel ist ebenfalls zwölf Jahre alt und als Sänger eher für die tiefen Töne zuständig. Zur Band stieß der Neuling, nachdem er ein älteres Video der Schulfreunde gesehen hatte. „Das habe ich dann gleich geliked“. Mittlerweile geht er selbst gerne und regelmäßig zu den Bandproben. Am liebsten singt er einen „alten Hit“, der auch bei anderen sehr beliebt ist: „Das Froschlied gefällt mir am besten.“

Sophia Stichlmeyr
Sophia Stichlmeyr

Sophia Stichlmeyr ist die rechte Hand von Bandleader Andreas Detterbeck, wenn es um die Stimmbildung geht. Die Musik- und Lehramtsstudentin singt selbst in Bands und möchte gerne „meine eigene Begeisterung für das Singen weitergeben“. In neuer Besetzung gelte es erst einmal, sich kennenzulernen und zu den Songs passende Solo-Stimmen herauszufinden. „Das klappt für den Anfang schon ganz gut.“

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