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Korruptionsaffäre

Wolbergs-Rückkehr: SPD ist skeptisch

Bei ihrem Jahresempfang: Regensburgs Sozialdemokraten äußern sich zu den Ambitionen des suspendierten Oberbürgermeisters.
Von Curd Wunderlich

Beim SPD-Jahresempfang war Generalsekretär Uli Grötsch Hauptredner. Er motivierte die hiesigen Landtags- und Bezirkstagskandidaten für den Wahlkampf.  Foto: Wunderlich
Beim SPD-Jahresempfang war Generalsekretär Uli Grötsch Hauptredner. Er motivierte die hiesigen Landtags- und Bezirkstagskandidaten für den Wahlkampf. Foto: Wunderlich

Regensburg.Der bayerische SPD-Generalsekretär sparte das Thema Joachim Wolbergs am Sonntagvormittag komplett aus. Uli Grötsch nahm den Namen des suspendierten Regensburger Oberbürgermeisters gar nicht erst in den Mund, als er auf dem zehnten Jahresempfang der hiesigen Sozialdemokraten im Gwäxhaus in der Furtmayrstraße sprach.

Dabei hatte Wolbergs sich ausgerechnet in der Woche vor dem Empfang mal wieder öffentlich zu Wort gemeldet: Er sei nach wie vor von seiner Unschuld überzeugt und wolle – sollte das Gericht zu einem entsprechenden Urteil kommen – 2020 erneut für die SPD für den OB-Posten kandidieren. Das betonte Wolbergs unter anderem in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Das Wort „schwierig“ fällt oft

Unter seinen Parteifreunden herrscht diesbezüglich allerdings eher Skepsis. „Schwierig“ ist das Wort, das am häufigsten fällt, wenn man Genossen auf eine mögliche Rückkehr und erneute Kandidatur Wolbergs’ anspricht. „Schwierig“ sei eine Rückkehr, weil Klarheit herrsche, dass hohe Spendensummen von Bauunternehmen geflossen seien. „Und das Thema Wohnen und Bauen ist nun Mal ein sehr wichtiges“, sagt Wenzenbachs Bürgermeister und Bezirkstagskandidat Sebastian Koch. Er bezweifelt, dass Wolbergs in der eigenen Partei und vor allem in der Bevölkerung in diesem politischen Feld verloren gegangenes Vertrauen vollumfänglich zurückgewinnen könne. Zudem sei es „nicht denkbar, in einen Wahlkampf zu ziehen, wenn der Kandidat mit Teilen der eigenen Stadtratsfraktion und Parteiführung im Clinch liegt“. Koch sagt deutlich: „Da wäre erst eine Versöhnung nötig.“

„Schwierig“ nennt auch Landtagsabgeordnete Margit Wild eine erneute Kandidatur Wolbergs’. Der Zeitplan sei knapp: Das Verfahren soll im September eröffnet werden, 70 Prozesstage sind angesetzt. Spätestens im Herbst 2019 dürfte die SPD ihren Kandidaten für 2020 küren. „Ich bitte ihn, jetzt einfach die Entscheidung des Gerichts abzuwarten“, sagt Wild. Vorsichtig optimistisch äußert sich am Sonntag gegenüber der MZ nur Stadtrat Hans Holler. Er glaubt daran, dass es vor Gericht für Wolbergs gut ausgeht. „Und dann müssen wir in die Diskussion gehen.“

Alles zur Regensburger Korruptionsaffäre lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

Bürgermeisterin als Alternative?

Matthias Jobst, SPD-Landtagskandidat, sagt zwar auch, dass wohl die meisten Sozialdemokraten Wolbergs einen positiven Ausgang des Verfahrens wünschen. Aber: „Seine politische Karriere ist nicht nur davon abhängig. Ich glaube nicht, dass es eine Mehrheit in der Partei für seine weiteren politischen Ambitionen gibt.“ Auch wenn es noch Parteimitglieder gebe, die zu ihm stünden.

Als mögliche Alternative als OB-Kandidatin nennt Jobst – wie zuvor auch schon Koch – Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Die mache einen „super Job“. Koch und Jobst betonen aber, dass die SPD personell breit aufgestellt sei. Jobst nennt auch noch Stadtrat Tobias Hammerl als möglichen Kandidaten, der 2017 erfolglos für den Bundestag kandidiert hatte.

Die hochgelobte Maltz-Schwarzfischer, die nun schon seit Mitte Januar 2017 den Oberbürgermeister im Amt vertritt, äußert sich am Sonntag zurückhaltend. „Ich kann seine Motivation verstehen, Joachim Wolbergs ist von seiner Unschuld überzeugt.“ Außerdem sei er nach wie vor gewählter OB, „natürlich will er zurück“. Die zweite Bürgermeisterin macht aber auch deutlich: „Ich glaube, es wird schwierig. Der Rückhalt in der Partei und in der Bevölkerung ist nicht mehr der von früher.“ Zu ihren eigenen Ambitionen sagt sie nur: „Das entscheidet die Partei, wenn der Zeitpunkt dafür da ist.“

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