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Verkehr

A3-Ausbau: Zwei Probleme bleiben

Die Erweiterung entlastet die Stadtautobahn. Doch die A93 mit dem Tunnel gilt weiter als Nadelöhr. Umso wichtiger: der ÖPNV.
Von Marion Koller

  • Wird der Ausbau der A3 wirklich eine Entlastung bringen, obwohl die Autoströme zunehmen? Ja, sagt Verkehrsplaner Harald Kurzak aus München. Foto: Gruber
  • Wolfgang Wegmann aus Regensburg sieht Stadt und Umland mit 400 E-Autos auf einem guten Weg. Foto: Wegmann

Regensburg.Klaus Wörle trägt immer eine Outdoorjacke. Der Regensburger marschiert täglich von seinem Zuhause in Graß zum Arbeitsplatz am Uniklinikum. Längere Stadtwege radelt er. Wolfgang Wegmann steigt am liebsten in seinen Hyundai Ioniq, ein E-Auto. Beide sind überzeugt, dass die Mobilitätswende hin zu einem umweltfreundlicheren Verkehr in der Region Regensburg gelingt – auch wenn es zurzeit nicht danach aussieht.

Schwerverkehr nimmt nicht mehr so stark zu

Der Autoverkehr: Sechs Jahre lang müssen die Pendler aus Ostbayern mit den Bauarbeiten auf der A3 und vielen Staus leben. Wird sich das lohnen? Oder wird sich bis zur Fertigstellung die Zahl der Fahrzeuge so stark erhöht haben, dass alle wieder im Stop-and-go-Modus dahinschleichen? Der Münchner Verkehrsplaner Professor Harald Kurzak versichert, dass die A3 nach dem Ausbau leistungsfähig sein wird. Sie sei eine Hauptachse des Schwerverkehrs, doch die Zunahmen sind nicht mehr so hoch.

„Probleme bleiben die A93 mit dem Pfaffensteiner Tunnel als Engpass und der Widerstand gegen die Sallerner Regenbrücke, gegen die sieben Klagen laufen.“ Mit dem Nadelöhr Tunnel müsse die Stadt leben. „Zum Glück tut sie einiges für den ÖPNV.“

„Da kann ich gleich umsteigen“

Trotzdem überwiegen in Regensburg immer noch die Autos. Der Pkw hat einen Anteil von 51 Prozent am Gesamtverkehr in der Stadt, 19 Prozent sind Fahrradfahrer, 17 Prozent gehen zu Fuß und 13 Prozent nutzen den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Die Zahlen stammen von 2011, heuer wird die Stadt das Verkehrsverhalten wieder untersuchen. Zum Vergleich: In Kopenhagen und Oslo fahren nur etwas mehr als 30 Prozent Auto – und das auch noch mit Ökostrom.

„Vielleicht hilft der A3-Ausbau und die Leute sagen, jetzt stehe ich eh im Stau, da kann ich gleich aufs Radl umsteigen.“

Dr. Klaus Wörle, Fahrradaktivist

„Vielleicht hilft der A3-Ausbau und die Leute sagen, jetzt stehe ich eh im Stau, da kann ich gleich aufs Radl umsteigen“, sagt Dr. Klaus Wörle. Er hält Regensburg heute schon für eine Fahrradstadt, inzwischen seien 23 Prozent mit dem Drahtesel unterwegs, schätzt er. Große Hoffnungen setzt der Medizinphysiker auf eine Tram, die der Stadtrat wünscht. Das kann zehn Jahre dauern, aber die Stadtbahn hebt den ÖPNV auf ein anderes Niveau, auch durch die Anbindung an Landkreisbusse – oder gleich mit Linien ins Umland.

Andere Städte reagierten früher

Wörle, Kreischef des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, fordert weitere Überholspuren für Busse und breitere Fahrradwege. „Man muss Fahrspuren, die jetzt dem Auto dienen, dem ÖPNV geben.“ Andere Städte hätten das früher angepackt.

Die Regensburger Planungsreferentin Christine Schimpfermann will den Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsarten von 49 auf 60 Prozent erhöhen. Die Stadtwerke verhandeln laut Sprecher Martin Gottschalk mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer über zusätzliche Busüberholspuren, Vorfahrt an Ampeln und ein besseres Busnetz im Norden. Sie wissen, dass nur mehr Leute die Stadtautobahnen verlassen und auf den ÖPNV umsteigen, wenn er schneller wird.

Die Radweglücken endlich schließen

Schimpfermann will wichtige Radweglücken ins Umland schließen, zum Beispiel in den Nordosten. Auch das nimmt Verkehr von den Stadtautobahnen. Klaus Wörle hofft, dass bald mehr Leute das E-Carsharing nutzen. „Es ist ökologisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll, dass jeder ein eigenes Auto hat.“ Den Pendlern aus der Region gesteht er das Auto zu, aber wer kann, soll verzichten.

Die Wirtschaft ist auf funktionierende Verkehrswege angewiesen. Schimpfermanns Lösung: Eine sechsstreifige A3, die dann weniger stauanfällig ist, ein umgebautes und dadurch leistungsfähiges Autobahnkreuz, ein besserer Anschluss der Pilsen-Allee an die B16.

E-Pionier Wolfgang Wegmann sieht Stadt und Umland mit 400 privaten E-Autos und vielen Ladestationen auf einem guten Weg. Gemeinden stellen Ladesäulen auf, BMW, Conti und Infineon lassen die Mitarbeiter „tanken“. „Die Technik kann es, es ist wirtschaftlich, auch die Autoindustrie vollzieht den Schwenk“, sagt Wegmann (53), dem aber alles zu lange dauert.

Zukunfsforscher Dr. Eike Wenzel erwartet, dass selbstfahrende Kleinbusse die Menschen abholen werden. Foto: Wenzel
Zukunfsforscher Dr. Eike Wenzel erwartet, dass selbstfahrende Kleinbusse die Menschen abholen werden. Foto: Wenzel

Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel aus Heidelberg sagt zum A3-Ausbau: „Es ist keine Frage, wir müssen unsere Straßen erneuern, der Mobilitätsbedarf wird weiter wachsen, auch wenn wir 2030 autonome Fahrzeuge haben.“ Er kann sich vorstellen, dass die eher von Städten ausgehende Mobilitätswende im Raum Regensburg klappt – und die Situation auf der A93 entspannt.

„Wir müssen raus aus der Benzinkultur.“

Dr. Eike Wenzel, Zukunftsforscher

Die heute schon möglichen Schritte seien Anschaffung von E-Mobilen, das Umsteigen auf Busse, Zug, E-Bike. „Wir müssen raus aus der Benzinkultur“, fordert der Trendforscher. Noch fährt er selbst einen Diesel – aber „das ist der letzte“. Wenzel, der häufig in TV-Debatten zu sehen ist, erwartet, dass autonome E-Fahrzeuge die große Wende bringen werden. Sie werden zirkulieren „wie kleine Busse“. Jeder kann sie rufen, sie fahren auch aufs Land. „Das wird ein Teil des digital vernetzten ÖPNV werden. Ich überlege mir morgens, wohin ich muss, und tippe es in die App. BMW oder Mercedes machen mir ein Angebot.“ Staus werde es in dieser mobilen Zukunft nicht mehr geben.

Das MZ-Spezial zum A3-Ausbau:

Wo müssen Pendler aktuell mehr Zeit einplanen? Auf www.mittelbayerische.de/a3 informieren wir über die aktuelle Verkehrslage auf der A3 und in der gesamten MZ-Region sowie über die Bauarbeiten auf der Mega-Baustelle.

Aktuelles aus der Region, Unfallmeldungen und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie machen es vor

  • Reutlingen

    (116 000 Einwohner) setzt seit einer Woche den Luftreinhalteplan des Landes Baden-Württemberg um. Temporeduzierungen von 50 km/h auf 40 für alle Fahrzeuge und ein Lkw-Durchfahrtsverbot auf der hauptbefahrenen Lederstraße sind in Kraft getreten. Ein Stadtbuskonzept mit 200 zusätzlichen Bussen und engmaschiger Taktung startet 2019. Im April beginnt der Bau der ersten Fahrradstraße, auf der Radler Vorfahrt vor Autos haben. Der Clou: Alle Besitzer von Dieselwagen, die nicht der neuesten Euro-6-Norm entsprechen, bekommen ein Jahresabo für den Verkehrsverbund, wenn sie aufs Auto verzichten und den Fahrzeugschein abgeben. Laut Stadtsprecherin Cordula Walleit hofft Reutlingen auf das „Blaue Umwelt-Paket“ des Bundes. Förderung wurde bereits zugesagt.

  • Tübingen

    (88 000 Einwohner) hat zwei Diesel-Hybrid-Busse in seine TüBus-Flotte aufgenommen. Nach den ersten Monaten zeigte sich: Sie bewähren sich im Linienverkehr. Fürs Carsharing stellt die Stadt zusammen mit teilAuto Neckar-Alb zehn Opel zur Verfügung.

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