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Kultur

Alte wieder jung: Europa in Regensburg

Die Welterbestadt an der Donau zeigte sich zum Bürgerfest gewohnt offen: Für einen Chor aus Triest wurde sie zum Jungbrunnen.
Von Helmut Wanner

Die jung gebliebenen „Giocosi di Trieste“ unter Severino Zannerini brachten viel Begeisterung an den Donaustrand. Foto: Wanner
Die jung gebliebenen „Giocosi di Trieste“ unter Severino Zannerini brachten viel Begeisterung an den Donaustrand. Foto: Wanner

Regensburg.Wo endet Italien, wo beginnt Bayern? Severino Zannerini, Leiter des Chores „I giocosi di Trieste“ wusste es selber nicht so recht bei diesem Bürgerfest, das das Motto hatte „Regensburg in Europa“. Die Weltkulturerbe-Stadt galt ja mal als die nördlichste Stadt Italiens. Der Pensionist deutete auf den blauen Himmel über der Wurstkuchl, als er den Song von Paolo Conte ankündigte. „Azurro, wie der Himmel über Regensburg, gestern, heute und morgen.“ Einst ein bekannter Cellist und Orchesterchef macht Zannerini Musik nur noch zum Vergnügen.

Der Name des Chors war Programm. Die 25 Damen in langen schwarzen Kleidern mit großen weißen Blumen drehten sich wie Mädchen bei ihrer ersten Tarantella. Silvia Bertino-Trapp von den Amici D’Italia hatte den Kontakt reaktiviert. 2012 hatte Zannerini 300 Objekte für die Ausstellung „Pinocchio ein Italiener in der Welt“ gestellt. Er gilt als weltweit größte Pinocchio-Sammler. Die Menschen aus der einst österreichischen Hafenstadt verbindet eine Liebe zur Donau. Es war schließlich der Triester Claudio Magris, der dem zweitlängsten Fluss Europas, der 10 Nationen miteinander verbindet, ein Buch widmete.

Sehen Sie hier mehr Bilder vom Bürgerfest-Sonntag:

Das war Tag drei auf dem Bürgerfest

Alte Bürgerfest-Filme liefen im Garbo-Kino

Das Garbo machte den Unterschied: Dort laufen die alten Filme. Beim Bürgerfestfilm 1999 fiel auf, dass sich Bürgermeisterin noch beim „Wettergott“ bedankte. Heute denkt man an Extremwetter und die CO2-Bilanz. Nach der Endlosschleife der alten Bürgerfest-Filme kam es dann zu einer Premiere. An der Kinokasse trafen sich Fritz Prell und Dr. Helmut Diewald persönlich. Wendl Sorgends Kurzfilm „Play Harlekin“ (1966), mit Ludwig Hofmaier („Handstand-Lucki“) in der Hauptrolle, hatte sie auf dem Bürgerfest zusammen geführt.

Bilanz

Bürgerfest: Weniger Gäste als erwartet

Temperaturbedingt muss das Regensburger Fest Einbußen hinnehmen. Dafür zeigt sich die Polizei zufrieden.

Der Cineast Dr. Diewald hat „Play Harlekin“ und „Kleines Herz im Donautal“ (vom Eisdielen-Besitzer Michael Danton) auf eigene Kosten digitalisieren lassen. Am Bürgerfest 2019 war die Premiere der wunderbar aufgemöbelten Streifen. Diewald will auch den Nachlass des Filmemachers Sorgend ordnen.

Kümmern sich um das Gedenken an Wendl Sorgend: Fritz Prell (links) und Dr. Helmut Diewald Foto: Wanner
Kümmern sich um das Gedenken an Wendl Sorgend: Fritz Prell (links) und Dr. Helmut Diewald Foto: Wanner

Seine Witwe, die ehemalige Opern- und Operettensängerin Helene Fuchs, wohnt inzwischen wieder in Regensburg. Fritz Prell nun, der ehemalige Autohausbesitzer, war 65 Jahre mit den Sorgends befreundet. An der Kinokasse bahnte sich bei sommerlichen Temperaturen eine fruchtbare Zusammenarbeit an. „Es wird wenige Kinos in Deutschland geben, die bei 32 Grad so viel Publikum haben“, begrüßte Dr. Diewald das halbe Hundert Grau- und Weißköpfe, das sich in der Dunkelheit des Garbos verteilte.

So schön war der Bürgerfest-Samstag:

Das war der Bürgerfest-Samstag

Von der letzten Reihe aus kommentierte Fritz Prell die Sequenzen des Kurzfilms, dessen Handlung darin besteht, dass ein Pater und ein Polizist einen Harlekin durch die Altstadt von Regensburg jagt, eine Altstadt vor der Sanierung. Berühmt ist die Szene, in der 1966 Wasserskifahrer durch das erste Joch der Steinernen Brücke jagen. Das Boot steuerte Fritz Prell, ein sportlich fitter Senior. Eine Dame, Best-Agerin auch sie, kommentierte den Namen Handstand-Lucki mit den Worten. „Na, der Lucki, wie lange ist denn der schon tot?“ Fritz Prell: „Liebe Frau, der Ludwig Hofmaier ist jede Woche in Bares für Rares zu sehen.“

Der Dom ist Europa in Regensburg: Kränze für König Ludwig

Zum Domturm-Jubiläum: Freibier von Bischofshof Foto: H. C. Wagner
Zum Domturm-Jubiläum: Freibier von Bischofshof Foto: H. C. Wagner

Ein Stillleben der besonderen Art war am Domplatz zu bewundern: Vor dem Standbild von König Ludwig I. auf dem Domplatz lagen weiß-blaue Kränze. Die Diözese Regensburg hat sie neidergelegt. Sie feierte am Sonntag das Jubiläum der Domtürme.

Sehen Sie hier mehr Bilder vom Bühnenprogramm:

Sie rocken das Regensburger Bürgerfest

Vor 150 Jahren hatte der Wittelsbacher, Schüler von Johann Michael Sailer, dem Dom Türme aufsetzen lassen. Erzherzogin Elisabeth und Erzherzog Max von Bayern sowie Innenminister Joachim Herrmann waren Ehrengäste des Pontifikalgottesdienstes. In seiner Predigt sprach Bischof Dr. Rudolf Voderholzer Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer an. „Sie haben als Motto des Bürgerfestes gewählt: Regensburg in Europa.

Dank Klemens Unger steht der König wieder am Domplatz. Foto: Wanner
Dank Klemens Unger steht der König wieder am Domplatz. Foto: Wanner

Der Dom ist Europa in Regensburg.“ Ob in Chartres, Prag, Canterbury oder Regensburg sei die Gotik „derselbe Ausdruck des Glaubens“. Beim Brand von Notredame in Paris sei für kurze Zeit das „katholische Element“ ins öffentliche Bewusstsein getreten. „Was fehlt, wenn uns die Kathedralen fehlen?“

Ein Chinese, ein Spanier und ein Bayer sagen „Prost!“

„Regensburg in Europa“: Dazu gab’s das passende T-Shirt. Foto: Wanner
„Regensburg in Europa“: Dazu gab’s das passende T-Shirt. Foto: Wanner

„Regensburg in Europa“: Die Frauen der Wundertüte hatten dazu das passende T-Shirt. Ein Chinese, ein Spanier und ein Bayer prosten sich am Biertisch zu.

Dieses völkerverbindende Motto des Bürgerfestes wurde an den Ständen der internationalen Freundschaftsgesellschaften und der Regensburger Partnerstädte kreativ durchgespielt. Im traditionellen Open-Air-Gottesdienst am Neupfarrplatz meditierten die Pfarrer Thomas Koschnitzke und Ulrich Burkhardt den Begriff Heimat vor kleiner Herde auf inklusive Weise.

Evangelische machen eine Stelle für Kircheneintritt auf

Waren es die vielen Stufen? „Nicht so viele Menschen wie man sich wünschen würde“ empfing Pfarrer Klaus Weber von St. Lukas an der witzigen Kircheneintrittsstelle auf dem Plateau der Neupfarrkirche.

Pfarrer Klaus Weber von St. Lukas warb für Wiedereintritt. Foto: Wanner
Pfarrer Klaus Weber von St. Lukas warb für Wiedereintritt. Foto: Wanner

Erstmals zeigte die evangelische Kirche auf diese kreative Art in Regensburg Präsenz. Hoch über dem Platz wehte ein frisches Lüftchen. Der Stand wurde in Nürnberg entwickelt. Dort wird er von Pfarrern und Ehrenamtlichen betreut.

Hier finden Sie unseren Liveticker vom Regensburger Bürgerfest 2019 zum Nachlesen:

Alle Informationen zum Regensburger Bürgerfest 2019:

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