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Mama-Taxis bringen Verkehrschaos

Haltende Eltern verdecken in Regensburg die Sicht auf Kinder und behindern Busse. Appelle fruchten nicht.
Von Julia Ried, MZ

Ein Morgen vor Grundschule und Gymnasium in Königswiesen: Ein Auto steht minutenlang in der Feuerzufahrt, ein anderes hält in der Busspur.
Ein Morgen vor Grundschule und Gymnasium in Königswiesen: Ein Auto steht minutenlang in der Feuerzufahrt, ein anderes hält in der Busspur. Foto: Ried

Regensburg.Diesen Junitag hat Busfahrer Christian Mohler noch deutlich vor Augen: Eine Mutter bog aus der Schulausfahrt und nahm ihm die Vorfahrt. „Dann habe ich eine Vollbremsung machen müssen.“ Eine Grundschülerin im Bus stürzte so heftig, dass sie sich das Bein brach.

Eine andere Mutter sei ihm „hinten auf den Bus draufgefahren“, Eltern parkten ihm die Haltestelle zu. An anderen Schulen sorgen Eltern, die ihre Kinder zur Schule chauffieren, ebenfalls für chaotische Verkehrssituationen, heißt es von Rektoren.

ÖDP-Stadtrat Benedikt Suttner forderte deshalb, dass die Stadt ein Programm ausarbeite, das mehr Eltern zum Verzicht aufs Mama- oder Papa-Taxi motiviert. 15 „Kiss and Ride-Parkplätze“ für das gefahrlose Absetzen des Kindes, wie sie die Stadt bei der neuen Kreuzschule in Prüfening baut, reichen aus seiner Sicht als Beitrag der Stadt zur Lösung der Verkehrsprobleme vor Schulen nicht aus.

Van parkt in Feuerwehreinfahrt

Vor der Grundschule Königswiesen in der Erzbischof-Buchberger-Allee steht an einem Morgen in dieser Woche ein Van minutenlang in der Feuerwehreinfahrt, also im absoluten Halteverbot – das ist Alltag, berichtet Busfahrer Mohler, der für ein Privatunternehmen den Schulbus steuert. Noch lieber fahren Eltern direkt vor den anderen Eingang in der Klenzestraße, erzählt Christine Gürtler, Leiterin der Grundschule mit 360 Schülern, in deren Nachbarschaft derzeit die Grundschule am Napoleonstein ihr Ausweichquartier während der Renovierung hat, außerdem das mehr als doppelt so große Gymnasium und eine kleinere internationale Schule sitzen.

Wer direkt vor den Eingängen hält, muss zuvor Bürgersteige überqueren, weshalb Elternbeiratsvorsitzende Claudia Wermuth schimpft: „Es ist ein Unding, dass die Kinder ständig schauen müssen, ob jemand über ihren Bürgersteig drüberfährt.“ Gefährlich seien auch die vielen Autotüren, die sich beim Halten am Straßenrand öffneten.

„Wir haben das Problem, dass es viele Eltern gibt, die ihre Kinder bis vor die Schultür fahren.“

Beate Müller, Rektorin der Kreuzschule

Dass ein Kind, das die Straße überquert, zu lange hinter einem haltenden Auto verborgen bleibt und deshalb an- oder gar überfahren wird, ist das Szenario, das Beate Müller, Rektorin der Kreuzschule in der Altstadt, fürchtet. „Wir haben natürlich auch das Problem, dass es viele Eltern gibt, die ihre Kinder bis vor die Schultür fahren.“ An den Fußgängerfurten behinderten Eltern, die ihre Kinder aussteigen lassen, die Sicht aller Verkehrsteilnehmer auf die Schüler, die zur Kreuzschule oder der Realschule nebenan gehen.

Bernd Paulus, Leiter der Von-der-Tann-Grundschule in der gleichnamigen Straße mit etwa 240 Grundschülern und dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium ein paar Schritte weiter, beklagt: 20 bis 25 Eltern machten ein paar neuralgische Punkte in der Nachbarschaft zu Gefahrenstellen: etwa den Zebrastreifen über den Minoritenweg zur Gefahrenstelle, auch wenn Eltern und Gymnasiasten dort lotsen. „Die bringen unsere Lotsen in Bedrängnis, weil sie ihnen die Sicht nehmen, bringen Kinder, die den Gehsteig benutzen, in Gefahr, fahren manchmal sogar auf den Gehsteig.“ Dabei ist das Halten auf dem Fußgängerüberweg, fünf Meter davor und danach verboten. Und es gebe bessere Halte-Stellen im Umkreis: Mit einem Flyer bat der Elternbeirat Mütter und Väter schon einmal, diese zu nutzen.

Kommentar

Bitte nicht mit dem Auto!

Vor Regensburger Schulen parken Autos von Müttern in Feuerwehreinfahrten und in Bushaltestellen, blockieren Eltern Bürgersteige, auf denen Grundschulkinder...

Auch der Sprecher der Regensburger Verkehrsbetriebe, Martin Gottschalk, hat einen Appell an Eltern: an Haltestellen die Verkehrsregeln zu beachten. „Leider müssen wir feststellen, dass es in der Tat immer wieder zu Problemen an Haltestellen im Bereich von Schulen kommt.“ „Machtlos“ fühlen sich die Verantwortlichen.

Maßnahmen wirken nur kurz

Schulen beklagen: Viel zu wenige Schüler gehen zu Fuß zur Schule, wie diese Mädchen, oder fahren mit dem Rad.
Schulen beklagen: Viel zu wenige Schüler gehen zu Fuß zur Schule, wie diese Mädchen, oder fahren mit dem Rad. Foto: Ried

Die Polizei kontrolliere durchaus vor den Schulen, vor allem zu Schuljahresbeginn, bestätigen Rektoren. Danach schleichen sich die verbotenen Stopps schnell wieder ein. Aus Sicht der Beamten sind Schuleingänge keine Unfallschwerpunkte, sagt Verkehrssachbearbeiter Hermann Hirsch. Auch wenn es dort „immer wieder chaotisch“ werde: „Die Schulwegunfälle ereignen sich meist nicht im direkten Umfeld der Schulen“, so steht es etwa in der Verkehrsunfallbilanz 2015, die 21 Vorfälle ausweist. Das sei aber auch der Präventionsarbeit zu verdanken, der Verkehrserziehung der Polizei, dem Einsatz der Verkehrswacht, von Umweltverbänden, Schulen und Elternbeiräten.

Die jedoch sind oft frustriert. Wer sein Kind zur Schule chauffiere, ob aus Überbehütung oder aus Bequemlichkeit, etwa weil die Schule auf dem eigenen Arbeitsweg liegt, lasse sich meist nicht davon abbringen. Die Königswiesener Elternbeiratsvorsitzende Claudia Wermuth sagt: „Mittlerweile haben wir es schon fast aufgegeben;“ sie meint Aktionen wie eine, bei der Eltern andere Eltern im Auto anhielten und ansprachen. Eine „gewisse Resignation“ sei auch im Elternbeirat der Von-der-Tann-Grundschule entstanden, berichtet Bernd Paulus. Er persönlich findet aber: „Es war schon schlimmer.“ Zumindest sei es jahrelang nicht mehr passiert, dass Eltern durch den Pausenhof bis zum Eingang fuhren. Die Stadt jedenfalls wird sich mit den chauffierenden Eltern nicht anlegen. Sich hier einzumischen, übersteige ihre Möglichkeiten; dieser Meinung waren im Ausschuss alle Stadträte außer Suttner. Sein Antrag wurde abgelehnt.

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