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Und täglich grüßt das Nadelöhr A3

Früh starten, Schleichwege suchen oder Bahn fahren: Pendler erzählen, wie sie der Baustelle bei Regensburg ausweichen wollen.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Stoßstange an Stoßstange: Während des sechsjährigen Ausbaus der A 3 brauchen wohl insbesondere die Pendler starke Nerven. Foto: Stephan Jansen/dpa
Stoßstange an Stoßstange: Während des sechsjährigen Ausbaus der A 3 brauchen wohl insbesondere die Pendler starke Nerven. Foto: Stephan Jansen/dpa

Regensburg.Zigtausende Pendler müssen täglich nach Regensburg oder an Regensburg vorbei zu ihrem Arbeitsplatz. Wie Sie den Staus rund um die Großbaustelle entkommen wollen, erzählen sie im MZ-Interview.

Von Bayerischen Wald nach Regensburg: Die Frühaufsteherin

Das Ortsschild der Gemeinde Blaibach im Kreis Cham; Foto: Weber
Das Ortsschild der Gemeinde Blaibach im Kreis Cham; Foto: Weber

Der frühe Vogel vermeidet den Stau. Bei Corinna Wache, die werktags um fünf Uhr morgens von Blaibach im Bayerischen Wald nach Regensburg aufbricht, trifft das zu. Über Cham, Falkenstein und die A3 schafft sie mit ihrer Fahrgemeinschaft die rund 80 Kilometer lange Strecke in einer Stunde. „Morgens ist die Fahrt relativ entspannt“, sagt die 20-Jährige. Das Leid vieler Pendler teilt sie am Nachmittag. Wenn es gegen 15.45 Uhr zurück auf die Autobahn Richtung Straubing geht, dann herrscht massives Verkehrsaufkommen. „Zwar stehen wir nicht so oft im Stau wie die Autofahrer auf der Gegenfahrbahn, doch rücksichtsloses Verhalten trifft auch uns.“

Corinna Wache aus Blaibach
Corinna Wache aus Blaibach

Corinna Wache berichtet von Verkehrsteilnehmern, die in der auf 120 Stundenkilometer beschränkten Zone mit Vollgas und Lichthupe unterwegs sind. „Die drängeln wie die Wahnsinnigen.“ Immer wieder erlebt die 20-Jährige deshalb brenzlige Situationen. „Mich wundern die schweren Unfälle nicht.“ Angesichts des weiter wachsenden Verkehrsaufkommens hält sie den Ausbau der A3 für richtig und wichtig. „Auch wenn es besser gewesen wäre, gleich auf acht Spuren zu gehen.“

Anreise aus dem Landkreis Schwandorf: Der Flexible

Das Ortsschild der Stadt Nabburg im nördlichen Landkreis Schwandorf; Foto: Beer-Dausch
Das Ortsschild der Stadt Nabburg im nördlichen Landkreis Schwandorf; Foto: Beer-Dausch

Maximilian Peither aus Nabburg nutzt seine flexiblen Arbeitszeiten, um Staus zu vermeiden. Dennoch verbringt er immer mehr Zeit im Auto.

Sich über die Verkehrssituation aufzuregen, das bringt einen auch nicht schneller ans Ziel, sagt Maximilian Peither aus Nabburg (Lkr. Schwandorf). Während er beim Blick in andere Autos sieht, wie die Fahrer angesichts der Verkehrssituation granteln, versucht er es mit Flexibilität. Morgens verlässt er um 5.30 Uhr das Haus, um möglichst vor dem Berufsverkehr den Pfaffensteiner Tunnel zu passieren.

Maximilian Peither aus Nabburg
Maximilian Peither aus Nabburg

„Starte ich nur zehn Minuten später, merke ich ab Ponholz den immer dichter werdenden Verkehr.“ Da reicht eine kleine Unachtsamkeit eines Autofahrers, um den Verkehr rund um den Pfaffensteiner Tunnel völlig lahmzulegen. Auch am Nachmittag reagiert Peither vorausschauend, um seinen Nachhauseweg nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Der Beamte im öffentlichen Dienst wechselt die Strecken entsprechend dem Verkehrsaufkommen. Die A3 umgeht er über die Osttangente, manchmal fährt er Landstraße und stößt erst in Regenstauf auf die Autobahn. Aus 45 Minuten Fahrtzeit kann dennoch schnell eine Stunde und mehr werden. „Ich meine, nicht nur die A3, auch die A93 sollte erweitert werden.“

Von Nittendorf nach Wörth: Der Ausbaugegner

Das Nittendorfer Ortsschild am Ortseingang; Foto: Stöcker-Gietl
Das Nittendorfer Ortsschild am Ortseingang; Foto: Stöcker-Gietl

Berufsbedingt hat Dr. Wolfgang Sieber mit Lungenerkrankungen zu tun. Auch deshalb sieht er das immer höher werdende Verkehrsaufkommen sehr kritisch. „Schon jetzt sterben mehr Regensburger und Landkreisbürger laut Hochrechnungen durch Umwelt-Schadstoffe aus Autos als durch Verkehrsunfälle.“ Für den Ausbau der A3 würden nun Milliarden investiert, die nach Ansicht von Sieber weitaus besser im Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel angelegt wären.

Dr. Wolfgang Sieber aus Nittendorf
Dr. Wolfgang Sieber aus Nittendorf

Eine Stadtbahn, die – wie einst das Walhalla-Bockerl – bis nach Wörth errichtet werden könnte, wäre eine Idee, die Sieber, der an der Kreisklinik Wörth als Chefarzt der Pneumologie arbeitet, vorschwebt. Sieber selbst ist bereits auf ein Elektroauto umgestiegen. Wie er nun während der sechsjährigen Bauzeit täglich von Nittendorf nach Wörth pendeln wird, darüber hat er sich intensiv Gedanken gemacht. „Ich werde den Zug nach Obertraubling nehmen und dort entweder mit meinem Auto weiterfahren oder mit dem Fahrrad.“ Auch an der Klinik in Wörth hat man sich auf die Großbaustelle vorbereitet und einen zweiten Notarzt installiert – falls ein Arzt im Stau feststeckt.

Lesen Sie auch: Der Autobahnausbau wird Tausende Pendler aufhalten. Die größten Regensburger Arbeitgeber reagieren mit flexiblen Jobzeiten.

Von Hohenschambach zur Uni: Der Entspannte

Hohenschambach gehört zur Stadt Hemau. Foto: Nurtsch
Hohenschambach gehört zur Stadt Hemau. Foto: Nurtsch

Markus Meier ist viel unterwegs. Zwei, drei Tage in der Woche macht der 41-Jährige Kundenbesuche für die Firma Bavaria Zeitdienst, einem Hersteller für Schranken- und Sicherheitssysteme. Der Verkehr, sagt er, hat in den vergangenen 20 Jahren unglaublich zugenommen – in ganz Bayern. „Früher, wenn ich nachts unterwegs war, war ich auch mal alleine auf der A9. So etwas passiert heute nicht mehr.“ Meiers Firma liegt im Stadtsüden Regensburgs. Die A3 verlässt er an der Ausfahrt Universität. „Die Staus kommen ja meistens danach.“

Markus Meier aus Hohenschambach
Markus Meier aus Hohenschambach

Wenngleich auch Meier immer häufiger in stockenden Verkehr gerät, der in der Regel zwischen den Ausfahrten Nittendorf und Sinzing beginnt. Bislang beschränken sich die Verzögerungen auf wenige Minuten. „Das dürfte aber mit der Baustelle schlimmer werden.“ Dennoch hält Meier den Ausbau für unausweichlich. „Kurzfristig ist das sicherlich eine Katastrophe, aber langfristig alternativlos.“ Eine Ausweichstrecke im Berufsverkehr hat der Hohenschambacher sich noch nicht gesucht. Auch sonst bleibt er erstmal entspannt: „Wenn wir alle ein wenig Rücksicht aufeinander nehmen, dann wird es schon gehen.“

Das MZ-Spezial zum A3-Ausbau:

Wo müssen Pendler aktuell mehr Zeit einplanen? Auf www.mittelbayerische.de/a3 informieren wir über die aktuelle Verkehrslage auf der A3 und in der gesamten MZ-Region sowie über die Bauarbeiten auf der Mega-Baustelle.

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