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Natur

Vom Zankapfel zum Vorzeigeprojekt

Die ökologische Aufwertung der Schillerwiese startet schon im kommenden Jahr. Regensburg gibt für Umwelt-Projekte weit mehr aus als geplant.
Von Norbert Lösch, MZ

Die Schillerwiese im Herbst 2014: Unerwartet könnte das Naherholungsgebiet schon in zwei Jahren komplett neu gestaltet sein. Foto: Lösch

Regensburg.Die Stadt stellt in den kommenden Jahren mehr Geld als ursprünglich geplant für den Bereich Umwelt- und Naturschutz zur Verfügung. Und sie steigt früher als vorgesehen in die ökologische Aufwertung des Naherholungsgebiets Schillerwiese ein. Diese beiden Nachrichten nahmen die Mitglieder des Umweltausschusses jetzt wohlwollend zur Kenntnis.

Bürgermeister Jürgen Huber (Die Grünen) verwies zu Beginn der Beratungen über den städtischen Umwelt-Etat darauf, dass dieser bei der aktuellen Fortschreibung des Investitionsplans von 2014 bis 2018 ebenfalls angepasst wurde – und zwar nach oben. Für den Bereich Umwelt-, Natur- und Klimaschutz würden weit mehr Mittel in den Fünf-Jahres-Plan eingestellt als bisher vorgesehen. Dass allein heuer und im nächsten Jahr mehr als drei Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen, lässt jetzt auch das Projekt Schillerweise schneller Wirklichkeit werden.

Das Ziel: Mehr Aufenthaltsqualität

Die Arbeit des Runden Tischs zur Schillerwiese, der sich nach den Protesten gegen die Baumfällungen am Hochwasserdamm gebildet hatte, ist weitgehend erledigt. Ende September hatte die letzte Sitzung des Gremiums stattgefunden, in der die Beteiligten – neben dem Wasser- und Schifffahrtsamt und dem städtischen Gartenamt auch Naturschutzverbände, Stadträte, Landschaftsplaner und Privatleute – noch einige Details abstimmten. Die Aufregung über den Kahlschlag an der Donau ist nach einem offenen Diskussionsprozess längst der Zuversicht gewichen, dass das Naherholungsgebiet im Stadtwesten nach der Umgestaltung eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität haben wird.

Im Frühjahr hatte es noch geheißen, dass zwar das für die Arbeiten am Ufer federführende Wasser- und Schifffahrtsamt noch in diesem Herbst mit der Neugestaltung beginnt. „Bis zur Umsetzung aller Maßnahmen kann es allerdings noch bis zu fünf Jahre dauern“, teilten die Beteiligten im April den Medien mit. Dass es jetzt schneller geht, ist wohl auch einer Resolution zu verdanken, die dem neuen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zu Beginn seiner Amtszeit überreicht wurde.

Mehr Grün, mehr Platz, mehr Kunst

Der städtische Part am Gemeinschaftsprojekt Schillerwiese ist jedenfalls mittlerweile haushaltstechnisch vorgezogen worden und wird schon in den beiden kommenden Jahren erledigt. 900000 Euro stehen unter anderem für Planungskosten, die Dammverbreiterung und einen neuen Uferplatz, der den höchsten Punkt der Donau markieren soll, zur Verfügung. Für die Gestaltung des Platzes, an dem Stufen terrassenartig zum Wasser führen sollen, soll außerdem ein Kunstwettbewerb ausgeschrieben werden.

Weitere 730000 Euro wird die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in das Projekt einbringen. Dafür sollen 85 neue Bäume und 200 neue Büsche gepflanzt und weitere Kiesbuchten angelegt werden. Um für diese Platz zu schaffen, veranlasst die Behörde noch heuer den Rückbau der Steinaufschüttungen an manchen Stellen.

Hans Dietrich Krätschell, der Leiter des Stadtgartenamts, war in den kompletten Planungsprozess eingebunden und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die neue Schillerwiese werde „kein Bollwerk mehr zur Donau hin, sondern ein harmonisches, aufgewertetes Freizeitgelände in einem der wichtigsten Naherholungsgebiete der Stadt“, so Krätschell gegenüber der MZ. Schon 2015 beginne die landseitige Dammverbreiterung, die notwendig ist, um auf dem Damm überhaupt wieder Bäume pflanzen zu können. Zudem muss der als Hochwasserschutz dienende Damm auch etwas erhöht und anschließend der dann etwas breitere Fuß- und Radweg neu befestigt werden.

Sprecher der im Umweltausschuss vertretenen Fraktionen begrüßten das jetzt vorgezogene Projekt Schillerwiese einhellig. Jürgen Mistol von den Grünen freute sich grundsätzlich darüber, dass in den fortgeschriebenen Investitionsplan drei Millionen Euro mehr für den Umwelt- und Klimaschutz eingestellt werden konnten. Mistol erinnerte daran, dass seine Fraktion nach der Abholzaktion im Winter 2012/2013 einen Runden Tisch gefordert hatte, den die damalige Stadtratsmehrheit abgelehnt habe, der aber wegen der anhaltenden Proteste dann doch vom Wasser- und Schifffahrtsamt eingerichtet worden sei.

„Gelungen und erfreulich“

Dieser Darstellung widersprach SPD-Sprecher Hans Holler. Der Stadtrat habe seinerzeit den Runden Tisch nicht abgelehnt, sondern sich zu Recht für nicht zuständig erklärt. Die Planungshoheit für das Donauufer liege nämlich bei der Schifffahrtsbehörde. Dass die Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit am „Heilungsprozess“ dennoch zustande kam, sei ebenso erfreulich wie die jetzt in die Wege geleitete schnelle Umsetzung des Projekts Schillerwiese. Auch Irmgard Freihoffer von den Linken wertete die Form der Bürgerbeteiligung und das Ergebnis als „sehr gelungen und erfreulich“.

Auf Fragen zur künftigen Beschaffenheit des Uferwegs antwortete Gartenamtsleiter Hans Dietrich Krätschell, dass der später einen Meter breitere Weg zumindest bis zum Pfaffensteiner Wehr nicht asphaltiert werde. Bei der Abwägung habe man sich wie bisher für eine „wassergebundene Decke“ entschieden, obwohl eine Asphaltdecke auf Dauer gesehen deutlich kostengünstiger sei.

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