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Regensburg-Stadt
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Mobilität

So radeln Sie sicher durch die Stadt

Regensburger fürchten den starken Verkehr und riskante Kreuzungen. Wir haben fünf Tipps, wie Sie Gefahrenstellen meistern.
Von Julia Ried

Fahrradaktivist Dr. Klaus Wörle, hier auf der Adolph-Kolping-Straße, rät: Radfahrer sollen auf der Straße nicht zu weit rechts fahren. Foto: Ried
Fahrradaktivist Dr. Klaus Wörle, hier auf der Adolph-Kolping-Straße, rät: Radfahrer sollen auf der Straße nicht zu weit rechts fahren. Foto: Ried

Sich nicht an den Rand der Straße drängen lassen


Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des Kreisverbands Regensburg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sagt: „Man kann sich als Radfahrer relativ souverän bewegen, wenn man sich nicht an den Rand drängen lässt.“ Es gelte: „Wenn man auf der Fahrbahn fährt: nicht zu weit rechts fahren, weil ansonsten manche Autofahrer dazu verleitet werden, knapp zu überholen. Man sollte ungefähr da fahren, wo man als Beifahrer in einem Auto sitzen würde.“ Wenn Autofahrer hupen, obwohl sich Radfahrer korrekt verhalten, sollten Letztere sich nicht irritieren lassen. „Wenn einer hupt, dann hat er einen gesehen, das ist ein gutes Zeichen.“ Hermann Hirsch, Verkehrssachbearbeiter der Polizei, weist darauf hin, dass die gefühlte Gefährdung von Radlern im fließenden Straßenverkehr höher sei als die tatsächliche: „Überholen ohne ausreichenden Seitenabstand durch den motorisierten Verkehr“ spiele als Unfallursache eine verschwindend geringe Rolle. Wörle empfiehlt Autofahrern einen Überholabstand von mindestens 1,50 Metern. Radfahrer sollten gerade dann Distanz wahren, wenn sie an parkenden Autos vorbeifahren. „Wenn da eine Tür aufgeht, gibt es hässliche Unfälle.“

Berechenbar fahren – und nicht in die falsche Richtung

Wer abbiegen möchte, muss dies rechtzeitig anzeigen. Foto: Lex
Wer abbiegen möchte, muss dies rechtzeitig anzeigen. Foto: Lex


Das Geisterradeln war bei Unfällen, die Radfahrer verschuldeten, im Jahr 2017 laut Verkehrslagebild der Polizei Regensburg die häufigste Ursache. Hermann Hirsch, Verkehrsexperte der Polizei, betont vor diesem Hintergrund, Radfahrer sollten sich die Gefahren bewusst machen – und sie vermeiden. Klaus Wörle vom Fahrrad-Club sagt zwar: „Ich hab viel Verständnis dafür, dass Leute das machen, weil die Verkehrsführung auf Autofahrer ausgelegt ist.“ Doch auch er ermahnt Radfahrer, Wege und Straßen nie in der falschen Richtung zu benutzen. Überhaupt sei es ein Muss, sich berechenbar zu verhalten. Konkret bedeutet das auch der Polizei zufolge unter anderem: rechtzeitig und deutlich anzeigen, dass man abbiegt. Wörle rät: Trauen sich Radfahrer ein Handzeichen nicht zu, etwa weil es auf holpriger Straße steil bergab geht, sollten sie ihre Hände am Lenker lassen – und ihre Abbiegeabsicht entweder anders anzeigen, durch vorsichtiges Einordnen in die richtige Spur etwa – oder absteigen und das Rad ein Stück schieben. Auch für Radler gilt laut Polizei die Umschaupflicht vor dem Abbiegen und vor dem Einordnen, wenn sie auf der Fahrbahn unterwegs sind.

Gefahrenstellen auf Radwegen frühzeitig erkennen

Auf kreuzende Autos müssen Radler auch auf Radwegen achten. Foto: Lex
Auf kreuzende Autos müssen Radler auch auf Radwegen achten. Foto: Lex


Anders als viele denken, ist das Radfahren auf dem Radweg nicht per se sicherer als das auf der Straße – im Gegenteil. Laut Wörle gilt deutschlandweit: „Die meisten Unfälle passieren auf Radwegen. Das hat auch damit zu tun, dass viele Radwege nicht gut angelegt sind.“ Als Risiko benennt Wörle zu schmale oder für Autofahrer nicht gut einsehbare Radwege. Ihren Blick behindern zum Beispiel Grünstreifen neben der Fahrbahn, ungünstig gestaltete Grundstücks- oder Garagenausfahrten; zum Teil seien Radwege auch zugeparkt, obwohl dort genauso Halteverbot gilt wie auf Gehwegen. Vorsicht ist auch dort geboten, wo Radwege beginnen oder enden. An den Stellen mit den häufigsten Radfahrunfällen 2017 gibt es Radwege: Jeweils sieben passierten an der Ecke Kumpfmühler Straße/Fritz-Fend-Straße und den Auffahrten von der Wöhrdstraße zur Nibelungenbrücke.

Das Ergebnis einer Umfrage von Mittelbayerische und Verkehrsclub Deutschland: Hier fühlen sich Radler in Regensburg unsicher.

Sich nicht auf die grüne Ampel verlassen

Radler sollten sich nicht auf die grüne Ampel verlassen. Foto: Ried
Radler sollten sich nicht auf die grüne Ampel verlassen. Foto: Ried


Allein in diesem Juni meldete die Polizei zwei Unfälle, bei denen rechtsabbiegende Fahrzeuge Radfahrer schwer verletzten; 2017 hatte ein solcher Zusammenstoß an der DEZ-Kreuzung tödlich geendet. Rechtsabbiegefehler sind der Polizei zufolge die häufigste Ursache von Unfällen mit Radfahrern, an denen die Lenker von motorisierten Fahrzeugen schuld sind: 51 zählte sie 2017, auf den Plätzen folgen 33 Linksabbiegefehler und 30 Vorfahrtsverletzungen. Wörle sagt: „Man kann sich auf die Grünphase nicht verlassen. Man muss trotzdem aufpassen, ob alle anderen sich richtig verhalten.“ Wörle und die Polizei raten dazu, den Blickkontakt mit Auto- und Lkw-Fahrern zu suchen und die Geschwindigkeit beim Zufahren auf Kreuzungen oder Einmündungen zu reduzieren. „Man muss sich vergewissern: Steht der andere, hat der mich gesehen?“, sagt Wörle. Radler sollten sich bewusst sein, dass manche Autofahrer den Schulterblick aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen – auch wenn dieser vorgeschrieben ist.

Seine Rechte und Pflichten im Verkehr kennen

Diese Radfahrer dürfen fahren: Für sie gilt das Grün der Autoampel. Foto: Lex
Diese Radfahrer dürfen fahren: Für sie gilt das Grün der Autoampel. Foto: Lex


Viele Radler sind unsicher, wo sie fahren dürfen – und wo nicht. Wörle erläutert: „Das Zeichen ,Radfahrer frei‘ heißt, es ist freigestellt, hier zu fahren, aber man muss nicht.“ Zu finden ist dieses Zeichen unter anderem in der Busspur der D.-Martin-Luther-Straße in Fahrtrichtung Galgenbergstraße – hier können sich Radler also auch in der Spur links daneben einordnen. Für Radfahrer gilt die Autoampel, sofern es keine Spezialampel für sie gibt, – nicht die Fußgängerampel, deren Signale zum Teil abweichen. Gibt es einen Radweg, müssen Radler diesen nur befahren, wenn das blaue runde Schild mit dem Fahrrad die Benutzungspflicht signalisiert. Ansonsten haben sie die Wahl, auch auf der Straße zu fahren: In Regensburg gibt es diese Möglichkeit beispielsweise im Hochweg, in der Konrad-Adenauer-Allee oder in der Bajuwarenstraße in Fahrtrichtung Osten. Wörle stellt auch fest, dass manche Radfahrer dem Verkehrsdruck auf die Gehwege ausweichen. Dabei dürfen dort nur Kinder bis zum zehnten Geburtstag fahren und Ältere nur, wenn sie für Radfahrer freigegeben sind – und dort nur mit Rücksicht auf Fußgänger.

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