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A3-Ausbau
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Verkehr

Ausbau: Alternativen zur A3 gesucht

Wie entkommen Pendler während der Bauarbeiten dem Stauchaos? Regensburger Experten hoffen auf viele ÖPNV-Umsteiger.
Von Curd Wunderlich

Zu viel Verkehr: Auf der A3 staut es sich während des Ausbaus immer wieder. Experten diskutierten Ausweichmöglichkeiten. Foto: Gruber
Zu viel Verkehr: Auf der A3 staut es sich während des Ausbaus immer wieder. Experten diskutierten Ausweichmöglichkeiten. Foto: Gruber

Regensburg.Sechs Jahre sollen die Arbeiten für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und der Anschlussstelle Rosenhof dauern. Für zehntausende Pendler aus der Donaustadt und der Region, die die Autobahn als Umgehungsstraße nutzen, könnten diese sechs Jahre Dauerstaus bedeuten und viele Nerven kosten. Viele suchen daher jetzt nach Alternativen, um dem Chaos zu entgehen. Am Donnerstagabend beschäftigte sich die Zukunftswerkstatt Prüfening im Gemeindehaus St. Markus mit diesem Thema.

Bei einer Podiumsdiskussion versuchten Susanne Stangl vom Bund Naturschutz, Michael Köstlinger, der Abteilungsleiter Verkehrsplanung der Stadt Regensburg, Christoph Häusler, Leiter der Verkehrsentwicklung Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im Landratsamt, und RVV-Geschäftsführer Frank Steinwede Antworten auf die Frage zu finden, wie Pendler während der langjährigen Umbaumaßnahmen sicher ans Ziel kommen. Im Fokus standen dabei die Förderung des Radverkehrs und des ÖPNV. Wolfgang Bogie vom Verkehrsclub Deutschland in Regensburg moderierte die Debatte.

Lesen Sie hier einen Kommentar von MZ-Redakteurin Marianne Sperb zum Thema:

Kommentar

Ostbayern ausgebremst

Regensburg wächst. Die Oberpfalz-Metropole, heute rund 160 000 Einwohner stark, wird in einigen Jahren 180 000 Bürger haben. Und: In Ostbayern, das in...

Akzeptanz der Bevölkerung

Stangl forderte die Regensburger Arbeitgeber auf, Mitfahrplattformen in den Firmen zu etablieren und das RVV-Jobticket noch stärker zu fördern. „Wir haben jetzt mit dem Ausbau die Chance, dass mehr Menschen auf ökologische Mobilität setzen“, meinte sie. Besonders zuversichtlich, dass dieser Umstieg bei vielen von Dauer sein wird, zeigte die Umweltschützerin sich aber nicht: „Mehr Straßen erzeugen immer auch mehr Verkehr“, befürchtet sie. Sobald die A3 sechsspurig befahrbar sei, würden die meisten wohl wieder den eigenen Pkw bevorzugen.

Köstlinger zeigte sich zuversichtlicher. Der Autobahnausbau sei wichtig und zukunftsweisend für die Stadt und die Region – „es steigen aber schon heute viele Menschen um“. Und das wolle man im Rathaus auch weiter forcieren. Man brauche allerdings Geduld: Verbesserungen wie die Einrichtung zusätzlicher Bahnhaltepunkte wie an der Walhallastraße bräuchten aufgrund langwieriger bürokratischer Prozesse seine Zeit. Und wenn die Stadt Fahrstreifen auf der Straße für die Autos sperren wolle, um den Busverkehr zu bevorzugen, erfordere das ein Umdenken in der Bevölkerung: „Das muss dann auch akzeptiert werden. Das ist ein gesellschaftspolitischer Prozess.“

„Je näher an der Stadt, desto weniger Leute steigen noch um.“

Frank Steinwede, RVV-Geschäftsführer

Sorge: Busse ständig im Stau

Steinwede äußerte die Sorge, dass seine Busfahrer in den nächsten Jahren „auch ständig im Stau des Fluchtverkehrs stecken bleiben und uns dann die Fahrgäste wegrennen“. Ein noch größerer Verkehrskollaps wäre vorprogrammiert. Mit seinem Team will er daran arbeiten, das ÖPNV-Angebot noch attraktiver zu gestalten. Für die nächsten Monate kündigte er an, dass in der RVV-App auch Leihfahrräder und Car-Sharing-Angebote integriert werden sollen, mit denen noch bessere Verbindungen möglich sein könnten. Damit das Angebot von den Bürgern auch angenommen werde, nahm er Politik und Verwaltung in die Pflicht: Die müssten dafür sorgen, dass Busse mit eigenen Fahrspuren schnell ans Ziel kommen, Radwege überall vorhanden und attraktiv sind – und sie müssten weiter auf eine Stadtbahn hinarbeiten.

Häusler stellte die Pendlerparkplätze im Landkreis heraus, die unterschiedlich gut angenommen würden. „Je näher an der Stadt, desto weniger Leute steigen noch um“, habe seine Erfahrung gezeigt. Nochmals besser könnten aus seiner Sicht die „Park & Ride“-Plätze ausgelastet sein, die an verschiedenen Bahnhöfen und Bushaltepunkten ein Umsteigen auf den ÖPNV ermöglichen. Er hofft, dass das während des A3-Ausbaus mehr Menschen tun – und danach auch dabei bleiben.

Was sagen Experten zur Problematik? Klicken Sie auf das Bild, navigieren Sie sich durch die Galerie und lesen Sie die Meinung der Experten:

Expertenmeinung zum A3-Ausbau

Das MZ-Spezial zum A3-Ausbau:

Wo müssen Pendler aktuell mehr Zeit einplanen? Auf www.mittelbayerische.de/a3 informieren wir über die aktuelle Verkehrslage auf der A3 und in der gesamten MZ-Region sowie über die Bauarbeiten auf der Mega-Baustelle.

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  • FH
    Franz Huber
    23.03.2018 20:45

    Die Umsteuerung auf die Schiene für den Güter - und den Personenverkehr ist jetzt die vornehmste Aufgabe des neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Es ist die effektivste Form der Elektromobilität. Ich hoffe er ist jetzt ausreichend "elektrifiziert" und entpuppt sich nicht als "Klon" seiner Vorgänger im Amt und er zählt beim Einschlafen nicht Schäfchen, sondern Eisenbahnschwellen für Schieneninfrastruktur. Die aufgelaufenen Defizite sind groß. Stichworte: Zuführung Brennerbasistunnel, Rheintalbahn als Zuführung zu Gotthardtunnel (Italien - Rotterdam), Zugverbindung nach Prag (Tschechien) mit Fernbahnanbindung am Flughafen München und zahlreiche regionale Bahnlinien für die Optimierung des Pendlerverkehrs.

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  • FH
    Franz Huber
    23.03.2018 20:43

    Die Verkehrsproblematik im Großraum Regensburg im Zusammenhang mit dem sechsspurigen Ausbau der BAB A3 treibt derzeit berechtigterweise viele Initiativen um. Die Bewältigung der regionalen Pendlerströme, alleine mit dem Fahrrad ist aber realitätsfremd, naiv und nicht für alle alltagstauglich. Zielführender sind die Vorstellungen von Dr. Christoph Häusler, den Ausbau des SPNV zu favorisieren und auszubauen. Dabei reicht es aber nicht aus, wenn die Kommunen und Gebietskörperschaften, individuell ihr spezielles eigenes "Süppchen" kochen. Über die jeweilige Zuständigkeitsgrenze (großräumig) hinaus ist deshalb zukunftsgerichtete, forcierte Abstimmung und Koordination auf höchster Ebene notwendig – sonst wird das nix!

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