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Diskussion

Wohin wächst Regensburg?

Die Bevölkerung wird in den kommenden 20 Jahren weiter zunehmen. Was das für die Domstadt bedeutet, war der Gegenstand einer Diskussion des EBW.
von Flora Jädicke, MZ

  • Bei einer Diskussionsrunde des Evangelischen Bildungswerks ging es um die Zukunft Regensburgs. Foto: Jädicke
  • Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Foto: Jädicke
  • Prof. Dr. Sonja Haug, Leiterin des Instituts für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST) an der OTH Regensburg Foto: Jädicke
  • Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur der Mittelbayerische Zeitung Foto: Jädicke

Regensburg. „Hurra wir wachsen! Regensburg ist Boomtown. Es geht uns gut.“ Und es ist kein Ende in Sicht. Die Stadt wächst in den kommenden 20 Jahren um gute 7,5 Prozent. Während die Bevölkerung in der gesamten Oberpfalz im gleichen Zeitraum um etwa den gleichen Prozentsatz sinkt.

Am Freitagabend diskutierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Holger Schellkopf, der stellvertretende Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung und die Professorin Dr. Sonja Haug von der OTH über die beiden Seiten der Medaille „Wachstum in Regensburg“. Moderation der Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes, die im Rahmen der Vortragsreihe „Wohin wächst Regenburg“ stattfand, hatte Dr. Carsten Lenk.

OB will Willkommenskultur

Das Wachstum bringe Wohlstand in die Stadt und ermögliche Gestaltungsspielraum, sagte Oberbürgermeister Wolbergs. Wer Sozialleistungen wolle, brauche auch Wachstum. Dass es nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer hervorbringe, stehe außer Frage. Vor diesem Hintergrund wollte Carsten Lenk das Thema „mal nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten diskutieren“ und betonte soziale, ökologische und kulturelle Aspekte. Die zu Beginn der Diskussion gestellte Frage: „Ist Wachstum schon ein Wert für sich?“ wurde allerdings nicht diskutiert, geschweige denn beantwortet. Auch eine Auseinandersetzung mit alternativen Wachstumsmodellen blieb aus. Ansätze kamen vereinzelt aus dem Publikum von Vertretern der Transition-Bewegung.

Stattdessen standen Detailfragen im Zentrum, wie etwa die Willkommenskultur für Migranten, Stadtverdichtung und Flächenversiegelung, mangelnde Rückzugsräume vor allem in der Altstadt und das zunehmende Verkehrsaufkommen. Scharfe Kritik übten Bürger und Stadträtin Irmgard Freihoffer (Die Linke) am öffentlichen Nahverkehr. Zu schlecht getaktet und zu langsam, lautete der Vorwurf. Der OB bügelte die Kritik der Stadträtin ab und bezeichnete eine ein- bis zweistündige Busfahrt nach Neutraubling als „Luxusproblem. Er räumte aber ein: „Wir arbeiten gerade an einer neuen RVV-Struktur.“

Wolbergs verteidigte darüber hinaus seine Politik und warb für eine offene Stadt mit einer Willkommenskultur für Neu-Regensburger, Migranten und Flüchtlinge. Prof. Haug stellte dazu einige Zahlen vor. 30 Prozent aller Regensburger und die Hälfte der Schüler in Regensburg habe bereits einen Migrationshintergrund, sagte sie. Bereits seit den 70er Jahren sei die Bevölkerung in Deutschland nur deshalb stabil, weil es Zuwanderung gebe. „Auf diesem Gebiet sind wir schlecht aufgestellt“, sagte Wolbergs. In Bezug auf die neue Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge sagte er aber auch: „Was die Flüchtlingsproblematik angeht in dieser Stadt, bin ich auch richtig stolz auf die Regensburger.“

Ein Fußballverein als Identifikation

Auch Holger Schellkopf ging auf den gewachsen Migrationshintergrund in der Gesellschaft ein und bezeichnete Regensburg als „urbaner“ als noch vor einigen Jahren. Man müsse etwas schaffen, was gemeinsam Identifikation ermögliche. „Hier könnte ein großer Fußballverein helfen“, sagte er und erntete überraschtes Lachen. Im kulturellen Bereich geschehe schon viel. Bei der Identifikations- und Imagebildung sieht der stellvertretende Chefredakteur aber noch Bedarf. Wolbergs stimmte Holger Schellkopf zu. Der Sport biete das größte Integrationspotenzial, sagte er. Kritik an zu vielen Neu-Regensburger aus dem Publikum bot Wolbergs die Stirn. Er könne und wolle Wachstum nicht aufhalten, so der OB. „Meine Aufgabe ist es, Wachstum zu gestalten.“

Im Publikum blieben viele Fragen offen. Die nach der engeren Vernetzung von Stadt und Landkreis etwa. Von einer „Win-Win-Situation“ könne in dem Fall nicht die Rede sein, kritisierte ein Zuhörer. Unter Beschuss stand auch die Entwicklung der Altstadt jenseits der Touristeninteressen. „Das Besondere dieser Stadt geht verloren“, befürchtete eine Frau.

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