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Generalsanierung

Steinerne Brücke: Ende unabsehbar

Nach dem Rauswurf der Steinmetzfirma muss die Stadt Regensburg schnell handeln. Ende 2013 verfällt der Welterbe-Zuschuss für den ersten Bauabschnitt.
Von Claudia Böken, MZ

In unverhüllter Schönheit haben die Regensburger, aber auch die Touristen, die deswegen in die Stadt kommen, die Steinerne Brücke schon lange nicht mehr gesehen. Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Im Mittelalter dauerte der Bau der Steinernen Brücke in Regensburg elf Jahre: von 1134 bis 1145. Dann stand das 336 Meter lange Weltwunder mit seinen ursprünglich 16 Bögen und 15 Pfeilern. Wie lange die welterbegerechte 20 Millionen Euro teure Generalsanierung dauern wird, ist noch offen. Ursprünglich war als Termin Ende 2014 angekündigt worden. Inzwischen hat das Stadtplanungsreferat zwei Jahre drauf gegeben. Ob es damit getan ist, ist nach den jüngsten Ereignissen völlig offen: „Ich will das Wort 2017 nicht in den Mund nehmen“, sagte der Chef des Tiefbauamts Peter Bächer, der noch nicht lange im Amt ist.

Wie erst jetzt bekannt wurde, habe die Stadt mit der Allgäuer Steinmetzfirma, die am ersten Bauabschnitt der Sanierung arbeitet, schon seit einiger Zeit Probleme gehabt. Deren Arbeiten an den Bögen 12, 13, 14 und 15 sollten bereits im Oktober vergangenen Jahres fertig sein. Weil dieser Zeitpunkt überschritten wurde, kam die Firma in den Winter und musste pausieren. Mörtelarbeiten sind laut Bächer bei Minusgraden nicht möglich. An eine Fortsetzung sei erst im April zu denken. „Wir mussten davon ausgehen, dass dann die Natursteinarbeiten erst im Juni fertig sein würden“, so der Tiefbau-Chef. Und das bedeutet: acht Monate Verzug.

Weil alle Arbeiten an diesen Bögen miteinander verzahnt sind, konnten auch die anderen Firmen nicht fristgemäß arbeiten. Und das bringt die Stadt in die Bredouille: Wenn der Bauabschnitt 1 nicht Ende des Jahres fertig gestellt ist, verliert die Stadt die Zuschüsse, die sie ansonsten aus dem Welterbe-Topf erhält.

Laut Bächer werde gemeinsam mit der Firma momentan ermittelt, wie weit deren Arbeiten, die ein Gesamtvolumen von 650.000 Euro haben, gediehen sind. Danach wird unter den fünf Firmen, die aus dem europaweiten Teilnahmewettbewerb noch übrig sind, eine Ausschreibung der Restarbeiten vorgenommen. Die Arbeiten werden dann wohl auch nicht vor Juni fertig sein, aber zu der Allgäuer Firma habe man kein Vertrauen mehr.

Generalkonservator Prof. Dr. Egon Johannes Greipl betont, dass das Baustellenmanagement und die Zusammenarbeit der Beteiligten auf der Baustelle schon seit längerem nicht so funktioniert habe, wie es sein müsste. Das Landesamt für Denkmalpflege habe dies gegenüber der Stadt schriftlich mehrfach deutlich gemacht und darum gebeten, diesen untragbaren Zustand mit allen Beteiligten zu klären. „Bei Denkmalmaßnahmen, die aus dem Entschädigungsfonds gefördert werden, ist vor Beauftragung der Planer und ausführenden Firmen die Abstimmung mit dem Landesamt zwingend erforderlich. Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich auch jetzt, wenn eine neue Firma beauftragt werden soll“, betonte Greipl. Er freue sich, dass es voraussichtlich am 9. April, zu einem Gespräch mit OB Hans Schaidinger komme.

Der Fraktionschef der Freien Wähler, Ludwig Artinger, will die Schuld für den Zeitverlust nicht allein der Allgäuer Firma anlasten. Seine Fraktion habe schon bei der Auftragsvergabe moniert, dass das Leistungsverzeichnis unvollständig und vage sei. Ein Nachprüfungsantrag sei im zuständigen Ausschuss abgelehnt worden. Ihm sei bekannt, dass die Firma mit ständigen Nachbesserungswünschen konfrontiert worden sei.

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