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A3-Ausbau
Freitag, 25. Mai 2018 24° 8

Infrastruktur

Wichtige Antworten zum Ausbau der A3

Die Bauarbeiten an der für Ostbayern zentralen Verkehrsachse haben begonnen. Mit Behinderungen und Stau ist zu rechnen.
von Christine Straßer

Die A3 ist eine Hauptschlagader für den Verkehr in Ostbayern. Foto: Lex

Warum ist der sechsspurige Ausbau der A3 notwendig?

Die A3 ist eine der wichtigsten Ost-West-Achsen Deutschlands. Für den Verkehrsfluss in und durch Ostbayern ist sie eine der Hauptschlagadern. Die Verkehrsdichte ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Daten der Dauerzählstellen, die die Bundesanstalt für Straßenwesen installiert hat, belegen die hohe Auslastung. 2016 waren demnach im Durchschnitt mehr als 57 000 Fahrzeuge zwischen Neumarkt und Rosenhof unterwegs, wobei der Verkehr Richtung Regensburg stetig anschwillt. Während die Zählstelle bei Neumarkt rund 38 000 Fahrzeuge pro Tag registriert, sind es am Autobahnkreuz Regensburg Ost fast doppelt so viele (circa 78 500). Der Anteil des Schwerverkehrs liegt bei deutlich mehr als 10 000 Fahrzeugen täglich. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt aller Zählstellen lag 2013 bei 47 600 Fahrzeugen in 24 Stunden.

Welche Baumaßnahmen sind auf dem betroffenen Streckenabschnitt der A3 konkret geplant?

Zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und der Anschlussstelle Regensburg Rosenhof wird die A3 sechsspurig ausgebaut. Die Baumaßnahmen erstrecken sich über eine Länge von 14,7 Kilometern. Auch 16 Brücken werden in diesem Bereich neu gebaut.

Welche Bauabschnitte werden auf der Strecke von Rosenhof bis zum Kreuz Regensburg als erstes angegangen?

Der Neubau der Eisenbahnbrücke in Burgweinting ist das Schlüsselbauwerk beim A3-Ausbau. Foto: Lex

Los ging es am 1. März mit den Arbeiten am Schlüsselbauwerk auf der Ausbaustrecke: Das ist der Ersatzneubau für die Eisenbahnbrücke in Burgweinting, die auf knapp 200 Metern Länge 23 Gleise überspannt. Dieser Neubau wird allein vier Jahre dauern. Er erfolgt im technisch anspruchsvollen Taktschiebeverfahren. Das bedeutet: Die alte Brücke wird Meter für Meter aus dem Lager geschoben und gleichzeitig die neue Brücke eingesetzt.

Zahlen und Fakten zur Bahnbrücke Burgweinting

Außerdem wird nun an vier weiteren Brücken gearbeitet: der Überführung Markomannenstraße, der Überführung Eisackerstraße (Irl/Leipnizstraße), der landwirtschaftlichen Brücke am Umspannwerk Barbing sowie der Brücke Oberheising-Unterheising.

Was bekommen die Autofahrer vom Ausbau der A3 mit?

Der Ausbau auf der A3 ist für die Verkehrsteilnehmer bereits deutlich spürbar. Der Verkehr in Richtung Passau wurde in Höhe der Baustelle an der Brücke Burgweinting nach links gedrückt. Beide Fahrspuren wurden eingeengt. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer ist eingerichtet. Die Fahrspuren in Richtung Nürnberg sind nicht betroffen. Seit 12. März sind drei Überführungen (Eisackerstraße, Brücke am Umspannwerk Barbing sowie der Brücke Oberheising-Unterheising) über die A3 gesperrt. Die Überführung Markomannenstraße im Stadtgebiet Regensburg steht noch bis zum 8. April für den Verkehr zur Verfügung.

Vorbereitende Maßnahmen liefen bereits seit Herbst vergangenen Jahres. An der A3 fielen sie besonders umfangreich aus, weil insbesondere der Osten Regensburgs im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurde, musste jeder Quadratmeter nach Blindgängern abgesucht werden. Die Autobahndirektion Süd, die für den Bau verantwortlich ist, rechnet außerdem damit, dass während der Bauarbeiten weitere Blindgänger gefunden werden, so dass es zu Verzögerungen im Ablauf kommen könnte.

Muss die A3 während der Bauarbeiten für den Verkehr gesperrt werden?

Nein. Der Verkehr soll durchgängig auch während der Bauarbeiten auf vier Spuren fließen. Auch die Anschlussstellen sollen geöffnet bleiben. Wegen Abbrucharbeiten an vier Überführungen wird die A3 zwischen den Anschlussstellen Regensburg Universität und Rosenhof allerdings an drei Wochenenden gesperrt werden müssen: in der Nacht von 14. auf 15. April, 16. und 17. Juni sowie 21. und 22. Juli, jeweils von Samstag, 20 Uhr, bis Sonntag, 14 Uhr.

Wie groß sind die Behinderungen, mit denen während der Bauzeit zu rechnen ist?

Immens. Schon jetzt ist die A3 ein Stauschwerpunkt. Nirgendwo in der Oberpfalz stehen Autofahrer so oft und so lange Stoßstange an Stoßstange wie auf dem Autobahnabschnitt zwischen dem Kreuz Regensburg und der Anschlussstelle Neutraubling. Während der Bauphase wird sich die Situation noch verschlimmern. An Baustellen sinkt erfahrungsgemäß der Verkehrsfluss. Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Süd, sagt, dass an Baustellen erfahrungsgemäß 20 bis 30 Prozent weniger Fahrzeuge passieren können als davor.

Wie sollen Staus auf der A3 während der Bauzeit vermieden werden?

Die Staugefahr auf der A3 wird steigen. Foto: Armin Weigel/dpa

Das wird schlichtweg nicht möglich sein. Aber während der gesamten Bauzeit soll die Autobahn vierspurig befahrbar bleiben. Es wird gebaut, während der Verkehr auf verengten Spuren vorbeigeführt wird. Mit 3,25 Metern Breite auf der rechten und 2,75 Metern Breite auf der linken Spur sind die Fahrbahnen sogar noch vergleichsweise breit. Um Unfälle an den Baustellenbereichen zu verhindern, wird das Tempo außerdem gedrosselt. Der Regelfall sind 80 Stundenkilometer. Die Polizei hat angekündigt, dass die Einhaltung insbesondere der Geschwindigkeitsbegrenzungen vor und im Baustellenbereich eingehalten werden. In einer Pressemitteilung dazu heißt es: „Regeln werden insbesondere dann eingehalten, wenn sie auch überwacht werden!“. Die Autobahndirektion erwägt auch, Sichtschutzwände aufzustellen, weil so vermieden werden könnte, dass Fahrer abgelenkt werden. Von Beginn an wird die Verkehrssituation genau beobachtet. Sollte es zu vielen Unfällen im Baustellenbereich kommen, wird gegengesteuert – durch intensivere Geschwindigkeitskontrollen und durch eine Absenkung des Tempolimits. Denn die größte Stauquelle sind Unfälle im Bereich einer Baustelle. Außerdem plant die Autobahndirektion, Daten über Stauzeiten zu erheben und auf einer eigenen Webseite zu veröffentlichen. So sollen sich Verkehrsteilnehmer informieren können, wann besonders kritische Zeiten sind. Großräumige Umleitungen soll es während der gesamten Bauphase hingegen nicht geben.

Wie sollen sich Verkehrsteilnehmer im Fall eines Unfalls verhalten?

Damit Rettungskräfte und Polizei rasch zu einer Unfallstelle kommen, ist es wichtig, dass schnell eine Rettungsgasse gebildet wird. Foto: Jan Woitas/dpa

Unfallbeteiligte sollen laut Angaben der Polizei bei geringfügigen Schäden, soweit die Fahrzeuge noch fahrbereit sind, nach ersten Abklärungen unverzüglich beiseite fahren. Das Polizeipräsidium Regensburg weist darauf hin, dass dies gerade in Baustellenbereichen besonders wichtig ist. Unfallbeteiligte, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, können mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 35 Euro belegt werden. Im Baustellenbereich gibt es ausgewiesene Unfallbuchten. Unfallbeteiligte können die Autobahn aber auch an der nächsten Anschlussstelle verlassen, wo sie sich gefahrlos wieder zur Klärung offener Fragen zusammenfinden können. Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen eine Rettungsgasse bilden. Das Polizeipräsidium betont: „Je eher Polizei oder Hilfsfahrzeuge wie beispielsweise auch Abschleppfahrzeuge an die Unfallstelle gelangen, umso schneller kann die Fahrbahn geräumt und der Verkehr wieder frei gegeben werden.“ Eine funktionierende Rettungsgasse leiste dazu einen maßgeblichen Beitrag. Bei Nichtbeachtung droht ein Bußgeld von bis zu 320 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot. Darüber hinaus hält das Polizeipräsidium fest, dass Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten zu befolgen sind. Sie gehen allen anderen Anordnungen und sonstigen Regeln vor, entbinden den Verkehrsteilnehmer jedoch nicht von seiner Sorgfaltspflicht.

Wie hoch sind die Kosten für den sechsspurigen Ausbau des Streckenabschnitts?

Die Autobahndirektion Südbayern beziffert die Projektkosten auf 270 Millionen Euro, 40 Millionen davon kostet die Brücke Burgweinting.

Wann soll der Ausbau des Streckenabschnitts nach derzeitiger Planung abgeschlossen sein?

Die Autobahndirektion Süd rechnet mit einer Bauzeit von sechs Jahren.

Welche Alternativen haben Pendler, die dem Stau auf der A3 entkommen möchten?

Stadt und Landkreis Regensburg dringen auf einen Ausbau des Schienenverkehrs, der unabhängig vom Stau auf der A3 ist. Deshalb ergingen bereits Hilferufe an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Die BEG prüft derzeit, ob bei Zügen, die während der Stoßzeiten bereits sehr voll sind, zusätzliche Waggons angehängt werden können. Wie die BEG mitteilt, stehen diese Prüfungen aber noch am Anfang, zumal nähere Angaben zu den konkreten Auswirkungen im Regensburger Stadtverkehr noch fehlten. Der Landkreis Regensburg prüft unterdessen verschiedene Maßnahmen, um Pendlern den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel schmackhaft zu machen. Die Fahrzeiten und die Busumläufe im Regionalverkehr müssen angepasst werden und eventuell zusätzliche Busse für die Region zur Verfügung gestellt werden, wie Josef Weigl, Geschäftsführer von Regensburger Verkehrsverbund (RVV) und der landkreiseigenen Verkehrsgesellschaft GfN, schilderte. Prüfen lassen will der Landkreis zudem, ob nicht die Standspur auf der Autobahn zwischen Sinzing und dem Kreuz Regensburg für Busse reserviert werden könnte. Landrätin Tanja Schweiger brachte auch einen späteren Schulbeginn bei gleichbleibendem Schulende als Überlegung ins Spiel.

Was machen die großen Unternehmen, die entlang der A3 ansässig sind?

Die großen Arbeitgeber reagieren unterschiedlich. Nach Möglichkeit wurden Schichtzeiten so angepasst, dass Stoßzeiten umgangen werden. Auch Gleitzeit wird vielfach angeboten und die Zahl der Stellplätze für Zweiräder erhöht. BMW setzt schon seit langem auf Werksbusse. Bei Bedarf könnte das Angebot erhöht werden.

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Trotzdem: „Industriebau und Logistik rechnen mit großen Problemen“, sagte IHK-Präsident Gerhard Witzany. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes fügte hinzu, Regensburg als „am stärksten wachsender Wirtschaftsstandort in Bayern und stark wachsende Stadt“ sei besonders auf funktionierende Verkehrswege angewiesen. „Für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist es zu spät“, kritisierte er.

Wie geht es nach dem sechsspurigen Ausbau des Abschnitts von Rosenhof bis zum Kreuz Regensburg weiter auf der A3?

Die Strecke ab Kreuz Regensburg bis Nittendorf ist in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgerückt. Auch dieser etwa 13 Kilometer lange Abschnitt soll sechsspurig ausgebaut werden. Ein Zeitplan für Regensburg-Nittendorf existiert noch nicht. Aber die marode Autobahnbrücke bei Sinzing, die auf der Strecke liegt, muss in zehn bis 15 Jahren erneuert werden. Voruntersuchungen werden bereits angestellt.

A3 und A93 – Die Hauptschlagadern der Oberpfalz: Die beiden Bundesautobahnen sind die bedeutendsten Verkehrsachsen der Region. Wie viele Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs? Wo passieren die meisten Unfälle? Wo staut es sich? Eine Analyse zum Thema finden Sie hier.

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