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Die Hitze-Helden des Bürgerfests

Ein paar Teufelskerle konnten am Bürgerfest über Temperaturen jenseits von 35 Grad nur müde lächeln. Wir stellen sie vor.
Von Wolfgang Ziegler

Dieter Schöbel Foto: Wolfgang Ziegler
Dieter Schöbel Foto: Wolfgang Ziegler

Regensburg.Dieter Schöbel (61), illustrer und lustiger Regensburger Gastronom (einstmals Japan-Corner, Sushi Bar, The Thai), ist eigens aus seiner zweiten Heimat Koh Samui gekommen, wo er inzwischen in Lamai die Happy Hippie Bar betreibt und hatte mit 11 454 Kilometer die wohl längste Anreise zum Bürgerfest. Eigentlich hatte er vor, an einem Stand an der „Fressmeile“ ein besonderes thailändisches Dessert anzubieten. Es war auch schon alles vorbereitet – aber dann machte ihm das Wetter bzw. die Hitze einen Strich durch die Rechnung. Die Köstlichkeit wäre zerlaufen, sagte Schöbel, der allergrößten Wert auf Qualität legt, der Mittelbayerischen.

„Ich habe in Regensburg mit thailändischen Temperaturen gerechnet, aber doch nicht mit mehr“, so der Wahl-Thailänder. „Ich bin ja sozusagen von der Kälte in die Wärme gekommen“, witzelte er. So bleibt den kulinarisch interessierten Regensburgern nichts anders übrig, als Dieter Schöbel in Lamai zu besuchen – was nicht unbedingt ein Nachteil ist. Seine Bar ist immer einen Besuch wert.

Die Party in 360 Grad: Klicken oder tippen Sie auf unser Bild und sehen Sie sich um:

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341,8 Grad : Heißer Job am Amboss

Jan Honomichl Foto: Wolfgang Ziegler
Jan Honomichl Foto: Wolfgang Ziegler

Dieser Mann bringt Eisen zum Schmelzen. Was macht er erst mit Frauenherzen? Jan Honomichl (39) aus der Regensburger Partnerstadt Pilsen schweigt und genießt – und schwingt auf dem Domplatz beim Weltenburger den Hammer an seinem Amboss. Gerade hat er das Stück aus dem Schmiedeofen geholt, wo unser Infrarot-Thermometer versagt, weil die Temperaturen über 1000 Grad liegen. Auf dem Stahlblock, an dem der Kunstschmied Hufeisen und Hufnägel formt, funktioniert es wieder und zeigt immer noch 341,8 Grad an.

Liveticker

Der Bürgerfest-NewsBlog zum Nachlesen

Heiß war sie, die Party des Jahres in Regensburg. Hier können Sie nachlesen, wie die Hitze-Schlacht an den drei Tagen ablief.

Bei einer ähnlichen Gluthitze hat er vorher Kerzenständer, Flaschenöffner, Schuhlöffel und sogar Schwerter gefertigt – die sind allerdings nicht geschliffen und werden nur für Schaukämpfe benutzt. Honomichl hat seine Schmiede-Werkstatt in Pilsen im Depo2015, ehemaligen Räumen der Verkehrsbetriebe. Dort produzieren, verkaufen und unterhalten inzwischen kreative Geister. Regelmäßig gibt es auch Ausstellungen, Konzerte und Workshops.

Das war der Bürgerfest-Freitag

197,7 Grad: Spezialität aus allerlei Resten

Jonas Jacob Foto: Wolfgang Ziegler
Jonas Jacob Foto: Wolfgang Ziegler

Jonas Jacob (39) aus Auendorf im schwäbischen Landkreis Ravensburg hat eine ganz besondere Spezialität seiner Heimat auf den Neupfarrplatz gebracht: Dinnete. Dabei handelte es sich ursprünglich um eine alte Bauernspeise, für die man allerlei Reste verwendete, wie uns Jacob erklärte. Basis sei ein Brotteig, der ausgewalzt werde, und darauf würden Zwiebel, Speck, Tomaten oder Kartoffeln gelegt – oder eine Mixtur daraus. Die Dinnete backt er im Ofen auf acht Blechen bei Temperaturen zwischen 300 und 400 Grad – direkt im Holzfeuer herrschten bei unserer Messung gerade 197,7 Grad.

So schön war Tag eins auf dem Bürgerfest

Daneben hat der junge Bäckermeister auch noch andere Köstlichkeiten im Angebot: Nutella-Stockbrot zum Beispiel („das kommt vor allem bei Kindern gut an“) oder Brotstangen, die schwäbische Variante von hiesigen Salzstangen. Wer es diesmal nicht an den Jacob-Stand schafft, muss sich keine Sorgen machen. Jonas Jacob kommt wieder – „Regensburg ist eine geile Stadt“, sagte er uns.

74,1 Grad: Die Kunst, eine Mutz zu machen

Thomas Martinek Foto: Wolfgang Ziegler
Thomas Martinek Foto: Wolfgang Ziegler

Thomas Martinek (52) aus dem thüringischen Knopf-Stadt Schmölln hat die Lizenz, Mutzbraten zu machen. Das kulinarische Schmankerl seiner Heimat ist eigentlich nichts anderes als ein Schweinenacken. Denn mit „Mutz“ bezeichnet man in Thüringen die Sau, weil sie die Bauern mit den Worten „Mutz, Mutz...“ locken. Einen Mutzbraten zu machen, ist allerdings eine Kunst: Man braucht ein faustgroßes Nackenstück (ca. 300 Gramm), sieben verschiedene Gewürze, muss das Fleisch 15 Stunden vakuuminieren, damit es saftig bleibt und grill es dann über Birkenholzfeuer. Im Abstand von einem Meter vor dem Grill in Stadtamhof zeigte unser Thermometer 74,1 Grad, direkt am Spieß war es natürlich heißer. In Thüringen isst man zu Mutzbraten Sauerkraut und eine Scheibe doppelt gebackenes Bauernbrot, wie uns Martinek erklärte, der übrigens schon seit 30 Jahren in Schwarzenfeld lebt.

120,3 Grad: Feuer für den Flamm-Kuchen

Claude Bourigault Foto: Wolfgang Ziegler
Claude Bourigault Foto: Wolfgang Ziegler

Claude Bourigault (61) aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Straßburg muss lachen, als wir ihn an seinem Ofen auf die Hitze ansprechen. „Wir sind das seit über 20 Jahren gewöhnt“, sagt der Franzose mit dem charmanten Akzent. Er bringt den Regensburgern am Fischmarkt mit seinem Flamm-Kuchen das kulinarische Markenzeichen des Elsaß’ näher. An der Ofentür maßen wir 120,3 Grad, drinnen hatte es bis zu 400 Grad – bei 37 Grad Außentemperatur im Schatten, den es nicht gab. Bourigault kam aber nicht nur deshalb ins Schwitzen, sondern auch, weil ihn die Kunden auf Trab hielten.

13,4 Grad: Wenn ein Löwe baden geht

Fabian Queck Foto: Wolfgang Ziegler
Fabian Queck Foto: Wolfgang Ziegler

Fabian Queck (33) hatte eine der begehrtesten Aufgaben auf dem Bürgerfest. Zur (Schaden-)Freude der Besucher musste/durfte er in der Thundorfer Straße am Stand des Leo-Clubs immer wieder baden gehen, wenn mit einem Ball der Knopf für den „Schleuder-Sitz“ getroffen wurde. Kleiner Haken: Das Wasser hatte bei unserer Messung nur 13,4 Grad und war damit kälter als die Fluten der Nordsee. Der Physiker, der schon seit 2007 in gleicher Funktion beim Bürgerfest dabei ist, trug’s mit Fassung. Schließlich kam der gesamte Erlös der Aktion dem VKKK zugute. Dafür ist nichts zu kalt – oder zu heiß.

Sehen Sie hier mehr Bilder von unserem kulinarischen Rundgang übers Bürgerfest:

Kulinarischer Rundgang übers Bürgerfest

Hier finden Sie unseren Liveticker vom Bürgerfest 2019 zum Nachlesen:

Alle Informationen zum Regensburger Bürgerfest 2019:

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