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Stadtleben

Treffpunkt für Bruckmandl und Spatz

Im Kunsthof Weichmann ist eine Dauerausstellung geplant. Sie soll an das Lebenswerk zweier Regensburger Kunsthandwerker erinnern.
Von Helmut Wanner, MZ

Das Bruckmandl und der Vogel: Rupert Weichmann mit Repliken von Vater Rudolf und Großvater Franz
Das Bruckmandl und der Vogel: Rupert Weichmann mit Repliken von Vater Rudolf und Großvater FranzFoto: altrofoto.de

Regensburg.Das goldene Bruckmandl gibt es am Bande, quasi. Wie man fast wöchentlich der Zeitung entnehmen kann, scheint es zum Regensburg-Oskar aufgestiegen zu sein.

Presseclub, Stadt und Regierung haben ihn verliehen. Der letzte Preisträger war der Geschäftsführer von MR, Dr. Nicolas Maier-Scheubeck. Er bekam ihn wegen seiner vorbildlichen Radabstellanlagen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) überreicht.

Die Werkstatt kommt ins Museum

Wer hat es erfunden? Der Goldschmied und Gürtler Franz Weichmann. Damals war er noch Entwurfszeichner bei Haber und Brandner. 1920 hatte er die Idee, das Bruckmandl in Messing zu gießen. Sein Sohn Rudi, Kunsthandwerker wie er, hat es zufällig in einer alten Modellkiste gefunden. Er fand es originell, ließ es als Mitbringsel für Freunde und Bekannte nachgießen und überreichte es „statt Blumen“.

Er konnte ja nicht wissen, dass es durch eine wöchentliche MZ-Kolumne, einen verlorenen Arm und die überregional bekannte Rettungsgeschichte zum Medienstar emporsteigen würde. Das goldene Bruckmandl ist heute das bekannteste Artefakt aus der Werkstatt am Wiesmeierweg 7. Es ist die Figur, die im Kunsthof Weichmann in der Gesandtenstraße 11 am besten „geht“ - wenn es denn gehen könnte. Nach dem Tod seines Vaters im vergangenen Jahr entstand bei Rupert Weichmann die Idee, sämtliche Original-Plastiken von Franz und Rudolf Weichmann dem Publikum dauerhaft zugänglich zu machen. Sein halbes Geschäft, inklusive Garten, will er in eine Dauerausstellung verwandeln. „Auch Teile der Werkstätte werden reingeholt“, kündigt Rupert Weichmann an. „Wir wollen einen Ausschnitt von seinem Arbeitsplatz zeigen, mit Bunsenbrennern, Hämmern und Kupferblechen.“

Auch ein Werkverzeichnis ist in Planung. Die Palette reicht von Amsel bis Uhu, von Schnecke bis Hochradfahrer. Weil Rudi Weichmanns Frau Helga, eine preisgekrönte Fotografin, nahezu alle Arbeiten ihres Mannes fotografiert hat, liegen die Kunstwerke Rudi Weichmanns in bestechender Qualität vor. Am liebsten würde Weichmann die Pläne schon im kommenden Jahr umsetzen.

Im Museum werden dann auch solche Raritäten zu sehen sein wie ein Blatt aus der Asservatenkammer der Kripo. Die Weichmanns hatten für das Kriegerdenkmal im Stadtpark einen Kranz gemacht, der unmittelbar nach der Anbringung gestohlen wurde. Nur dieses eine Blatt blieb davon übrig.

Franz und Rudi Weichmann haben mit ihrer Kunst das Stadtbild geprägt. Ihre Arbeiten findet man in der Kapelle der Barmherzigen Brüder und am Gasturm der Kläranlage in Barbing. Selbst der Druckfehlerteufel der MZ stammt aus der Werkstatt am Wiesmeierweg. Unzählige Windspiele, Brunnenfiguren und Wettergockel wurden in der stillen Gasse hinterm Priesterseminar gefertigt. Der bekannteste Gockel zierte das Seniorenheim Kumpfmühl. Nach Abriss und Neubau wartet der Saure Gockel im Depot des Museums auf eine neue Verwendung.

Wenn man einen Eindruck vom Gesamtkunstwerk Weichmann erhalten will, googelt man „Youtube Weichmann“. Im 12-minütigen -Beitrag „Zwischen Spessart und Karwendel“ steht der wortkarge und hintersinnigen Kunsthandwerker wieder auf – wie er leibt und lebt. Ob ihm sein Beruf Spaß machen würde, wird er von Elisabeth Leinisch gefragt. „Ja scho, weil sonst tät ich’s ned. I tu bloß das, was mir gefällt.“

Wortkarg und hintersinnig

So war Rudi Weichmann. Er drückte sich lieber mit den Händen aus, bevor er Blech redete. Noch 14 Tage vor seinem Tod war Rudi Weichmann in seiner Werkstatt anzutreffen, eingewachsen von den Produkten seines langen Arbeitslebens. Kein Tag blieb ohne neue Ideen. So entstanden wundersame Wesen und Dinge. Werktäglich saß Rudi Weichmann in seiner Souterrain-Werkstatt mit Gartenblick, bestätigt Rupert Weichmann. Und mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Er machte nur eine Ausnahme, wenn die IG Metall streikte. Dann legte er aus Solidarität auch die Arbeit nieder.“

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